100 Tage Mexiko – was wir heute anders machen würden und was wir genauso wieder tun würden

Dieser Beitrag ist Teil 2 unserer Geschichte rund um unsere Auswanderung nach Mexiko. Im ersten Teil haben wir erzählt, warum wir uns für die Baja California Sur entschieden haben und welche Überlegungen hinter unserer Entscheidung standen. Hier ziehen wir nun nach unseren ersten 100 Tagen in Mexiko ein persönliches Zwischenfazit.

Wenn wir heute – nach unseren ersten 100 Tagen in Mexiko – gefragt werden, ob wir etwas anders machen würden, ist unsere Antwort erstaunlich einfach:

Nein. Eigentlich nichts.

Wir haben in den letzten Monaten oft darüber nachgedacht, ob wir an irgendeiner Stelle anders hätten planen, uns anders entscheiden oder vielleicht sogar einen anderen Weg einschlagen würden.

Aber je länger wir darüber nachdenken, desto klarer wird uns:

Wir würden es wieder genauso machen.

Natürlich war unser Weg nicht spontan. Unser Traum, irgendwann auszuwandern, war jahrelang genau das: ein Traum.

Denn irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich nicht mehr nur fragen muss, wo man gerne leben möchte, sondern auch, wie man dieses Leben finanzieren kann.

Ein Traum allein reicht leider nicht. Man braucht einen realistischen Plan.

Bei uns hat es einige Zeit gedauert, bis wir unser Haus in Österreich verkaufen konnten. Allein dieser Prozess hat sich über rund zwei Jahre gezogen und unseren gesamten Zeitplan immer wieder beeinflusst.

Aber im Nachhinein betrachtet war auch das ein wichtiger Teil unseres Weges. Wir mussten warten. Wir mussten planen. Wir mussten rechnen. Und wir mussten den richtigen Zeitpunkt abwarten.

Heute wissen wir: Es war gut so. Denn dadurch hatten wir die Möglichkeit, unseren Schritt vernünftig vorzubereiten und nicht einfach aus einer Laune heraus alles hinter uns zu lassen.

Nicht einfach irgendein Land – sondern unser Land

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus unserem gesamten Auswanderungsprozess ist für uns: Man sollte nicht zuerst fragen: In welches Land kann ich günstig auswandern? Man sollte sich zuerst fragen:

Was suche ich eigentlich? Was ist mir im Leben wichtig? Wie möchte ich leben? Welches Klima tut mir gut? Welche Landschaft liebe ich? Welche Mentalität passt zu mir? Wie wichtig sind mir gutes Essen, Natur, Meer oder Berge? Wie wichtig sind mir politische Stabilität und Sicherheit? Wie wichtig ist mir eine funktionierende medizinische Versorgung? Und wie wichtig ist mir die Infrastruktur?

Wir haben auf unseren Reisen viele wunderschöne Orte auf dieser Welt kennengelernt. Orte, die perfekt für einen Urlaub waren.

Aber irgendwann haben wir verstanden:

Ein schöner Urlaubsort ist nicht automatisch ein guter Ort zum Leben.

Wenn man dauerhaft irgendwo leben möchte, braucht es für uns das große Ganze. Das Rundumpaket.

Für uns waren die Mentalität der Menschen, die Landschaft, das Klima – ganz bewusst kein subtropisches Klima –, gutes Essen, die Möglichkeit zu tauchen, politische Sicherheit und eine gute medizinische Versorgung wichtige Faktoren.

Aber auch die Infrastruktur musste für uns passen. Wir wollten nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten sein.

Ein Kinobesuch sollte möglich sein. Ein internationaler Flughafen sollte in erreichbarer Nähe liegen. Es sollte eine vernünftige medizinische Versorgung geben. Und natürlich wollten wir auch die Möglichkeit haben, Dinge des täglichen Lebens zu erledigen.

