Autofahren in Mexiko – warum wir heute ziemlich entspannt unterwegs sind

Als wir zum ersten Mal in Mexiko ins Auto gestiegen sind, war das eines der Dinge, die uns im Vorfeld am meisten beschäftigt haben. Wie funktionieren die Kreuzungen? Wie fahren die Menschen hier? Was gilt, was gilt nicht?

Kommt man aus Österreich, wo vieles beschildert, geregelt und vorhersehbar ist, wirkt der Verkehr in einem neuen Land am Anfang erst einmal ungewohnt. Wir waren zuvor schon in Ländern mit Linksverkehr unterwegs, die Umstellung an sich war also nichts komplett Neues für uns. Trotzdem fährt man in den ersten Wochen automatisch vorsichtiger, schaut genauer hin und versucht herauszufinden, was hier wirklich zählt.

Mit der Zeit ist daraus etwas geworden, das wir am Anfang so nicht erwartet hätten: Vieles, was uns zuerst chaotisch vorkam, funktioniert einfach anders, als wir es gewohnt waren. Weniger Kontrolle, mehr Aufmerksamkeit. Weniger Stress, mehr Gelassenheit.

Cuatro altos statt Ampeln

Eine der größten Umstellungen für uns waren Kreuzungen ohne Ampeln. In Mexiko gibt es stattdessen viele sogenannte „Cuatro altos“ – vier Stoppschilder an einer Kreuzung, ohne dass eine Ampel regelt, wer fahren darf.

Die Regel klingt simpel: Wer zuerst an der Kreuzung ankommt, hat Vorfahrt. Die eigentliche Herausforderung ist eher, überhaupt zu erkennen, dass an dieser Kreuzung ein Stoppschild steht. Bäume verdecken die Schilder manchmal komplett, oder man übersieht sie einfach, weil man noch nicht daran gewöhnt ist. Und in La Paz gibt es gefühlt tausende solcher Kreuzungen.

Für jemanden aus Europa klingt „wer zuerst da ist, fährt zuerst“ erst einmal nach einem Rezept für Chaos. Und trotzdem funktioniert es. Man schaut, wartet kurz, es gibt Blickkontakt – und irgendwie klärt sich an der Kreuzung, wer als Nächstes dran ist. Genau das war für uns eine der größten Überraschungen: Es funktioniert, weil die meisten Menschen tatsächlich Rücksicht nehmen. Es geht weniger darum, wer im Recht ist, sondern darum, gemeinsam durch die Kreuzung zu kommen.

Straßen auf der Baja

Auf der Baja ist Autofahren oft mehr als nur von A nach B kommen. Die Entfernungen sind groß, man fährt gefühlt hundert Kilometer geradeaus, bevor sich die Landschaft überhaupt verändert. Dann wieder Bergstraßen, die uns manchmal an Tirol erinnern. Abseits der Hauptstraßen sind es häufig Sandpisten, mal besser, mal schlechter befahrbar. Wüste, Berge, Kakteen, dazwischen das Meer am Horizont.

Schlaglöcher gehören hier zum Alltag, und zwar richtig viele. Manche Straßen sehen sich von einer Woche zur nächsten fast nicht mehr ähnlich. Dazu kommen Tiere: Kühe, Pferde und Esel stehen nicht selten am Straßenrand, manchmal auch mitten auf der Fahrbahn. Nachts sind sie kaum zu sehen, die Straßen sind schlecht beleuchtet – deshalb vermeiden wir längere Fahrten nach Einbruch der Dunkelheit, wenn es nicht sein muss.

Die mexikanische Liebe zur Warnblinkanlage

Eine Sache bringt uns bis heute regelmäßig zum Schmunzeln: die Warnblinkanlage. In Mexiko ist sie ein echtes Multitalent. Sie bedeutet nicht nur „hier ist etwas passiert“, sondern auch „ich halte kurz an“, „Vorsicht, Zebrastreifen“ oder „da vorne stehen Kühe auf der Straße“.

