Die Hurrikansaison im Ostpazifik läuft offiziell vom 15. Mai bis zum 30. November. Die aktivste Zeit liegt normalerweise zwischen Ende August und Anfang Oktober.
Und wir leben genau hier.
Auf der Baja California Sur.
In einer Region, in der man Hurrikans nicht einfach ignorieren kann.
Los Cabos gehört zu den exponierteren Regionen der mexikanischen Pazifikküste. Und auch wir in La Paz hoffen natürlich, dass wir von einem direkten Treffer verschont bleiben.
Trotzdem sollte man hier besser vorbereitet sein.
Denn Hurrikans gehören zum Leben auf der Baja einfach dazu.
Hurrikan Odile als Warnung aus der Vergangenheit
Der bekannteste Ernstfall der jüngeren Vergangenheit war Hurrikan Odile im Jahr 2014.
Odile traf als schwerer Hurrikan bei Cabo San Lucas auf Land. Auch La Paz war von den Auswirkungen betroffen. Stromversorgung, Kommunikation und große Teile der Infrastruktur waren teilweise für Wochen beeinträchtigt.
Auch Hurrikans wie Norma und zuletzt Lorena haben in der Region deutlich gezeigt, welche Auswirkungen ein Tropensturm haben kann.
Und genau deshalb hören wir inzwischen sehr genau zu, wenn die Menschen hier über die Hurrikansaison sprechen.
Denn sie nehmen das Thema ernst.
Und heuer vielleicht noch ein bisschen mehr als sonst.
2026 ist ein El-Niño-Jahr.
Auch wenn El Niño nicht automatisch bedeutet, dass La Paz von einem besonders starken Hurrikan getroffen wird, sorgt die aktuelle Wetterlage dafür, dass die Menschen hier besonders aufmerksam sind und sich entsprechend vorbereiten.
Wir hören deshalb immer wieder:
„Dieses Jahr lieber früher vorbereiten.“
Und das macht auch Sinn.
Denn wer hier schon länger lebt, weiß:
Der Hurrikan selbst ist manchmal gar nicht das größte Problem.
Das, was danach kommt, kann deutlich länger dauern.
Das eigentliche Problem kommt manchmal erst danach
Ein Hurrikan kann nach einigen Stunden weitergezogen sein.
Aber dann beginnt das eigentliche Problem manchmal erst.
Stromausfall.
Wasserausfall.
Kein Internet.
Keine Kartenzahlung.
Keine funktionierenden Geldautomaten.
Und manchmal dauert das nicht nur ein paar Stunden, sondern Tage.
Gerade hier in La Paz können Strom- und Wasserausfälle nach heftigen Wetterereignissen zu einer echten Herausforderung werden.
Und dann gibt es noch den Regen.
La Paz hat nach Aussagen vieler Menschen hier keine klassische Regenwasserkanalisation, wie wir sie aus vielen europäischen Städten kennen.
Das merkt man schnell.
Wenn innerhalb kurzer Zeit große Mengen Regen fallen, verwandeln sich Straßen teilweise regelrecht in Flüsse. Das Wasser sucht sich seinen eigenen Weg und plötzlich wird aus einer normalen Straße eine ziemlich beeindruckende Wasserlandschaft.
Mit dem Auto möchte man dann lieber nicht unterwegs sein.
Und wenn gleichzeitig der Strom ausfällt und auch die Wasserversorgung Probleme macht, versteht man schnell, warum die Menschen hier vor einem größeren Sturm lieber vorsorgen.
Und dann gibt es bei uns noch die 10 Kilometer Sandpiste
Bei uns kommt natürlich noch ein ganz spezielles Problem dazu.
Wir werden später etwa zehn Kilometer Sandpiste bis zu unserem Haus haben.
Normalerweise ist das überhaupt kein Problem.
Aber wenn es richtig regnet, sieht die Sache plötzlich anders aus.
Auf unserem Grundstück gibt es mehrere Arroyos. Normalerweise sind das trockene Flussläufe. Wenn es allerdings ordentlich regnet, können daraus innerhalb kürzester Zeit richtige Wasserläufe werden.
Und dann kann es passieren, dass man mit einem normalen SUV schlicht nicht mehr durchkommt.
Deshalb steht für uns inzwischen ziemlich fest:
Wir brauchen einen Pickup.
Nicht unbedingt, weil wir schon immer davon geträumt haben, einen riesigen Truck zu fahren.
Sondern weil wir irgendwann zehn Kilometer Sandpiste von der nächsten befestigten Straße entfernt leben werden.
Und wenn dort plötzlich ein Arroyo Wasser führt, möchten wir nicht davorstehen und sagen:
„Na toll. Dann bleiben wir jetzt eben hier.“ 😄
Der Pickup wird für uns deshalb wahrscheinlich irgendwann eines der wichtigsten Fahrzeuge überhaupt sein.
Für Baumaterial.
Für Einkäufe.
Für Transporte.
Für Fahrten in die Stadt.
Und eben auch für den Fall, dass aus unserer normalerweise trockenen Sandpiste plötzlich eine ziemlich abenteuerliche Strecke wird.
Wie wir uns vorbereiten
Wir wollen uns natürlich nicht auf den Weltuntergang vorbereiten.
Aber wir wollen auf die Realität vorbereitet sein.
Wasser. Wasser. Und nochmals Wasser.
Wasser ist auf der Baja ohnehin eine der knappsten Ressourcen.
Während eines Hurrikans oder eines größeren Stromausfalls wird einem noch einmal besonders deutlich bewusst, wie wichtig diese Ressource tatsächlich ist.
