Aus einer Idee wird Sabines Bakeaway

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier über „Das große Backen – mit Hindernissen“ geschrieben. Über meine ersten österreichischen Mehlspeisen hier in Mexiko. Über Rumrosinen ohne Rum, einen Gasofen mit eigenem Willen und eine Einkaufsliste, die langsam eher nach Forschungsprojekt als nach Backen aussah.

Und irgendwo dazwischen entstand zum ersten Mal dieser vorsichtige Gedanke: Vielleicht gibt es hier tatsächlich eine kleine Nische für österreichische Mehlspeisen.

Tja.

Aus dem vorsichtigen Gedanken ist inzwischen etwas geworden.

Und zwar ziemlich schnell.

Von der Idee zum Eröffnungstermin

Was danach passiert ist, ging deutlich schneller, als ich eigentlich geplant hatte.

Innerhalb von gerade einmal einem Monat ist aus dieser puren Idee ein ziemlich konkretes Projekt geworden – mit Namen, Logo, einem Repertoire an österreichischen Mehlspeisen, Verpackungen, Visitenkarten, einer eigenen Seite auf unserer Homepage und einer WhatsApp-Gruppe. Sogar ein Platz auf dem Sonntagsmarkt war schon organisiert.

Den Platz hat mir Marcella ziemlich unkompliziert gegeben. Ich denke, unsere inzwischen bestens eingespielte Hundesitting-Geschichte hat dabei vielleicht auch ein kleines bisschen geholfen.

Jedenfalls hatte ich plötzlich nicht mehr nur eine Idee, sondern ein Datum, auf das ich hinarbeiten musste:

Samstag, 24. Oktober 2026.

Eröffnung.

Der erste Marktauftritt lässt allerdings noch ein wenig auf sich warten. Der ist für Sonntag, den 8. November, geplant.

Da war er also plötzlich: der Termin, den ich mir eigentlich selbst eingebrockt hatte.

Darf ich vorstellen: Sabines Bakeaway

Und weil eine Idee offenbar erst dann richtig ernst wird, wenn sie einen Namen und ein Logo bekommt, musste natürlich auch das her.

Sabines Bakeaway – Repostería Austriaca

Österreichische Backtradition, frisch aus der Baja.

Mehlspeisen, mit denen ich in Tirol aufgewachsen bin, gebacken hier bei uns in Baja California Sur – mit den Zutaten, die ich hier bekomme, und manchmal auch mit ein bisschen Improvisation.

Das Logo ist rund, in der Mitte ein Edelweiß, dazu eine türkisfarbene Welle. Ein bisschen Berge, ein bisschen Pazifik.

Eigentlich passt es damit ziemlich gut zu uns.

Vom Ausprobieren zur Backroutine

Ich habe übrigens noch nie einfach österreichische Rezepte eins zu eins nachgebacken.

Diese Idee, mit den Zutaten zu spielen, etwas zu verändern, etwas Mexikanisches hineinzubringen oder bei einem Rezept irgendwann zu sagen: „Nein, da machen wir noch eine Zwischenlage“, war eigentlich von Anfang an da.

Aber jetzt, wo aus der Idee ein echtes Bakeaway werden soll, muss ich plötzlich doch sehr viel genauer hinschauen.

Jetzt geht es nämlich nicht mehr nur darum, ob ein Kuchen irgendwie funktioniert.

Jetzt muss ich wissen:

Stimmt die Süße auch mit dem neuen braunen Zucker?

Wie viel Gelatine brauche ich bei genau dieser Marke?

Ist das Mehl fein genug für einen Biskuit?

Und vor allem:

Hält mein Ofen überhaupt die Temperatur, ohne mir dabei den Boden zu verbrennen?

Denn auch das gehört zu meiner neuen Realität hier auf der Baja.

Mein Gasofen ist nämlich ein durchaus eigenständiger Charakter.

Die Temperatur auf dem Regler ist eher eine freundliche Empfehlung als eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Und während oben im Ofen noch darüber nachgedacht wird, ob jetzt eigentlich schon genug Farbe da ist, kann der Boden unten durchaus schon der Meinung sein, dass er seinen persönlichen Lebensauftrag erfüllt hat.

Also musste auch dafür eine Lösung her.

Romed – mein Held – hat es tatsächlich geschafft, mir einen Rost zu organisieren, der in den Ofen passt.

Und plötzlich haben jetzt nicht nur meine Torten einen Aufbauplan, sondern auch mein Gasofen.

