Frust statt Lust – oder mein verzweifelter Versuch, auf der Baja meine ersten Donauwellen zu backen

Es gibt schwarze Montage. Allerdings wusste ich bisher nicht, dass das auch für Dienstage gilt.

Aber es gibt Tage, da sollte man am besten gar nichts anfassen. Das Problem ist nur: Man weiß es vorher nicht.

Heute hatte Romed Spanischunterricht und danach wollte er ins Gym. Also für mich die perfekte Gelegenheit, mich in der Küche breit zu machen, eine gute Musik aufzulegen und meine ersten Donauwellen auf der Baja zu backen.

Die Euphorie nahm allerdings bald ein Ende.

Als Erstes kam mir schon bei der Vorbereitung das Mehl irgendwie komisch vor. Es war sehr, sehr fein für meinen Geschmack. Da ich noch nicht oft mit diesem Mehl gebacken hatte, schaute ich nicht weiter nach.

Ich machte den Teig fertig und merkte: Die Umrechnung der Springform hat wohl nicht so richtig funktioniert, denn die Teigmenge war sehr, sehr spärlich berechnet.

Nichtsdestotrotz machte ich meine Donauwellen backofenfertig.

Den Ofen hatte ich ja bereits brav auf 175 Grad vorgeheizt.

Was mir bisher noch nie passiert war: Ich hatte natürlich mein Backrohr wieder labortechnisch mit meinen Thermometern vorbereitet. In dem Moment, als ich den Ofen öffnete, den Kuchen hineinschob – was ja nur wenige Sekunden dauerte – und ihn wieder schloss, fiel die Temperatur auf 95 Grad.

Na bravo, dachte ich mir. Der kann ja nur sitzen bleiben.

Das war der erste Tiefschlag.

Ich stellte mir den Timer – natürlich ohne auf Start zu drücken, was ich zehn Minuten später feststellte, als ich nachschauen wollte – und begann währenddessen, die Küche aufzuräumen und die Utensilien, die ich nicht mehr brauchte, zu verräumen.

Da kam mir auch mein Mehlglas unter.

Ich muss dazu sagen: Wir sind noch beim Vorbereiten für die Bakery und alles ist derzeit sehr chaotisch. Alle meine Backutensilien landen in großen Kisten und Romed versucht verzweifelt, dort Ordnung zu halten.

Aber nachdem mir jeden Tag etwas Neues einfällt und ich von A nach B räume, ist dieser Versuch momentan sehr zum Scheitern verurteilt.

Armer Romed.

Akribisch, wie ich bin, beschrifte ich natürlich alle Gläser.

Und dann sah ich auf der Seite des Glases einen Aufkleber.

Keinen von meinen alten, die ich in Österreich irgendwann einmal draufgeklebt und beim Umzug nicht mehr abgemacht hatte.

Nein.

Einen neuen.

Und darauf stand, in meiner eigenen, schönen, säuberlichen Handschrift:

Speisestärke.

Das erklärte natürlich einiges.

Das Mehlglas stand nämlich ganz brav im Küchenschrank und schlummerte dort vor sich hin.

Die Speisestärke dagegen war bereits bei meinen Backutensilien gelandet.

Und ich hatte natürlich nicht noch einmal nachgeschaut.

Möglicherweise hatte ich dabei nicht einmal meine Brille auf.

Wäre ja wieder mal typisch für mich.

Jedenfalls hatte ich meine Donauwellen mit Speisestärke statt Mehl gebacken.

Viel kann da ja eigentlich nicht passieren.

Außer, dass der Kuchen wahrscheinlich etwas krümelig wird und nicht ganz so aufgeht, wie er das normalerweise tun sollte.

Aber gut.

Jetzt war er ohnehin schon im Ofen.

Der Kuchen kam dann tatsächlich einigermaßen anständig wieder heraus.

Kein Totalschaden.

Nur vermutlich etwas beleidigt.

Ich beschloss also, das Beste daraus zu machen, und machte mich an den Pudding.

Schließlich war eine Donauwelle noch lange nicht verloren, nur weil ihr Boden beschlossen hatte, heute auf Speisestärke zu bestehen.

Der Mascabado – meine große Liebe

Was die Zutaten betrifft, muss ich allerdings einen kleinen Exkurs einschieben.

Ich habe mich hier in Mexiko nämlich schockverliebt. In den Mascabado. Diesen ganz, ganz dunklen Rohrzucker.

Der gibt einen wahnsinnig runden, fast malzigen Geschmack und ich habe inzwischen eigentlich alles damit gebacken. Kuchen, Brownies, was auch immer.

Warum also jetzt bei den Donauwellen etwas ändern, wenn es gut schmeckt?

Tja.

Ein Vanillepudding wäre da vielleicht ein guter Zeitpunkt gewesen, einmal kurz darüber nachzudenken.

Denn ein Vanillepudding sollte nun einmal schön weiß bis gelblich sein.

Mein erster Testpudding mit der hiesigen Stärke war übrigens auch schön vanillegelb – da hatte ich meine große Liebe noch nicht gefunden und ihn mit hellerem braunen Zucker zubereitet.

Mein Lieblingszucker sah das also völlig anders und beschloss, während ich den Pudding kochte, ordentlich zu karamellisieren.