Wir werden unsere großen Wassertanks haben und zusätzlich Trinkwasser im Haus lagern.
Denn Wasser brauchen wir nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Kochen, für Kaffee, für die Hunde und für die persönliche Hygiene.
Wasser ist für uns deshalb nicht einfach nur ein Vorrat.
Es ist unsere wichtigste Sicherheitsreserve.
Gerade auf der Baja kann man wahrscheinlich nie zu viel Wasser im Haus haben.
Lebensmittel für mehr als nur drei Tage
Wir werden extra eine Vorratskammer in unserem zukünftigen Haus einplanen.
Zusätzlich zum großen Side-by-Side-Kühlschrank werden wir weitere Gefrierschränke haben.
Denn wir wollen nicht nur Lebensmittel kaufen, sondern auch selbst konservieren und haltbar machen, alles, was uns unter die Finger kommt.
Während der Hurrikansaison wird das natürlich noch wichtiger.
Wir wollen deshalb nicht nur Lebensmittel im Gefrierschrank haben, sondern vor allem ausreichend Vorräte, die ohne Strom und ohne Kühlung auskommen.
Reis.
Nudeln.
Konserven.
Hülsenfrüchte.
Trockenfleisch.
Mehl.
Hundefutter.
Und natürlich alles, was wir selbst haltbar machen können.
Denn wenn der Strom mehrere Tage ausfällt, möchten wir nicht ausschließlich von unseren Gefrierschränken abhängig sein.
Auch Nala und Hope gehören schließlich zur Familie. Für die beiden werden wir deshalb ebenfalls ausreichend Hundefutter auf Vorrat haben.
Bargeld – plötzlich wieder unglaublich wichtig
Ein weiterer Punkt, an den man in Europa wahrscheinlich gar nicht mehr denkt:
Bargeld.
Im normalen Alltag bezahlen wir vieles mit Karte.
Aber wenn der Strom ausfällt, kann plötzlich auch das nicht mehr funktionieren.
Keine Kartenzahlung.
Keine funktionierenden Geldautomaten.
Und vielleicht auch keine Möglichkeit, schnell noch Bargeld zu holen.
Wenn Geschäfte oder Tankstellen zwar geöffnet haben, aber ihre Kartenterminals nicht funktionieren, hilft einem die schönste Bankkarte nichts.
Deshalb gehört für uns künftig auch ein ausreichender Bargeldvorrat zur Hurrikan- und Notfallplanung.
Benzin – denn auch unser Pickup braucht welches
Auch beim Benzin werden wir künftig etwas anders denken müssen.
Wenn ein Hurrikan angekündigt wird, wollen wahrscheinlich plötzlich sehr viele Menschen gleichzeitig tanken.
Und wenn danach Straßen unpassierbar sind oder die Versorgung mit Treibstoff unterbrochen wird, kann es schwierig werden, schnell noch zur nächsten Tankstelle zu fahren.
Unser Pickup wird vor einem größeren Sturm natürlich vollgetankt sein.
Zusätzlich werden wir einen begrenzten Vorrat an Benzin in geeigneten, zugelassenen Kanistern bereithalten.
Und natürlich: Gas
Auch beim Gas wollen wir immer eine Reserve haben.
Denn wir möchten nicht erst dann feststellen, dass die Gasflasche fast leer ist, wenn draußen bereits der nächste Sturm aufzieht.
Gerade wenn Lieferungen oder Fahrten in die Stadt vorübergehend nicht möglich sind, ist es beruhigend, wenn man auch hier einen gewissen Vorrat hat.
Lieber eine Reserve zu viel als eine zu wenig.
Dann können wir eigentlich nur noch abwarten
Denn eines haben wir inzwischen verstanden:
Man kann sich auf vieles vorbereiten.
Aber man kann nicht alles kontrollieren.
Wir wollen nicht in Angst vor Hurrikans leben.
Aber wir wollen Respekt vor ihnen haben.
Und wir wollen vorbereitet sein.
Vielleicht ist genau das für uns der größte Unterschied zwischen unserem bisherigen Leben in Europa und unserem zukünftigen Leben hier draußen.
Hier darf man vieles nicht als selbstverständlich betrachten.
Wasser nicht.
Strom nicht.
Benzin nicht.
Gas nicht.
Wir haben gelernt, dass Freiheit auch bedeutet, vorbereitet zu sein.
Nicht auf den Weltuntergang.
Sondern einfach auf die Realität.
Und vielleicht sitzen wir dann irgendwann bei einem heftigen Sturm in unserem Haus, Nala und Hope liegen sicher auf ihren Decken, draußen peitscht der Regen gegen die Fenster und irgendwo in der Ferne rauscht ein Arroyo über unsere Sandpiste.
Wir schauen uns an.
Schauen auf unsere Vorräte.
Und sagen:
„Gut. Dann bleiben wir eben ein paar Tage hier.“
Und vielleicht ist genau das die Freiheit, die wir uns wünschen.
Nicht die Freiheit, dass niemals etwas schiefgeht.
Sondern die Freiheit, auch dann zurechtzukommen, wenn etwas schiefgeht.
Denn wir sind schließlich nicht hierhergekommen, um die Natur zu bezwingen.
Wir sind hierhergekommen, um mit ihr zu leben.
Mit der Sonne.
Mit dem Pazifik.
Mit der Wüste.
Mit den Arroyos.
Und manchmal eben auch mit einem Hurrikan.
Denn eines haben wir auf der Baja inzwischen gelernt:
Man muss nicht alles kontrollieren können.
Aber man sollte vorbereitet sein, wenn man es nicht kann.