Ganz unten, direkt über der Flamme, liegt eine große Pizzaplatte. Sie fängt einen Teil der direkten Hitze ab.

Darüber kommen auf den unteren Rost leere Backformen.

Und ganz oben sitzt dann meine eigentliche Springform.

Etwa zehn Minuten vor Ende schiebe ich sie noch ganz nach oben, damit sie die reflektierte Hitze von oben abbekommt und schön Farbe annimmt.

Das Ganze wird inzwischen fast schon labortechnisch überwacht.

Mit zwei Bratenthermometern im Ofen.

Man könnte also sagen:

Ich backe nicht mehr.

Ich betreibe Feldforschung.

Denn wenn ich etwas verkaufen möchte, muss es nicht nur einmal zufällig gut werden.

Es muss wiederholbar gut werden.

Und zwar unter den Bedingungen, die ich hier habe.

Zutaten, Kalkulation und die Realität auf der Baja

Denn auch bei den Zutaten ist es nicht damit getan, irgendwann einen Verkaufspreis auf ein Blatt Papier zu schreiben.

Ich muss erst einmal herausfinden, was überhaupt erhältlich ist, wo man es bekommt, in welcher Qualität und zu welchem Preis.

Topfen ist hier nicht einfach Topfen.

Rum ist nicht selbstverständlich.

Himbeeren sind auf der Baja ungefähr so leicht aufzutreiben wie Schnee im August.

Und manchmal muss ich ganze Rezepte neu denken.

Bei der Sachertorte wollte ich mich zum Beispiel nicht damit abfinden, irgendeine beliebige Marmelade zu verwenden. Also mache ich meine Marillenmarmelade eben selbst. Powidl und Cranberry-Marmelade kommen inzwischen ebenfalls aus meiner eigenen Küche. Cranberry ist für mich eine brauchbare Alternative zu Himbeeren oder Ribiseln, die hier nicht gerade an jeder Straßenecke herumliegen.

Man könnte also sagen: Ich backe nicht nur Kuchen, ich betreibe nebenbei auch noch Marmeladenproduktion.

Selbst beim Mürbeteig musste ich nachbessern. Das Rezept habe ich inzwischen auf eine spezielle Butter abgestimmt, die bei den Temperaturen hier nicht gleich weich wird. Denn wenn der Teig schon vor mir schlappmacht, bevor er überhaupt im Ofen war, ist das auch keine besonders hilfreiche Ausgangslage.

Ich muss herausfinden, wie österreichische Mehlspeisen hier in Mexiko funktionieren – mit dem, was es gibt, mit dem, was sich ersetzen lässt, und manchmal eben auch mit dem, was man vorher selbst herstellen muss.

Und dann kommt die Kalkulation.

Denn zu wissen, was ein Kuchen kostet, ist nur die halbe Arbeit.

Der Preis muss am Ende natürlich stimmen. Dafür muss ich erst einmal wissen, was ich tatsächlich für ein Rezept ausgebe, welche Zutaten ich regelmäßig bekomme und welche ich vielleicht nur saisonal oder mit etwas Sucherei auftreiben kann.

Und dann ist da noch die Baja

Was in Österreich problemlos funktioniert, muss hier noch lange nicht funktionieren.

Das betrifft nicht nur Zutaten und Rezepte, sondern auch Dekoration, Verpackung, Transport und Haltbarkeit.

Deko aus Karamell zum Beispiel sieht wunderschön aus.

Nur leider hat Karamell unter der Sonne der Baja ungefähr die Lebenserwartung eines sterbenden Schwans.

Also muss auch die Dekoration Baja-tauglich werden.

Was hält die Hitze aus?

Was verträgt die Luftfeuchtigkeit?

Was sieht nach dem Transport und ein paar Stunden auf dem Markt noch gut aus?

Und was ist zwar wunderschön, aber praktisch ungefähr so sinnvoll wie ein Wollmantel im August?

Das sind Fragen, über die ich mir beim Backen in Tirol ehrlich gesagt nie Gedanken machen musste.

Hier schon.

Und deshalb teste ich inzwischen nicht nur Rezepte, sondern auch Dekorationen, Verpackungen, Transport und Haltbarkeit.

Und manchmal muss man sich eben auch von einer sehr schönen Idee wieder verabschieden, bevor sie in der Baja-Sonne freiwillig das Zeitliche segnet.

Und manchmal muss man auch das Backwerkzeug neu erfinden

Und weil offenbar noch nicht genug Dinge angepasst werden mussten, betrifft das Ganze inzwischen nicht nur Rezepte und Zutaten.