Wir haben deshalb irgendwann aufgehört, nach dem einen perfekten Land zu suchen. Stattdessen haben wir uns gefragt:

Welche Dinge sind für uns unverzichtbar – und wo finden wir möglichst viele davon an einem Ort?

Und mit etwas Glück findet man irgendwann ein Land, in dem tatsächlich ein großer Teil dieses persönlichen „Rundumpakets“ zusammenkommt.

Für uns war das die Baja California Sur.

Wir haben nicht nur besucht – wir haben recherchiert

Natürlich haben wir die Baja und Mexiko vor unserer Auswanderung mehrfach besucht. Aber wir haben unsere Entscheidung niemals ausschließlich auf unsere Urlaube gestützt.

Wir haben unabhängig von unseren Aufenthalten unglaublich viel recherchiert. Wir haben uns intensiv mit den Lebensbedingungen vor Ort beschäftigt, uns mit unserem Steuerberater ausgetauscht und auch unsere Anwältin immer wieder einbezogen.

Wir wollten möglichst genau wissen, worauf wir uns einlassen:

Welche Voraussetzungen müssen wir für unseren Aufenthalt erfüllen? Welche rechtlichen Dinge müssen wir beachten? Wie funktioniert das Leben als Ausländer? Welche steuerlichen Fragen müssen geklärt werden? Was bedeutet es tatsächlich, seinen Lebensmittelpunkt nach Mexiko zu verlegen?

Wir wollten nicht einfach nur auswandern. Wir wollten gut vorbereitet auswandern.

Natürlich kann man niemals alles vorher wissen. Das Leben hält immer Überraschungen bereit. Aber je besser man sich vorbereitet, desto leichter ist es, mit den Dingen umzugehen, die man nicht vorhersehen konnte.

Das Land kennenlernen – nicht nur die Touristenorte

Ein weiterer Punkt, den wir jedem empfehlen würden, der über eine Auswanderung nachdenkt: Reist das Land vorher ausgiebig. Und zwar nicht nur die klassischen Touristenorte.

Fahrt herum. Schaut euch verschiedene Regionen an. Verlasst die touristischen Pfade. Sprecht mit den Menschen. Beobachtet, wie das Leben wirklich funktioniert.

Denn ein Land kann im Urlaub wunderschön sein und sich im Alltag trotzdem völlig anders anfühlen.

Wir wollten Mexiko nicht nur als Urlauber kennenlernen. Wir wollten verstehen, wie es sich anfühlt, hier tatsächlich zu leben. Und je mehr wir gesehen und erlebt haben, desto klarer wurde unsere Entscheidung.

Eine Sache würden wir heute allerdings anders machen

Wenn wir eine Sache nennen müssten, die wir heute anders angehen würden, dann wäre es wahrscheinlich meine Vorbereitung auf die spanische Sprache.

Ich habe versucht, mir Spanisch über Bücher und online beizubringen. Aber ich muss ehrlich sagen: Das funktioniert für mich einfach nicht besonders gut.

Ich bin jemand, der eine Sprache hören und vor allem sprechen muss. Ich muss sie im Alltag benutzen. Ich muss mit Menschen reden. Ich muss Fehler machen. Und genau diese Möglichkeit hatte ich vor unserer Auswanderung natürlich nicht.

Heute würde ich mich unglaublich gerne viel mehr mit den Menschen hier unterhalten. Mit unseren Nachbarn. Mit den Locals. Mit den Menschen, denen wir im Alltag begegnen.

Ich möchte nicht immer nur danebenstehen und zuhören. Ich möchte selbst mitreden können. Im Moment muss Romed deshalb noch sehr oft als Übersetzer einspringen.

Und auch wenn wir darüber lachen können, finde ich es manchmal ehrlich gesagt schade. Denn gerade die Gespräche mit den Menschen vor Ort sind für mich ein wichtiger Teil davon, wirklich anzukommen.

