Es gibt Tage, die vergisst man wahrscheinlich nie.
Für uns war das der Tag, an dem wir gemeinsam mit unserer Architektin Saidee und unserem Bauleiter Andrés wieder auf unserem Grundstück standen. Diesmal ging es nicht mehr nur darum, uns vorzustellen, wo unser Haus einmal stehen könnte. Wir wollten den genauen Platz festlegen – auf den Meter genau.
Schon auf der Hinfahrt zu unserem Land zogen dicke, schwere Wolken über die Berge. Die Sandpisten waren bereits vorbereitet und auch die große, flache Fläche, auf der später unser Haus stehen soll, war schon gerodet.

Als wir gerade damit begonnen hatten, die genaue Position unseres Hauses zu markieren, fielen die ersten dicken Tropfen.
Und dann ging es ganz schnell.
In kürzester Zeit begann es richtig zu schütten.
Keiner dachte daran aufzuhören. Jeder von uns lachte, machte mit seiner Arbeit weiter und freute sich einfach über den Regen.
Nach all der Hitze und Trockenheit war dieser Regen etwas ganz Besonderes.
Wir standen mitten auf unserem Grundstück, wurden nass und genossen diesen Moment einfach gemeinsam.





Als der Regen wieder nachließ, setzten wir die Vermessung fort. Jetzt ging es darum, den genauen Platz für unser Haus festzulegen.
Wo wird später der Eingang sein?
Wo beginnt die Terrasse?
Wo verläuft die Außentreppe zur Dachterrasse?
Wo bekommt die Feuerstelle ihren Platz?
Und wo werden die Solarpaneele stehen, damit sie möglichst viel Sonne bekommen und trotzdem gut erreichbar bleiben?
Mit jedem gesetzten Punkt wurde der Platz unseres Hauses konkreter.
Während die anderen ein Stück weiter entfernt mit Andrés etwas besprachen, war ich gerade dabei, für YouTube zu filmen. Irgendwann hielt ich inne und lauschte.
Nichts.
Absolut nichts.
Nur der Wind und ein paar Vögel. Ansonsten Stille. Absolute Stille.
Ich blieb einfach stehen und hörte zu. Dieser Moment war so ergreifend, dass ich fast zu weinen begonnen hätte.
In diesem Augenblick wusste ich: La Casa Pacifica war der einzig wahre Name für dieses Paradies.
„La Casa Pacifica“ – das friedliche Haus. Ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen und vielleicht auch inneren Frieden finden kann. Und gleichzeitig der Pazifik, der für uns seit Jahrzehnten eine so große Bedeutung hat.
Genau deshalb passt der Name so perfekt.

Unser Haus wird für viele wahrscheinlich überraschend klein wirken.
120 Quadratmeter.
Kein riesiges Haus, keine unzähligen Räume und vor allem kein Platz, den wir später nur selten nutzen werden.
Uns war wichtiger, dass jeder Raum einen Zweck hat und wir uns nicht mit Fläche beschäftigen, die wir eigentlich gar nicht brauchen.
Der Mittelpunkt unseres Lebens wird ohnehin sehr viel draußen stattfinden – auf der Terrasse, unter der Palappa, mit Blick auf die Landschaft und wahrscheinlich meistens mit Sand an den Füßen.
Das Haus muss für uns deshalb nicht groß sein.
Es muss zu unserem Leben passen.
Genau darüber haben wir uns in den letzten Jahren viele Gedanken gemacht.
Dabei gab es allerdings ein paar Dinge, bei denen wir von Anfang an ganz genau wussten, was wir haben möchten.
Ganz oben auf dieser Liste: ein eigener Backraum.
Getrennt von der Küche, mit genügend Stauraum für mein gesamtes Backzubehör und mit Platz, um in Ruhe Brot zu backen oder einen Kuchen vorzubereiten.
Denn wer schon einmal eine Küche nach einer größeren Backaktion gesehen hat, weiß, dass danach nicht unbedingt alles so aussieht, als wäre gerade nichts passiert. 😄
Außerdem bringt dieser Raum noch einen praktischen Vorteil: Unser 220-Volt-Backofen bekommt dort seinen eigenen Platz.
Wie wir unseren Backofen letztendlich gefunden und warum die Suche danach gar nicht so einfach war, haben wir euch bereits in einem eigenen Beitrag erzählt.
Genauso wichtig war uns ein großer Lagerraum für Lebensmittel.
