Habt ihr schon mal einen Sommer in La Paz erlebt?

„Habt ihr schon mal einen Sommer in La Paz erlebt?“

Diese Frage hat uns eigentlich fast jeder gestellt, als wir im Mai hier angekommen sind.
Und wenn wir dann erzählt haben, dass wir gerade erst angekommen sind, bekamen wir meistens dieses ganz spezielle, wissende Lächeln.
So ein bisschen nach dem Motto:
„Na dann wartet mal ab …“ 😄

Wir wurden bereits früher davor gewarnt.
Und genau das war übrigens auch einer der Gründe, warum wir uns ganz bewusst ein Stück Land auf der Pazifikseite gesucht haben. Wir wussten, dass die Sommer in La Paz heiß werden können. Sehr heiß.
Aber wie heiß heiß tatsächlich sein kann, das mussten wir wohl erst selbst herausfinden.

Als wir im Mai hier angekommen sind, war von dem gefürchteten Sommer jedenfalls noch nicht viel zu spüren.
Ganz im Gegenteil.

Früh morgens brauchten wir teilweise tatsächlich noch einen Sweater. Besonders wenn der Wind ging, konnte es richtig kühl werden.
Für uns war das eigentlich perfekt.

Gerade in den ersten Wochen hatten wir unglaublich viele Termine zu erledigen und mussten ständig nach La Paz. Behördengänge, Besichtigungen, Einkäufe, Banktermine und natürlich unzählige Dinge, die einfach dazugehören, wenn man sein Leben in einem neuen Land komplett neu aufbaut.
Dass es zu dieser Zeit noch angenehm kühl war, kam uns deshalb sehr gelegen.

Auch unsere Nächte waren traumhaft.
Wir konnten einfach die Türen zum Garten offen lassen und herrlich schlafen. Die ganze Nacht wehte eine angenehme, kühle Brise durch das Haus.

Und auch bei unseren Spaziergängen am Meer kamen wir nur selten wirklich ins Schwitzen. Der Wind war angenehm kühl und machte es selbst bei strahlendem Sonnenschein wunderbar angenehm, draußen unterwegs zu sein.

Und dann kam der Juli

Der Wechsel kam fast schlagartig.
Plötzlich kühlte es nachts nicht mehr ab.
Die angenehme Brise, die uns bis dahin jeden Abend begleitet hatte, schien mit dem Sonnenuntergang einfach ausgeschaltet zu werden.

Licht aus.
Wind aus.
Abkühlung aus.

Und dann kam noch etwas dazu, womit wir ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet hatten:
Es wurde schwül. So richtig schwül.

Wir hatten subtropische Länder bei unserer Auswanderungsplanung nämlich ganz bewusst von Anfang an ausgeschlossen.
Genau wegen dieser ganz speziellen, klebrigen Schwüle.
Dieses Wetter, bei dem der Kreislauf irgendwo im Keller verschwindet, die Kleidung nach zwei Minuten auf der Haut klebt und man sich fragt, ob man eigentlich gerade schwitzt oder bereits langsam im eigenen Körperwasser badet. 😄

Und plötzlich sitzen wir hier in La Paz und denken:
„Ähm … das ist jetzt aber schon ziemlich subtropisch.“

Wie uns erzählt wurde, ist der Sommer hier übrigens auch nicht mehr ganz so wie früher.
Er beginnt inzwischen ungefähr im Juli und zieht sich teilweise bis in den Oktober hinein.
Der Klimawandel lässt offenbar auch hier grüßen.

La Paz macht im Sommer Siesta

Untertags sind die Straßen wie leer gefegt.
Die Menschen verkrümeln sich in ihre Häuser.
Und das können wir inzwischen ziemlich gut nachvollziehen.

Wobei es hier tatsächlich viele Häuser gibt, die keine Klimaanlage haben – angeblich rund ein Viertel.
Für diese Menschen beginnt das Leben im Sommer deshalb oft erst wieder am Abend.

Aber auch dann ist es mittlerweile nicht unbedingt angenehm.
Denn meistens ist einfach kein Wind.
Wenn man nachts die Tür zum Garten öffnet, läuft man gefühlt gegen eine unsichtbare Wand.
Von Abkühlung kann jedenfalls keine Rede sein.

Wir haben unseren Tagesablauf einfach angepasst

Also mussten auch wir uns etwas einfallen lassen.
Denn gegen die Baja-Sommerhitze hilft vor allem eines: gutes Timing.

Wir stehen ja immer schon sehr früh auf.
Dann geht es mit unseren beiden Mädels ans Meer.
Am Strand bei den Mangroven ist am Morgen meistens noch ein angenehmes Lüftchen zu spüren. Während die Sonne langsam aufgeht, können wir dort wunderbar spazieren gehen und die Ruhe genießen.