Geschmacklich ist das ja eigentlich eine großartige Sache. Der Pudding bekommt dadurch noch einmal eine ganz andere, wunderbar runde Note.

Nur: Ein brauner Vanillepudding ist optisch etwas gewöhnungsbedürftig.

Und ehrlich gesagt sieht er nicht unbedingt so aus, als würde man sich voller Vorfreude einen Löffel davon in den Mund schieben.

Also muss ich mich von meiner großen Liebe zumindest vorübergehend trennen.

Schweren Herzens.

Ich muss meine Rezepte abändern und – gegen mein besseres Wissen, was den Geschmack betrifft – Abstriche machen und mir einen helleren Zucker zumindest zum Mischen suchen.

Und dann kam die Schokolade

Dementsprechend schon einigermaßen demotiviert machte ich mich an den Schokoladenüberzug.

Wie ihr vielleicht im Rezept gesehen habt, ist das eine Mischung aus dunkler und heller Schokolade, die in Österreich immer wunderbar funktioniert hat.

Funktioniert hat sie auf der Baja dann ja auch.

Allerdings erst, nachdem ich mir von Romed den Gummihammer fürs Fliesenlegen geholt hatte.

Denn wer schon einmal versucht hat, aus einem 3-Kilo-Sack Callebaut-Schokolade, der im Kühlschrank liegt, genau 85 Gramm herauszubekommen, weiß vielleicht, wo das Problem liegt.

Die Schokolade kann ich hier draußen nämlich nicht lagern. Bei unseren Temperaturen wird mir die 28-prozentige Schokolade sonst einfach flüssig.

Also musste der Sack in den Kühlschrank.

Und aus einem gekühlten 3-Kilo-Sack Schokolade bekommt man nun einmal nicht besonders elegant 85 Gramm heraus.

Schon gar nicht, wenn man nicht jedes Mal den kompletten Inhalt auf Zimmertemperatur bringen will.

Also kam er zum Einsatz:

Der Gummihammer.

Eigentlich fürs Fliesenlegen gedacht.

Heute allerdings in der Backstube.

Ich habe also mehr oder weniger vorsichtig auf meinen Schokoladensack eingedroschen, bis sich ein Stück in ungefähr der richtigen Größenordnung herausbrechen ließ.

85 Gramm.

Mehr oder weniger.

Den Rest durfte ich anschließend wieder in den Kühlschrank verfrachten – in einem Beutel, der nach dieser Aktion allerdings aussah, als hätte er bereits mehrere Jahre Baustellenerfahrung hinter sich.

Man kann sich im Vorfeld wirklich nicht vorstellen, mit welchen Problemen man hier kämpft.

Und das Faszinierende daran ist: Man weiß vorher nicht einmal, dass es diese Probleme überhaupt gibt.

In Österreich überlegt man beim Backen, ob die Schokolade die richtige Temperatur hat.

Hier überlegt man zusätzlich, ob man dafür einen Gummihammer braucht.

Ende gut, Vanillepudding braun

Mittlerweile ist der Kuchen fertig und steht zum Durchziehen im Kühlschrank.

Ich bin gespannt, wie er schmeckt.

Und vor allem bin ich gespannt, was Romed heute Abend zu seiner Donauwelle mit dem braunen Vanillepudding sagt.

Nebenbei habe ich natürlich auch noch meine Tonkabohnen verbummelt.

Ich hatte extra eine größere Menge im Container mitgebracht, weil ich wusste, dass sie hier sehr, sehr schwer zu bekommen sind.

Und jetzt?

Spurlos verschwunden.

Aufgrund unserer derzeitigen Räumerei hat sich das Glas vermutlich irgendwo zwischen den mittlerweile gefühlt 200 Kisten versteckt, die wir in den letzten Tagen ein- und wieder umgeräumt haben.

Natürlich genau dort, wo man es garantiert nicht findet, wenn man es gerade braucht.

Da wartet also noch einiges an Arbeit auf meinen armen Göttergatten.

Zum Glück ist er für meine Backversuche sehr dankbar, denn er bekommt dafür immer etwas zu naschen.

Und auch wenn es optisch oft nicht ganz meinen Anforderungen entspricht, ist es geschmacklich doch meistens top.

Er räumt meine Kisten hin und her, hilft mir beim Organisieren und unterstützt meine Backversuche – und bekommt dafür Kuchen.

Wenn ich es mir recht überlege, hat er vielleicht gar nicht den schlechtesten Deal.

Eines ist allerdings klar: Bei all meiner Backerfahrung bin ich hier auf der Baja mit Problemen konfrontiert, die ich so niemals erahnt hätte.

Wer denkt schon darüber nach, dass man in Mexiko plötzlich einen Gummihammer braucht, um Schokolade abzuwiegen?

Aber ich lasse mich nicht unterkriegen.

Im Gegenteil.

Während ich diese Zeilen schreibe, steigt mein Ehrgeiz schon wieder.

Ich werde jetzt einfach weitermischen, weiter ausprobieren und so lange herumtüfteln, bis ich einen schönen gelben Vanillepudding bekomme, der mir sowohl optisch als auch geschmacklich zusagt.

Denn eines habe ich hier in Mexiko mittlerweile gelernt:

Es gibt offenbar für jedes Backproblem eine Lösung.

Manchmal braucht man dafür eben nur etwas mehr Zeit.

Und gelegentlich einen Gummihammer.

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