Dinge, über die wir heute anders nachdenken: Kompost, Müll und natürliche Kreisläufe auf der Baja

Je mehr wir unser zukünftiges Leben auf der Baja planen, desto häufiger merken wir, dass viele Entscheidungen zusammenhängen. Wer sich Gedanken über die Wasserversorgung macht, beschäftigt sich irgendwann fast automatisch auch mit organischen Abfällen und natürlichen Kreisläufen.

Im ersten Teil dieser Serie ging es um die Frage, ob wir auf der Baja überhaupt einen Geschirrspüler brauchen, im zweiten Teil haben wir uns mit unserer Wasserversorgung beschäftigt. Diesmal geht es um das, was am Ende übrig bleibt: Müll, Kompost und die natürlichen Kreisläufe auf unserem Grundstück.

Aus genau diesem Grund haben wir begonnen, uns intensiver mit dem Thema Kompost auseinanderzusetzen. Nicht, weil wir einem Trend folgen möchten, sondern weil wir verstehen wollen, welche Lösungen unter den Bedingungen auf der Baja wirklich sinnvoll sind.

Denn gerade dort, wo vieles nicht einfach über öffentliche Infrastruktur funktioniert, stellt sich automatisch die Frage: Was passiert eigentlich mit den Dingen, die im Alltag übrig bleiben?

Müll bekommt eine andere Bedeutung

In Österreich war vieles gut organisiert: Müll wurde getrennt, abgeholt und verschwand aus unserem Alltag.

Auf der Baja sehen wir manche Dinge anders. Nicht, weil wir plötzlich komplett anders leben möchten, sondern weil die Konsequenzen viel sichtbarer werden. Jeder Sack Müll muss irgendwann irgendwohin, jede Verpackung, die man mit nach Hause bringt, bleibt als Abfall zurück.

Deshalb beschäftigen wir uns heute stärker mit Fragen wie: Was können wir vermeiden? Was können wir mehrfach verwenden? Was lässt sich weiterverarbeiten?

Dabei geht es uns nicht darum, perfekt zu sein oder komplett ohne Müll zu leben – das wäre unter unseren Bedingungen wahrscheinlich weder realistisch noch unser Anspruch. Aber wir möchten bewusster entscheiden und verstehen, welche Möglichkeiten wir haben.

Kompostieren in einer trockenen Region – funktioniert das überhaupt?

Eine der Fragen, die uns besonders beschäftigt hat, war das Thema Kompost.

Bei der Vorstellung von Kompost denken viele wahrscheinlich an feuchte Gärten, viel Regen und dicht bewachsene Regionen. Deshalb wollten wir wissen: Funktioniert das auch in einer trockenen Umgebung wie auf der Baja?

Unsere Recherche hat gezeigt: ja, das ist möglich. Auch in Regionen wie Arizona oder New Mexico wird ganz normal kompostiert. Der entscheidende Punkt ist nicht, dass es heiß und trocken ist, sondern dass man die Bedingungen entsprechend anpasst.

Ein schattiger Standort, ausreichend Feuchtigkeit und die richtige Mischung aus verschiedenen Materialien sind dabei entscheidend. Spezielle gekaufte Bakterien oder komplizierte Zusätze braucht es nicht – die Natur bringt die notwendigen Mikroorganismen bereits mit. Sie befinden sich in Erde, Pflanzenmaterial und organischen Resten und übernehmen die eigentliche Arbeit.

Klassischer Kompost oder Bokashi?

Je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigt haben, desto klarer wurde: Es gibt nicht nur eine Lösung.

Der klassische Kompost hat für uns viele Vorteile. Er funktioniert mit natürlichen Kreisläufen, benötigt keine regelmäßigen Zusätze und passt gut zu unserem Wunsch, möglichst unabhängig zu leben.

Gleichzeitig finden wir Bokashi spannend. Bokashi funktioniert anders als klassischer Kompost: Dabei werden organische Abfälle nicht einfach verrottet, sondern mithilfe von Mikroorganismen fermentiert.

Besonders interessant finden wir dabei einen Punkt: Während beim klassischen Kompost bestimmte Küchenabfälle eher ungeeignet sind, können mit Bokashi auch Dinge verarbeitet werden, die sonst schwierig wären – zum Beispiel Fleischreste, Fischgräten oder Knochen. Gerade wenn man möglichst wenig wegwerfen möchte, ist das ein großer Vorteil.

Unser Plan: ausprobieren und kombinieren

Wir möchten uns deshalb nicht von Anfang an auf ein einziges System festlegen. Wahrscheinlich werden wir beide Methoden ausprobieren und schauen, was unter unseren Bedingungen am besten funktioniert.

Vielleicht wird der klassische Kompost die Grundlage für Gartenabfälle und pflanzliche Reste, während Bokashi eine Ergänzung für Küchenabfälle wird, die sonst schwerer zu verwerten wären.

Wie bei vielen anderen Entscheidungen rund um unser Grundstück gilt auch hier: Wir suchen nicht die komplizierteste oder technisch ausgefeilteste Lösung, sondern eine, die dauerhaft funktioniert und zu unserem Alltag passt.

Natürliche Kreisläufe statt einfach wegwerfen

Was uns an diesem Thema besonders fasziniert, ist der Gedanke, dass aus etwas, das normalerweise als Abfall betrachtet wird, wieder etwas Neues entstehen kann.

Küchenreste werden nicht einfach entsorgt, sondern können wieder Teil eines natürlichen Kreislaufs werden. Aus organischem Material entsteht Kompost, aus Kompost entsteht fruchtbarer Boden – und dieser Boden wird später auf unserem Grundstück eine wichtige Rolle spielen.

Für uns hat das Thema Kompost noch eine weitere Bedeutung: Auf unserem Grundstück möchten wir später möglichst viel selbst anbauen, und dafür ist guter Boden eine der wichtigsten Grundlagen.

Gerade in einer trockenen Gegend wie der Baja ist fruchtbarer Boden keine Selbstverständlichkeit. Kompost kann dabei helfen, die Bodenqualität zu verbessern, Feuchtigkeit länger zu speichern und unseren Pflanzen wichtige Nährstoffe zurückzugeben.

Dazu kommt, dass wir mit unserem Esel – wir nennen ihn Burro – noch eine weitere natürliche Quelle für wertvollen Dünger haben werden. Sein Mist kann gemeinsam mit dem Kompost dazu beitragen, den Boden aufzubauen und unseren Pflanzen bessere Voraussetzungen zu geben.

Natürlich erwarten wir nicht, dass damit automatisch alles von alleine wächst. Die Bedingungen auf der Baja bleiben herausfordernd, und wir werden sicher noch viel lernen müssen.

Aber genau diese Kreisläufe finden wir spannend: Was bei uns im Alltag entsteht, kann wieder zurück in unser Grundstück fließen und dabei helfen, dass dort neues Leben entsteht.

Vielleicht ist das der spannendste Gedanke dabei: Aus etwas, das normalerweise als Abfall betrachtet wird, kann wieder etwas Wertvolles entstehen.

Und darum geht es in dieser Serie: nicht darum, alles anders zu machen, sondern bewusster zu überlegen, welche Lösungen zu unserem Leben passen.

Übrigens: Alle Punkte rund ums Wohnen, Grundstückskauf und Hausbau haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.

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