Am Anfang haben wir uns gefragt, warum plötzlich überall Warnblinker angehen. Mittlerweile machen wir es genauso: Sehen wir Tiere auf der Straße, müssen wir kurz anhalten oder passiert irgendetwas, bei dem andere aufpassen sollten, geht bei uns automatisch die Warnblinkanlage an. Man übernimmt so etwas schneller, als man denkt.

Und manchmal wird die Kommunikation noch etwas kreativer: Auch wenn die Warnblinkanlage bereits blinkt, sieht man gelegentlich zusätzlich einen Arm aus dem Fahrerfenster, der die Abbiegerichtung anzeigt. Ganz ohne Worte, aber völlig eindeutig. Die Warnblinkanlage als eigene Sprache – und der Arm aus dem Fenster liefert einfach noch die Zusatzinfo dazu.

Autos erzählen Geschichten

Die Fahrzeuge hier haben oft ihren ganz eigenen Charakter. Viele Autos sind schon etwas älter und haben sichtbar einige Sandpisten hinter sich. Ein Teil davon geht auf das Konto der Hitze: Scheinwerfer werden blind, Gummiteile spröde, Kunststoff leidet unter der Sonne. Man sieht Autos ohne Licht, fehlende Karosserieteile oder Reparaturen, die in Europa vermutlich niemand so machen würde – wo bei uns geschweißt oder ein Teil getauscht würde, helfen hier Kabelbinder und Duck Tape.

Nach europäischen Maßstäben würden viele dieser Fahrzeuge keinen Schönheitspreis gewinnen, ein Pickerl bekämen sie mit Sicherheit auch nicht. Trotzdem bringen sie ihre Besitzer fast immer ans Ziel. Und wenn doch mal etwas nicht funktioniert, sieht man die Lösung meistens direkt am Straßenrand: ein Kühler wird nachgefüllt, weil er kocht, ein Reifen gewechselt, oder mehrere Leute stehen zusammen und lösen das Problem gemeinsam, ganz entspannt.

Musik im Auto

Viele Fahrzeuge hier haben keine Klimaanlage, die Fenster sind entsprechend eigentlich immer offen. Und damit gehört noch etwas zum Straßenbild: Musik, oft ziemlich laut.

Neulich sind wir nur kurz zum Oxxo gefahren, Fenster offen, Musik ein bisschen lauter als eigentlich nötig. Und mittendrin ist uns aufgefallen: Wir machen es inzwischen genauso. Mexikanische Musik hat etwas, das schwer zu erklären ist. Man versteht nicht jedes Wort, kennt den Text nicht, kann nicht wirklich mitsingen – trotzdem geht der Rhythmus einfach ins Blut.

Transport und Hunde

Auch beim Transport gibt es hier eine eigene Kreativität. Was nicht in den Kofferraum passt, kommt oben drauf. Auf Pick-ups wird geladen, was gerade transportiert werden muss: Menschen, Material, manchmal auch Hunde. Wie die Ladung dabei gesichert ist, wirkt gelegentlich sehr entspannt – aber es funktioniert.

Und dann sind da die Hunde selbst: Aus fast jedem zweiten Fenster schaut einer heraus und genießt den Fahrtwind, auf Pick-ups sitzen sie oft ganz selbstverständlich auf der Ladefläche und beobachten die Welt. Am Anfang war das für uns ungewohnt, inzwischen gehört es für uns einfach zum Straßenbild dazu.

Autofahren in Mexiko ist für uns heute kein Abenteuer mehr, sondern Alltag. Wir fahren einkaufen, zum Markt, ans Meer oder einfach irgendwohin. Was am Anfang fremd war, gehört inzwischen zu unserem Leben.

Übrigens: Die komplette Umzugslogistik – von Container über Zoll bis Auto und Führerschein – haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.

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