Auch bei der Dekoration musste ich anfangen, Lösungen zu finden.

Velvet-Spray zum Beispiel.

In Österreich kann man dafür fertige Produkte kaufen. Hier habe ich irgendwann beschlossen: Gut, dann machen wir das eben selbst.

Also Kakaobutter, Farbe und Airbrush.

Theoretisch ganz einfach.

Praktisch stellte sich ziemlich schnell heraus, dass meine bisherige Airbrush-Düse dafür ungefähr so geeignet ist wie ein Strohhalm zum Löschen eines Waldbrandes.

Kakaobutter ist eben nicht Wasserfarbe.

Sie muss warm genug sein, damit sie durch die Düse kommt, und die Düse muss groß genug sein, damit nicht nach fünf Sekunden alles verstopft. Für Kakaobutter sind größere Düsen deshalb deutlich geeigneter; 0,8 mm ist dafür eine gängige Größenordnung.

Also brauche ich jetzt noch eine passende Airbrush beziehungsweise Sprühpistole.

Man könnte meinen, ich wollte einfach ein paar österreichische Kuchen verkaufen.

Stattdessen beschäftige ich mich inzwischen mit Düsendurchmessern, Kakaobuttertemperaturen und Sprühtechnik.

Irgendwie hatte ich mir das mit dem Kuchenverkauf etwas unkomplizierter vorgestellt.

Die erste Qualitätskontrolle

Natürlich müssen die Kuchen auch schmecken.

Aber ich werde hier nicht behaupten, dass sie genauso schmecken wie zu Hause in Tirol.

Das wäre schlicht nicht wahr.

Andere Zutaten, andere Produkte, anderes Klima – natürlich verändert das etwas.

Mein erster Test ist deshalb ganz einfach:

Schmecken sie mir und Romed?

Wenn wir beide sagen: Ja, das passt – dann kann der Kuchen in die nächste Runde.

Danach wurden bereits einige Mexikaner und Kanadier freiwillig als Testpersonen missbraucht.

Und die Reaktionen waren ziemlich spannend.

Viele sind von der Idee sofort angetan.

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten trotzdem keinerlei Vorstellung davon haben, was „A Taste of Austria“ eigentlich genau bedeutet.

Und ehrlich gesagt finde ich genau das ziemlich spannend.

Denn für mich sind Donauwellen, Bienenstich oder Kaiserschmarrn keine exotischen Spezialitäten.

Das sind Dinge, mit denen ich aufgewachsen bin.

Für jemanden hier in Mexiko kann eine Donauwelle aber genauso gut etwas sein, bei dem man sich erst einmal fragt, warum der Kuchen eigentlich so heißt und was zur Hölle eine Donau mit Schokolade zu tun hat.

Deshalb starte ich mit einer Mischung

Ich habe für den Anfang bewusst keine reine österreichische Nostalgie-Ausstellung zusammengestellt.

Es soll auch etwas dabei sein, bei dem die Hemmschwelle möglichst niedrig ist.

Brownies für die Nordlichter, Amerikaner und Kanadier.

Da weiß zumindest jeder ungefähr, worauf er sich einlässt.

Dann gibt es Donauwellen.

Ich kenne eigentlich niemanden, der die Kombination aus Teig, Früchten, Puddingcreme und Schokolade grundsätzlich nicht mag.

Das ist vermutlich die diplomatischste Verbindung zwischen Österreich und dem Rest der Welt.

Crema Catalana für alle Vanillefreaks.

Und davon gibt es bekanntlich mehr, als man denkt.

Und dann gibt es noch den Bienenstich.

Den hat Andrés gemeinsam mit der Crema Catalana bestellt.

Also gibt es den jetzt eben auch.

So einfach kann Marktforschung manchmal sein.

Mein Backlogist: Romed

Natürlich wäre das alles ohne Romed deutlich komplizierter.

Oder vermutlich überhaupt nicht möglich.

Er ist inzwischen mein offizieller Backlogist.

Mein größter Fan, gleichzeitig aber auch einer meiner schärfsten Kritiker.

Er probiert, beurteilt, fragt nach und sagt auch einmal ganz trocken, wenn etwas seiner Meinung nach noch nicht passt.

Und dann bekommt er von mir regelmäßig kleine Einkaufszettel zugesteckt. Mal brauche ich Glukosesirup, mal irgendwelche Zutaten oder Backutensilien, mal Etiketten zum Bedrucken. Seine Aufgabe ist es dann, herauszufinden, wo ich das bekomme, Preise zu vergleichen und das Ganze möglichst auch gleich zu bestellen.

