Giftige Tiere auf der Baja – oder: Warum wir hier trotzdem barfuß laufen

Als wir auf die Baja gezogen sind, haben wir uns auf vieles eingestellt.

Auf Hitze.
Auf Wüste.
Auf Sand.
Auf Kojoten, Füchse und vielleicht irgendwann einmal einen Puma, der irgendwo in der Ferne durch unser Grundstück streift.

Aber natürlich kommt irgendwann die Frage: „Und was ist mit den giftigen Tieren?“

Nun ja. Die gibt es. Und zwar nicht wenige. Über und unter Wasser.

Als leidenschaftliche Taucher und Schnorchler interessiert uns natürlich vor allem, was sich unter der Wasseroberfläche herumtreibt. Aber auch an Land gibt es hier einige Bewohner, auf die wir durchaus noch gespannt sein dürfen.

Aber mal ehrlich – diese Tiere wollen von uns genauso wenig wie wir von ihnen. Und genau genommen ist das auch schon die vernünftigste Basis für ein friedliches Zusammenleben. 😄

Wir haben uns schon vor Jahren, als wir uns entschieden hatten hierher auszuwandern, ein Bestimmungsbuch für Spinnen und Schlangen gekauft. Weil wir einfach wissen wollten, was uns da eigentlich über den Weg läuft. Und genau das finden wir bis heute spannend.

Wenn wir ein Tier entdecken, möchten wir nicht nur sagen können: „Oh, eine Schlange!“ Wir wollen wissen, welche. Denn je besser man die Natur kennt, desto weniger Angst muss man vor ihr haben.

An Land

Klapperschlangen – bitte einmal Abstand halten

Beginnen wir mit einem Tier, das vermutlich bei den meisten Menschen nicht unbedingt Begeisterungsstürme auslöst: der Klapperschlange.

Auf der Baja gibt es mehrere Arten, unter anderem die Rote Diamant-Klapperschlange und die Gefleckte Klapperschlange. Ihr Gift kann Gewebe zerstören und heftige Schmerzen verursachen. Bei rechtzeitiger medizinischer Behandlung sind Bisse allerdings nur selten tödlich.

Trotzdem würden wir persönlich nicht unbedingt den Helden spielen. Wenn irgendwo im Gebüsch plötzlich ein Rasseln zu hören ist, gibt es für uns eigentlich nur eine vernünftige Reaktion: Stehen bleiben. Schauen. Abstand halten.

Und auf keinen Fall denken: „Ach, da muss ich jetzt aber unbedingt nachsehen.“ Die Schlange weiß schließlich schon, wo sie ist. Wir müssen das nicht auch noch überprüfen. 😄

Skorpione – klein, aber bitte nicht unterschätzen

Auch Skorpione gehören hier zum Alltag. Einer der relevanteren Vertreter ist der Baja California Bark Scorpion, der eng mit dem deutlich gefährlicheren Arizona-Rindenskorpion verwandt ist. Er gilt zwar als weniger giftig, harmlos ist sein Gift allerdings trotzdem nicht. Es kann unter anderem Atembeschwerden und Muskelkrämpfe verursachen.

Skorpione mögen es gerne versteckt. Unter Steinen. In Rindenspalten. Oder in kühleren, feuchteren Bereichen. Also genau an den Stellen, an denen man vielleicht irgendwann einmal gedankenlos herumhantiert.

Wir haben deshalb eine kleine persönliche Regel entwickelt: Wenn etwas unter einem Stein wohnt, lassen wir es dort wohnen. Das gilt übrigens nicht nur für Skorpione.

Spinnen – und plötzlich ist eine neue Art da

Natürlich gibt es hier auch jede Menge Spinnen. Unter ihnen befindet sich beispielsweise die Schwarze Witwe. Und weil die Natur offenbar noch nicht genug Auswahl hatte, wurde 2013 in den Bergen bei La Paz sogar eine bis dahin unbekannte Spinnenart entdeckt.