Deshalb würde ich heute wahrscheinlich schon deutlich früher versuchen, eine Möglichkeit zu finden, Spanisch direkt vor Ort zu lernen. Nicht nur mit Büchern. Nicht nur online. Sondern mitten im Leben.

Die finanzielle Seite – ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf

Ein weiterer wichtiger Punkt, den wir jedem mitgeben würden, der über eine Auswanderung nachdenkt: Plant eure Finanzen realistisch. Nicht nur die Kosten für den Umzug. Nicht nur das Visum. Nicht nur die erste Wohnung. Sondern das komplette Leben.

Wie viel Budget steht euch jeden Monat tatsächlich zur Verfügung? Was kostet die Miete? Was kosten Lebensmittel? Was kostet ein Auto? Wie teuer ist die Krankenversicherung? Was kosten Strom, Wasser, Internet und Mobilität? Wie viel kostet das Leben in genau der Region, in der ihr leben möchtet?

Denn auch hier gilt: Mexiko ist nicht gleich Mexiko. Die Lebenshaltungskosten können sich je nach Region und Lebensstil erheblich unterscheiden.

Wir haben uns deshalb bereits vor unserem Umzug ein realistisches monatliches Budget errechnet. Wir wollten wissen, wie viel wir jeden Monat tatsächlich zur Verfügung haben und mit welchem Betrag wir im Alltag auskommen möchten. Und natürlich wollten wir anschließend auch sehen, wie nah wir mit unseren tatsächlichen Ausgaben an diesem Budget liegen.

Unser erstes Monatsergebnis hat uns dabei ehrlich gesagt positiv überrascht.

Im ersten Monat lagen unsere tatsächlichen Ausgaben bei rund 96 Prozent unseres geplanten Budgets. Im zweiten Monat waren es nur noch rund 78 Prozent.

Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass gerade der erste Monat besondere Ausgaben mit sich gebracht hat. Wir mussten viele Dinge anschaffen, die zum normalen täglichen Leben gehören. Zum Beispiel:

  • Bettwäsche
  • ein Sonnensegel
  • Zubehör für unser Auto
  • Geschirre und Leinen für Nala und Hope
  • und viele andere Dinge, die man eben braucht, wenn man einen neuen Haushalt aufbaut

Diese Ausgaben waren für uns aber von Anfang an eingeplant und wurden deshalb auch separat betrachtet. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir unsere laufenden monatlichen Ausgaben ungefähr auf diesem Niveau halten können – vielleicht sogar noch ein bisschen darunter.

Natürlich muss sich das Alltagsleben erst einmal einspielen. Man muss herausfinden: Wo bekommt man was? Wo ist etwas günstiger? Wo kauft man am besten ein? Welche Produkte gibt es überhaupt vor Ort? Und wo lohnt es sich vielleicht, etwas anderes auszuprobieren? Auch das braucht Zeit.

Aber genau deshalb würden wir jedem empfehlen, vor einer Auswanderung nicht einfach irgendeine Zahl aus dem Internet als monatliches Budget anzunehmen.

Rechnet selbst. Recherchiert die Preise in genau der Region, in der ihr leben möchtet. Schaut euch Mieten an. Lebensmittelpreise. Versicherungen. Mobilität. Strom und Wasser. Und plant einen realistischen Puffer ein.

Denn erst wenn man weiß, was das Leben vor Ort tatsächlich kostet, kann man auch realistisch entscheiden, ob das eigene finanzielle Konzept funktioniert.

Unser Fazit nach 100 Tagen

Wenn wir heute zurückblicken, würden wir unseren Weg wieder genauso gehen.

Wir würden wieder jahrelang träumen. Wir würden wieder recherchieren. Wir würden wieder warten, bis die finanziellen Voraussetzungen stimmen. Wir würden wieder unser Haus verkaufen und diesen großen Schritt vorbereiten. Wir würden wieder Mexiko bereisen und versuchen, das Land abseits der klassischen Touristenpfade kennenzulernen. Wir würden uns wieder mit unserem Steuerberater und unserer Anwältin zusammensetzen. Und wir würden wieder versuchen, möglichst genau herauszufinden, ob dieses Land tatsächlich zu unserem Leben passt.