Aber damit nicht genug. Wenn ich wieder einmal ganz spontan beschließe, etwas probebacken zu müssen, hole ich dafür gefühlt die halben Backzutaten aus den Schränken. Während ich dann voll konzentriert in meiner Backwelt verschwinde, habe ich natürlich keine Zeit mehr, alles wieder an seinen Platz zurückzuräumen.

Und genau dann kommt mein persönliches Heinzelmännchen namens Romed zum Einsatz. Er räumt hinter mir auf, bringt Ordnung in das Chaos und sorgt dafür, dass die Küche irgendwann wieder wie eine Küche aussieht.

Dazu kommen Verpackungen vorbereiten, Boxen zusammenstellen, Sachen zum Markt bringen und dort natürlich auch beim Aufbau helfen.

Kurz gesagt:

Er darf nicht backen, muss aber trotzdem mitarbeiten.

Ohne ihn würde hier tatsächlich gar nichts laufen.

Österreich trifft Mexiko

Und genau hier wird es für mich eigentlich besonders interessant.

Denn ich möchte nicht einfach österreichische Rezepte aus dem Kochbuch nehmen und sie hier eins zu eins nachbacken.

Diese Idee war schon von Anfang an nicht der Plan.

Ich wollte immer sehen, was passiert, wenn österreichische Backtradition auf das trifft, was ich hier in Mexiko finde.

Eine Linzer Torte kann plötzlich mit Piloncillo, mexikanischem Zimt, Chili, Tamarinde oder Pecannüssen daherkommen.

Vanille kommt aus Papantla in Veracruz und wird teilweise sogar für meinen eigenen Vanilleextrakt verwendet.

Und dann gibt es mein ganz besonderes Projekt: Gracias México.

Eine Torte, die gleichzeitig meine kleine Liebeserklärung an dieses Land ist.

Mexiko hat mich so herzlich aufgenommen – und dafür möchte ich Danke sagen. So, wie ich es am besten kann: mit einer Torte, in der Österreich und Mexiko zusammenkommen.

Dafür habe ich ziemlich lange getüftelt und ausprobiert. Die Basis bildet ein knuspriger Schokoladen-Pecannuss-Boden mit Kakaonibs. Darauf kommt eine feine Cranberry-Schicht mit Tamarinde, gefolgt von einem fruchtigen Mango-Limetten-Kern. Den Abschluss bildet eine samtige Schokoladenmousse mit Zimt und einem Hauch Ancho-Chili.

Natürlich dürfen auch die regionalen Zutaten nicht fehlen.

Und weil eine Torte nicht nur schmecken, sondern auch etwas hermachen soll, habe ich mich bei der Form für ein Herz entschieden. Bis das Ganze optisch so aussah, wie ich es mir vorgestellt hatte, waren allerdings einige Versuche nötig.

Ob das am Ende noch als österreichische Mehlspeise durchgeht, darf jeder für sich entscheiden.

Ich nenne es österreichisch-mexikanische Völkerverständigung.

Mehr verrate ich derzeit noch nicht – lasst euch überraschen!

Der Apfelstrudel – oder: Wie man sich selbst ein Bein stellt

Dann war da noch die Sache mit dem Apfelstrudel.

Ich hatte inzwischen schon jede Menge Kuchen probebacken, vorbereitet, Rezepturen angepasst und mich mit Zutaten beschäftigt. Auf unserer Homepage hatte ich auch einige Mehlspeisen eingestellt, bei denen noch „Coming Soon“ stand.

Nur beim Apfelstrudel hatte ich mir offenbar nichts weiter gedacht. Den kann ich schließlich jederzeit machen. Also hatte ich ihn ganz selbstverständlich auf die Homepage gestellt, ohne mich weiter mit der Frage zu beschäftigen, ob ich ihn hier auf der Baja überhaupt schon einmal ausprobiert hatte.

Und dann war es so weit.

Die ersten Bestellungen trudelten ein.

Als ich sie sah, schoss es mir durch Mark und Bein. Denn plötzlich wurde mir klar: Ich hatte den Strudelteig noch gar nicht ausprobiert. Ich hatte nicht einmal ein passendes Mehl dafür!

Man könnte das mutig nennen. Im Nachhinein empfinde ich es eher als puren Wahnsinn, einen Apfelstrudel zu verkaufen, den ich zwar in Österreich notfalls um drei Uhr morgens aus dem Ärmel schüttle, hier auf der Baja aber noch kein einziges Mal gemacht hatte.