Das finden wir ehrlich gesagt ziemlich faszinierend. Man lebt hier also mitten in einer Region, in der die Natur noch immer Überraschungen bereithält. Und genau deshalb haben wir unser Bestimmungsbuch auch immer wieder zur Hand. Gerade bei Spinnen und Schlangen finden wir es spannend, genauer hinzusehen und herauszufinden, was wir da eigentlich vor uns haben.

Allerdings müssen wir nicht jede Überraschung persönlich kennenlernen. Vor allem dann nicht, wenn sie acht Beine hat und irgendwo plötzlich aus dem Gebüsch kommt. 😄

Im Wasser – unser persönlicher Lieblingsbereich

Und jetzt kommen wir zu dem Teil, der uns natürlich besonders interessiert. Das Meer.

Wir verbringen einen großen Teil unserer Zeit im und am Wasser. Wir tauchen. Wir schnorcheln. Wir beobachten Tiere. Und wir könnten wahrscheinlich stundenlang darüber erzählen, was uns unter Wasser schon alles begegnet ist.

Aber gerade weil wir die Unterwasserwelt so lieben, haben wir gelernt: Man sollte wissen, wem man dort begegnen könnte. Denn nicht jedes Tier freut sich über menschliche Gesellschaft.

Der Kalifornische Drachenkopf – anschauen reicht völlig

Der Kalifornische Drachenkopf ist ein giftiger Fisch. Seine Rückenstacheln können bei Berührung Gift abgeben. Die Beschwerden sollen laut Berichten teilweise sogar denen eines Klapperschlangenbisses ähneln.

Für uns ist das eigentlich ein schönes Beispiel dafür, warum wir beim Tauchen eine ganz einfache Regel haben: Wir schauen. Wir fassen nicht an. Das gilt übrigens für fast alles, was wir unter Wasser sehen. Die Natur hat ihre eigenen Regeln. Und wir sind dort Gäste.

Stachelrochen – bitte nicht darauf treten

Stachelrochen gehören für uns zu den faszinierendsten Tieren, denen man im flachen Wasser begegnen kann. Sie sind wunderschön anzusehen und meistens völlig friedlich.

Das Problem beginnt eigentlich erst dann, wenn Mensch und Rochen sich zu nahe kommen. Der Giftstachel sitzt am Schwanzansatz, und Verletzungen entstehen meistens, wenn ein Rochen versehentlich getreten wird. Deshalb sollte man beim Waten durch flaches Wasser ein bisschen aufpassen.

Wir wollen schließlich keinen Rochen erschrecken. Und der Rochen möchte vermutlich genauso wenig, dass plötzlich ein menschlicher Fuß auf ihm landet. Also gilt: Schön langsam durch das Wasser. Augen auf. Und den Rochen seinen Weg schwimmen lassen.

Seeigel – klein, stachelig und ziemlich unangenehm

Seeigel sind nicht unbedingt die gefährlichsten Bewohner des Meeres. Aber sie haben Stacheln. Viele Stacheln. Und die können in der Haut abbrechen und unangenehme Reizungen oder Infektionen verursachen.

Wir finden Seeigel wunderschön. Aber wir finden sie eindeutig noch schöner, wenn sie sich dort befinden, wo sie hingehören: unter unseren Füßen. Und nicht in unseren Füßen.

Kegelschnecken – wunderschön und besser nicht anfassen

Jetzt wird es wirklich interessant. Kegelschnecken sehen auf den ersten Blick wunderschön und völlig harmlos aus. Einige Arten kommen auch im Golf von Kalifornien vor.

Und dann kommt der Haken: Sie besitzen einen harpunenartigen „Zahn“, mit dem sie Gift injizieren können. Bei einigen Arten weltweit kann dieses Nervengift für Menschen sogar lebensgefährlich sein.