Denn für uns war die Auswanderung nie eine Entscheidung nach dem Motto: „Dort ist es billig, also ziehen wir hin.“

Es ging nie nur um Steuern. Nie nur um die Lebenshaltungskosten. Und auch nicht nur darum, irgendwo am Meer zu leben.

Es ging um das Gesamtbild. Um die Menschen. Die Mentalität. Die Landschaft. Das Klima. Das Meer. Das Tauchen. Das Essen. Die Sicherheit. Die medizinische Versorgung. Die Infrastruktur. Und um das Gefühl, dass wir uns hier ein Leben vorstellen können, das zu uns passt.

Wie sich dieses neue Leben für uns ganz konkret im Alltag anfühlt, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben: „Wie sich unser Leben hier eigentlich anfühlt“.

Wir haben viele wunderschöne Orte auf dieser Welt gesehen. Aber irgendwann muss man sich entscheiden: Wo möchte ich nicht nur Urlaub machen, sondern wirklich leben?

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Frage, die man sich vor einer Auswanderung stellen sollte.

Findet zuerst heraus, was ihr eigentlich sucht. Was euch wichtig ist. Was ihr braucht, um euch wohlzufühlen. Was für euch unverzichtbar ist. Und was vielleicht weniger wichtig ist. Und dann sucht.

Mit ein bisschen Glück findet ihr irgendwann einen Ort, an dem sich möglichst viele dieser Dinge verbinden. Vielleicht nicht alles. Vielleicht nicht perfekt. Aber genug, um sagen zu können:

Ja. Hier kann ich mir mein Leben vorstellen.

Genau das haben wir für uns gefunden.

Und deshalb würden wir heute, nach unseren ersten 100 Tagen in Mexiko, auf die Frage, ob wir etwas anders machen würden, wieder genauso antworten wie am Anfang:

Nein. Eigentlich nichts. Wir würden es wieder genauso machen.

Nur Spanisch würde ich wahrscheinlich früher lernen. 😄

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Wir versuchen, für unsere Beiträge so gewissenhaft wie möglich zu recherchieren und unsere Informationen nach bestem Wissen und Gewissen zusammenzutragen. Gleichzeitig teilen wir hier vor allem unsere eigenen Erfahrungen, persönlichen Eindrücke und Empfehlungen, die wir während unseres Lebens und unserer Auswanderung auf der Baja California Sur sammeln.

Bitte bedenkt dabei, dass sich Gesetze, Vorschriften und behördliche Abläufe jederzeit ändern können. Außerdem kann manches, was hier auf der Baja California Sur gilt oder auf eine bestimmte Weise gehandhabt wird, in anderen Regionen Mexikos ganz anders aussehen.

Daher können wir keine Gewaehr dafuer uebernehmen, dass unsere Angaben vollstaendig sind oder zum Zeitpunkt des Lesens noch der aktuell gueltigen Gesetzeslage bzw. den derzeitigen behoerdlichen Vorgaben entsprechen.

Unser Rat: Bitte recherchiert wichtige Informationen immer noch einmal selbst, fragt bei den zustaendigen Behoerden oder Fachleuten nach und vergewissert euch, dass die jeweiligen Angaben fuer eure persoenliche Situation und euren Aufenthaltsort tatsaechlich zutreffen.

Unsere Beitraege sollen euch vor allem einen Einblick in unsere Erfahrungen geben, euch inspirieren und vielleicht die eine oder andere Orientierung bieten – sie ersetzen jedoch keine individuelle Beratung oder eigene Recherche.

Wir freuen uns, wenn unsere Erfahrungen euch bei euren eigenen Plaenen helfen koennen.

Übrigens: Alles rund ums Ankommen, erste Behördengänge und Notfallpläne haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.

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