Bewusst ohne Fenster, damit es dort möglichst kühl bleibt und wir Vorräte, Obst und Gemüse kühl und dunkel lagern können.
Hier auf der Baja gibt es für Babys kleine Hängematten aus Makrame. Solche möchte ich mir an der Decke montieren und dort, schön luftig, Ananas, Zwiebeln und Kartoffeln aufbewahren.
Bei unserer Entfernung zur nächsten Stadt ist das für uns keine nette Zusatzidee, sondern schlicht praktisch.
Und ehrlich gesagt gibt uns das auch einfach ein beruhigendes Gefühl.
Die Küche wird großzügig ausfallen, auch wenn wir wissen, dass wir in Zukunft wahrscheinlich viel draußen kochen und grillen werden. Ein großer Side-by-Side-Kühlschrank war ebenfalls ein Muss.
Hier haben wir lieber etwas mehr Platz, als dass es später eng wird.
Der Essbereich im Haus wird dagegen eher klein ausfallen. Wir gehen davon aus, dass wir ihn nicht besonders häufig nutzen werden.
Unser großer Esstisch wird draußen auf der überdachten Terrasse unter der Palappa stehen. Dort wird wahrscheinlich gegessen, geredet, gearbeitet, gefeiert und einfach viel Zeit verbracht.
Auch das Sofa im Haus wird vermutlich nicht besonders häufig genutzt werden. Wir können uns eher vorstellen, dort ab und zu eine kleine Siesta zu machen, wenn es draußen zu heiß ist – oder dass einmal jemand spontan bei uns übernachtet, wenn es später geworden ist.
Darum planen wir dort auch ein bequemes Schlafsofa ein, das ausreichend Platz für zwei Personen bietet.
Und einen Fernseher wird man bei uns vergeblich suchen können.
Küche, Essbereich und Wohnzimmer haben wir bewusst in einem großen, offenen Raum zusammengelegt.
Hier auf der Baja ist es wichtig, die Räume luftig zu halten und die natürliche Luftzirkulation zu nutzen.
Gerade bei den Temperaturen macht es einen großen Unterschied, wenn die Luft durch das Haus ziehen kann.
Auch die Raumhöhe haben wir deshalb entsprechend geplant. Sie beträgt stattliche drei Meter in allen Räumen – genug Platz für große Deckenventilatoren, die zusätzlich für Luftzirkulation sorgen.
Klimageräte werden zwar installiert, aber wir denken, dass wir diese eher selten nutzen werden müssen.
Auch ein eigenes Büro war uns ebenso wichtig.
Für wichtige Unterlagen, weiteren Stauraum, den PC, für die Bildbearbeitung und natürlich für den Blog.
Ein Ort, an dem das alles seinen festen Platz hat, statt sich irgendwo zwischen Küchentisch und Wohnzimmer zu verteilen.
Dazu kommt eine große Waschküche, die gleichzeitig als Lagerraum dient – unter anderem für einen weiteren Gefrierschrank, aber auch für unser Tauchequipment.
Wir haben versucht, Räume so zu planen, dass sie mehrere Funktionen übernehmen können.
Unser Schlafzimmer ist geräumig, aber bewusst nicht überdimensioniert.
Dafür bekommt es einen großen, begehbaren, gemauerten Kleiderschrank mit viel Stauraum.
Dazu gehört ein Bad en suite – wobei sich das ehrlich gesagt eher aus dem Grundriss ergeben hat, als dass wir von Anfang an genau danach gesucht hätten.
Und dann ist da noch ein Detail, auf das ich mich ganz besonders freue.
Wir wollten schon immer eine Außendusche.
Ohne Dach, mit Wänden aus Stein und möglichst offen zum Himmel.
Nicht als Luxus-Spa, sondern ganz schlicht mit dem Gedanken, irgendwann unter dem Sternenhimmel duschen zu können.
Die Vorstellung gefällt uns.
Und jetzt wird dieser kleine Wunsch tatsächlich Teil unseres Hauses.
Als wir fast fertig mit der Vermessung waren, entdeckte ich ein paar Meter entfernt einen wunderschönen Elefantenbaum.
Über diese besonderen Bäume auf unserem Grundstück haben wir ja bereits in einem früheren Beitrag erzählt.
Dieser hier war einfach wunderschön. Knorrig gewachsen, mit tiefen Ästen und einer Form, die irgendwie genau in diese Landschaft passte.