Das ist für uns wieder eine dieser faszinierenden Lektionen der Natur: Nicht alles, was schön aussieht, möchte angefasst werden. Deshalb gilt auch hier: Anschauen. Bewundern. Foto machen. Und liegen lassen.

Muränen – keine Giftzähne, aber dafür kräftige

Muränen sind nicht giftig. Dafür haben sie ziemlich beeindruckende Zähne und können kräftig zubeißen. Allerdings passieren Verletzungen meist dann, wenn Menschen die Tiere bedrängen oder füttern.

Wir persönlich halten uns daher an eine ziemlich einfache Vereinbarung: Wir lassen die Muränen in Ruhe. Und die Muränen lassen uns in Ruhe. Funktioniert bisher hervorragend. 😄

Die Gelbbauch-Seeschlange – der extrem seltene Gast

Und dann gibt es noch einen Bewohner, von dem wir hoffentlich niemals sagen müssen: „Schau mal, was da gerade schwimmt!“ Die Gelbbauch-Seeschlange.

Eigentlich ist sie in tropischen Regionen zuhause. In besonders starken El-Niño-Jahren kann sie jedoch bis an die Pazifikküste der Baja gelangen. Sie ist hochgiftig. Aber: Sie ist extrem selten. Seit den 1970er-Jahren wurden nur einzelne Sichtungen dokumentiert.

Wir müssen uns also vermutlich keine großen Sorgen machen. Wenn wir beim Schnorcheln etwas Gelbes sehen, ist es wahrscheinlich eher ein Fisch. Oder hoffentlich einfach nur ein besonders schöner Sonnenstrahl.

Portugiesische Galeeren – wunderschön, aber bitte nur aus sicherer Entfernung

Von einem weiteren faszinierenden Meeresbewohner haben wir hier auf der Baja bereits gehört: der Portugiesischen Galeere. Gerade in starken El-Niño-Jahren – und ein solches haben wir heuer – soll es auch hier zu vermehrten Sichtungen kommen.

Die Portugiesische Galeere ist übrigens keine einzelne Qualle, auch wenn sie auf den ersten Blick ein bisschen so aussieht. Sie ist ein faszinierender Zusammenschluss vieler spezialisierter Einzelorganismen, die gemeinsam wie ein einziges Tier funktionieren. Ihr auffälliges, oft blau bis violett schimmerndes Segel treibt an der Wasseroberfläche und wird vom Wind über das Meer getragen.

Und wir müssen zugeben: Sie sind einfach wunderschön. Wir kennen die Portugiesische Galeere bereits aus früheren Reisen und haben deshalb schon persönliche Erfahrung mit ihnen. Allerdings beschränkte sich diese Begeisterung eben auch wieder nur aufs Anschauen. Denn ihre langen Tentakel können auch dann noch schmerzhafte Verletzungen verursachen, wenn das Tier bereits tot am Strand liegt.

Also wieder einmal: Wunderschön – ja. Anfassen – nein.

Wir finden es faszinierend, dass selbst solche Tiere, vor denen man durchaus Respekt haben sollte, gleichzeitig eine unglaubliche Schönheit besitzen. Die Natur schafft es hier immer wieder, uns mit genau diesem Gegensatz zu überraschen: Etwas kann wunderschön sein und trotzdem gefährlich. Man muss eben nur wissen, wo die Grenze zwischen Bewundern und Anfassen liegt.

Und dann wären da noch die Haie

Jetzt kommen wir zu einem Tier, das uns persönlich natürlich ganz besonders fasziniert. Haie – und es gibt hier zum Glück noch einige Arten davon: Bullenhaie, Makohaie, Blauhaie, Seidenhaie, natürlich auch Riffhaie und den größten Vertreter, den weißen Hai (wenn auch nur weit draußen bei Guadalupe).

Die Guadalupe-Insel vor der Pazifikküste Baja Californias war lange Zeit weltbekannt für ihre großen weißen Haie und galt als eines der bedeutendsten Gebiete für Hai-Beobachtungen (Käfigtauchen – daher waren wir auch nie dort).