Und ehrlich gesagt sind diese frühen Morgenstunden inzwischen zu einer unserer liebsten Zeiten geworden.
Die Welt ist noch ruhig.
Die Luft ist angenehm.
Die Sonne ist noch nicht erbarmungslos.
Und Nala und Hope können sich austoben, bevor die große Hitze kommt.

Danach bleibt noch die eine oder andere Stunde, um Dinge zu erledigen, einzukaufen oder vor dem Haus ein bisschen herumzuräumen.
Aber spätestens gegen 11 Uhr ist bei uns Schluss mit lustig.
Dann heißt es: Klimaanlagen an!

Die Mädels verkrümeln sich auf ihre Decke in unserem Schlafzimmer und lassen sich dort meistens bis zum Abend nicht mehr blicken.
Und wenn wir ehrlich sind, haben wir manchmal das Gefühl, dass sich selbst der Mali-Wahnsinn in Mexiko dem Klima angepasst hat. 😄
Die beiden haben offenbar beschlossen: „Bei diesen Temperaturen kann man einfach nur schlafen.“
Und wir finden: Sehr vernünftig.

Auch wir verbringen inzwischen viel Zeit im kühlen Haus.
Denn selbst am Meer ist es tagsüber einfach zu heiß.

Und das Wasser? Das hat inzwischen knapp 30 Grad.
Was sich zunächst traumhaft anhört, ist zur Abkühlung leider ungefähr so hilfreich wie eine warme Badewanne.
Die erhoffte Erfrischung bleibt jedenfalls aus.

Und genau deshalb sind wir jeden Tag froh über unsere Entscheidung für die Pazifikseite

Jeden einzelnen Tag sind wir froh, dass wir uns für unser Grundstück am Pazifik entschieden haben.
Denn auch wenn es dort natürlich ebenfalls heiß werden wird, ist es bei uns in den Bergen und durch die Nähe zum Pazifik doch wesentlich angenehmer als direkt in La Paz.

Für uns bedeutet das: Dieser Sommer ist zum Glück unser erster – und gleichzeitig auch unser letzter Sommer in La Paz.
Und trotzdem würden wir heute sagen: Es war die absolut richtige Entscheidung, vorerst hier zu bleiben.

Denn als wir angekommen sind, hatten wir ja bereits so eine Vorstellung davon, wie viel wir in dieser ersten Zeit tatsächlich in der Stadt zu erledigen haben würden.
Wir mussten uns mit unserer Architektin treffen, Pläne besprechen und Entscheidungen für unser zukünftiges Zuhause treffen.
Wir waren in Baumärkten und Geschäften unterwegs, mussten uns erst einmal einen Überblick verschaffen, was es hier überhaupt gibt und wo wir was bekommen.

Hätten wir uns in der Nähe unseres Landes ein Haus zur Miete gesucht, wäre vieles deutlich mühsamer gewesen.

Zwei Stunden hin.
Zwei Stunden zurück.
Für einen Termin.
Für einen Baumarkt.
Oder einfach nur, weil man schnell noch etwas anschauen oder nachfragen wollte.

So können wir einfach in die Stadt fahren, mehrere Dinge miteinander verbinden und sind nach zwei oder drei Stunden wieder zurück.
Gerade jetzt im Sommer ist das natürlich Gold wert.

Und dann haben wir plötzlich Zeit für all die Dinge, die sonst wahrscheinlich viel zu schnell auf unserer To-do-Liste nach hinten gerutscht wären.
Zum Beispiel für unsere inzwischen fast schon legendäre Suche nach dem perfekten Backofen.

Wir haben schließlich genug Zeit.

Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Lektionen, die uns dieser erste Sommer auf der Baja gerade beibringt:
Manchmal muss man einfach einen Gang zurückschalten.

Und wenn wir dann irgendwann im Herbst die Klimaanlage wieder etwas weniger brauchen und die ersten kühleren Abende kommen, werden wir wahrscheinlich auf der Terrasse sitzen, tief durchatmen und sagen:
„Okay … wir haben unseren ersten und letzten Sommer in La Paz überstanden.“

Und vielleicht werden wir irgendwann, wenn wir in unserem eigenen Haus sitzen, auf diesen Sommer zurückblicken und sagen:
„Weißt du noch, wie heiß es damals in La Paz war?“

Dann werden wir wahrscheinlich lachen.
Und vielleicht sogar ein bisschen nostalgisch werden.

Denn trotz Hitze, Schwüle und Klimaanlage auf Dauerbetrieb war es schließlich der Sommer, in dem unser Traum vom eigenen Zuhause auf der Baja ein großes Stück realer geworden ist.

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