Bei meinen Recherchen kam dann noch eine weitere Erkenntnis dazu: Apfelstrudel sollte ich am besten am selben Tag verkaufen, an dem er gebacken wird. Sonst wird die herrlich knusprige Kruste weich wie eine Palatschinke. Für die ersten Auslieferungen wäre das natürlich nicht gerade ideal gewesen.

Also bat ich Romed wieder einmal, nach seinem Training die entsprechenden Zutaten mitzubringen: ein Mehl, das für den Strudelteig geeignet sein könnte, und natürlich Äpfel.

Den Strudelteig bereitete ich am Abend vor, damit ich ihn am nächsten Morgen nur noch ausziehen, füllen und backen musste.

Am nächsten Tag wollte ich nach unserem Morgenspaziergang mit den Mädchen gleich loslegen. Ab 14 Uhr waren die Abholungen vereinbart. Das Zeitfenster war also nicht gerade großzügig bemessen.

Zum Glück für unsere Mädchen und zu meinem Pech trafen wir am Strand eine Mexikanerin, mit der wir uns schon öfter unterhalten hatten. Ihre Hündin ist genau gleich alt wie Nala und Hope, und die drei verstehen sich blendend.

Ich brachte es natürlich nicht übers Herz, den beiden diese zusätzliche Spielzeit zu nehmen. Also blieben wir noch eine gute halbe Stunde am Strand.

Die Hunde rannten vergnügt durchs Wasser, Romed unterhielt sich bestens mit Daniela und ich hatte innerlich nur noch einen Gedanken:

Tick tack. Tick tack. Tick tack.

Als wir endlich zu Hause waren, verbannte ich Romed aus der Küche, schnappte mir mein Leintuch und ging zum Kühlschrank, als würde ich mich auf eine heilige Zeremonie vorbereiten. Ich holte den Strudelteig heraus, damit er Zimmertemperatur annehmen konnte, und machte mich an die Fülle.

Ich weiß nicht, wie viele mexikanische und sonstige Götter ich in diesem Moment mit Stoßgebeten bedacht habe. Aber es dürften einige gewesen sein.

Dann breitete ich mein Leintuch aus, legte mir sämtliche Utensilien zurecht und begann, den Strudelteig auszuarbeiten.

Und was soll ich sagen?

Manchmal hat man tatsächlich mehr Glück als Verstand.

Der Teig ließ sich herrlich dünn ausziehen. Keine Risse, keine Katastrophe, kein Grund für weitere Stoßgebete. Ich verteilte die Fülle darauf – das war nun wirklich die kleinste Übung –, rollte den Strudel zusammen und schob ihn bei höherer Temperatur in den Ofen.

Vierzig Minuten später hielt ich einen perfekten Apfelstrudel in den Händen.

Ich hätte vor Freude heulen können.

War aber natürlich viel zu stolz, um zuzugeben, dass diese ganze Aktion eigentlich eine ziemliche Wahnsinnsnummer gewesen war. Auch Romed gegenüber.

Und plötzlich ist da ein Eröffnungstermin

Vor einem Monat war Sabines Bakeaway noch nicht einmal ein Name.

Es war eine Idee.

Dann kamen die ersten Rezepte.

Dann die Kalkulation.

Dann die Frage, wo man eigentlich Topfen bekommt.

Dann die Frage, was man macht, wenn es keinen Rum gibt.

Dann die Marillenmarmelade.

Dann ein Logo.

Dann Verpackungen.

Dann Visitenkarten.

Dann eine eigene Seite.

Dann WhatsApp.

Dann ein Platz auf dem Sonntagsmarkt.

Und irgendwann stand da plötzlich:

24. Oktober. Eröffnung.

Vor ein paar Wochen ging es noch darum, einen Kaiserschmarrn für Manuela zu machen. Und jetzt verkaufe ich tatsächlich österreichische Mehlspeisen hier auf der Baja.

Die ersten Bestellungen sind inzwischen eingegangen und auch schon abgeholt worden. Wenn das mal kein guter Start war!

Der erste Marktauftritt lässt noch ein wenig auf sich warten. Ab Sonntag, dem 8. November, bin ich dann auch jeden Sonntag im Mercado Centenario zu finden.

Keine Ahnung, wie das alles so schnell passieren konnte.

Aber jetzt ist es wohl zu spät, um noch zurückzurudern.

Und genau das finde ich im Moment eigentlich am spannendsten:

Ich weiß, was ich backe.

Ich weiß, woher es kommt.

Aber was Baja daraus macht, weiß ich noch nicht.

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