Und plötzlich stand für mich fest:
Der muss in unsere Außendusche.
Also fragte ich Andrés, ob wir das Haus ein paar Meter verschieben könnten, damit wir den Baum in die Außendusche integrieren können.
Er lächelte mich an und meinte nur:
„Claro, no hay problema.“
Für ihn offenbar überhaupt kein Problem.
Für mich schon ein bisschen besonders.
Denn in diesem Moment war klar: Jetzt wird tatsächlich wegen eines Baumes der Standort unseres Hauses verändert.
Im Zuge dessen erklärte uns Andrés außerdem, dass die Früchte dieses Baumes essbar sind.
Natürlich mussten wir das sofort ausprobieren.
Und tatsächlich: Der Geschmack war ausgesprochen interessant – irgendwo zwischen Zitrone und Nuss.
Damit haben wir jetzt also eine Außendusche mit einem wunderschönen Baum darin.
Alles andere wird sich draußen abspielen.
Der BBQ-Bereich, die Feuerstelle, der Pool und natürlich auch eine gemütliche Hängematte – all das wird später rund um unser Haus seinen Platz finden.
Die genauen Stellen dafür werden wir erst festlegen, wenn das Fundament des Hauses steht. Dann können wir sehen, wie sich die Flächen tatsächlich ergeben und wo was am besten passt.
Das Haus selbst ist damit eigentlich ziemlich genau geplant.
Was rundherum entsteht, darf sich noch ein bisschen entwickeln.
Natürlich spielt auf der Baja auch die Himmelsrichtung eine wichtige Rolle – vor allem bei Wind, Beschattung und der Anordnung der Fenster.
Bei uns kommt der Wind meistens aus nordwestlicher Richtung vom Pazifik.
Deshalb haben wir die großen Fenster und Türen zur Terrasse ausgerichtet, die wiederum durch die Palappa vor der direkten Sonne geschützt wird.
Das einzige Fenster Richtung Süden befindet sich in meinem Backraum.
Auch dieses wird später durch die Überdachung für die Autos vor der direkten Sonneneinstrahlung geschützt.
Gerade beim Bauen an einem Ort, an dem Sonne, Wind und Temperaturen eine so große Rolle spielen, muss man solche Dinge von Anfang an mitdenken.
Die Bauarbeiter werden während der Bauphase direkt auf unserem Grundstück wohnen. Die Entfernung ist einfach zu groß, als dass sie jeden Tag von der Stadt zu unserem Land und wieder zurückfahren könnten.
Zuerst werden dort Zelte stehen. Später entstehen Räume mit Wänden und einem provisorischen Dach, in denen sie während der Bauzeit wohnen können.
In wenigen Wochen werden dort also Fahrzeuge stehen, Werkzeuge und Baumaterial liegen – und Menschen leben und arbeiten, die tatsächlich anfangen, unser Haus zu bauen.
Als wir am Ende wieder zum Auto gingen, blieben wir noch einmal stehen.
Mitten auf der vorbereiteten Fläche steckten jetzt die ersten Markierungen im Boden.
Für Außenstehende wahrscheinlich völlig unspektakulär.
Für uns bedeuteten sie etwas ganz anderes.
Denn zum ersten Mal hatte unser Haus einen ganz konkreten Platz.
Nicht mehr nur auf einem Plan.
Sondern genau dort, wo wir hoffentlich viele Jahre unseres Lebens verbringen werden.
Aber für uns war es der erste sichtbare Moment, in dem aus den vielen Plänen und Gesprächen ein tatsächlicher Ort wurde.
La Casa Pacifica – unser friedliches Haus – hat endlich seinen Platz gefunden.
Auf der Heimfahrt bemerkten wir, dass die Sandpisten bereits kleine Bäche führten und auch im Arroyo schon ein wenig Wasser floss.
Anhalten konnten wir diesmal nicht. Romed hatte Sorge, dass wir mit unseren normalen Reifen irgendwo festfahren könnten.
Eines steht allerdings fest: Für die nächste Zeit werden wir uns ein geländetaugliches Fahrzeug zulegen. Damit wir auch während der Regenmonate sicher auf unser Land kommen und nicht jedes Mal überlegen müssen, ob die Sandpisten noch befahrbar sind.
Denn spätestens jetzt haben wir gesehen, wie schnell sich die Bedingungen dort verändern können.



Übrigens: Alle Punkte rund ums Wohnen, Grundstückskauf und Hausbau haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.