Für uns sind Haie nämlich keine Monster, und wenn, dann wollen wir ihnen ohne Metallgitter begegnen – Gitter, in denen sich immer wieder Haie verletzen und manchmal sogar sterben, weil sie nicht rückwärtsschwimmen können und sich aus den Gitterstäben nicht mehr befreien können.

Daher engagieren wir uns auch seit vielen Jahren für ihren Schutz und haben großen Respekt vor diesen faszinierenden Tieren. Gerade deshalb sehen wir auch kritisch, wenn Tiere für den Tourismus manipuliert oder ihre Lebensräume beeinträchtigt werden.

Die mexikanische Regierung hat aufgrund von Problemen und Missständen im Zusammenhang mit dem kommerziellen Hai-Tourismus entsprechende Aktivitäten dort eingeschränkt beziehungsweise verboten. Und ehrlich gesagt finden wir das richtig. Denn wenn wir wilde Tiere erleben wollen, dann sollten wir ihnen auch die Möglichkeit geben, wild zu bleiben.

Wir möchten Tiere nicht in eine Show verwandeln. Wir möchten sie dort erleben, wo sie hingehören. In ihrer Welt. Zu ihren Bedingungen. Und nicht zu unseren.

Unser Fazit: Die Baja ist kein Streichelzoo

Wenn man diese Liste liest, könnte man natürlich den Eindruck bekommen, dass wir hier eigentlich ständig aufpassen müssen, nicht von irgendetwas gebissen, gestochen oder vergiftet zu werden.

Aber so erleben wir unseren Alltag überhaupt nicht. Wir laufen hier barfuß. Wir gehen schwimmen. Wir tauchen. Wir schnorcheln. Wir sitzen draußen. Wir wandern durch die Natur. Und nein – wir haben nicht bei jedem Schritt Angst, dass irgendwo eine Klapperschlange liegt.

Was wir hier allerdings gelernt haben, ist Respekt. Respekt vor der Natur. Und ein bisschen gesunder Menschenverstand. Wir fassen nichts an, was wir nicht kennen. Wir lassen Tiere in Ruhe. Wir achten darauf, wo wir hintreten. Und wir finden es unglaublich spannend, immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Wir sind hier nur Gäste in der Wildnis. Und wenn wir uns entsprechend benehmen, funktioniert das Zusammenleben erstaunlich gut.

Was uns an der Baja so fasziniert, ist genau das: Die Natur ist hier nicht dekorativ. Sie ist nicht in einem Zoo eingesperrt. Sie ist nicht künstlich inszeniert. Sie ist einfach da. Wild. Unberechenbar. Wunderschön. Und genau deshalb so unglaublich faszinierend.

Wir können morgens ins Meer gehen und nicht wissen, was uns an diesem Tag begegnen wird. Und genau darin liegt für uns das Abenteuer. Wir wissen nie, was hinter der nächsten Welle oder unter dem nächsten Felsen wartet. Und ganz ehrlich: Genau dafür sind wir hier.

Ein wichtiger Hinweis zu unseren Beiträgen

Alles, was wir hier teilen, basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und auf Recherchen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen durchführen. Wir sind keine Biologen, Meeresbiologen oder medizinischen Fachleute und können daher keine Garantie für die Vollständigkeit oder Aktualität der Informationen übernehmen. Tierbestände, Schutzbestimmungen und gesetzliche Regelungen können sich jederzeit ändern.

Bitte informiert euch bei konkreten Fragen zusätzlich bei offiziellen Stellen und lokalen Fachleuten und beachtet immer die aktuellen Sicherheits- und Schutzbestimmungen.

Wir möchten euch mit unseren Erfahrungen neugierig machen und ein Stück an unserem Leben hier teilhaben lassen. Die Baja ist ein faszinierender Ort – und je länger wir hier leben, desto mehr merken wir, wie viel es noch zu entdecken gibt.

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