Hausrat nach Mexiko: Container, Kosten und die Sache mit der Qualität vor Ort

Bevor wir ausgewandert sind, hat uns eine Frage fast ein Jahr lang beschäftigt:
Nehmen wir unseren Hausrat mit nach Mexiko oder kaufen wir vor Ort alles neu?

Ein Übersee-Container klingt zunächst nach viel Aufwand und noch mehr Kosten.
Was beides auch zutrifft. 😄

Nach unserer eigenen Erfahrung können wir aber sagen: Es kommt sehr darauf an, was ihr mitnehmen möchtet – und wie wichtig euch Qualität und persönliche Dinge sind.

Mitnehmen oder neu kaufen?

Für viele Auswanderer ist das eine der ersten großen Fragen beim Umzug.

Ein Container ist teuer, aufwendig und mit viel Bürokratie verbunden. Die Alternative, alles vor Ort neu zu kaufen, ist aber nicht automatisch günstiger.

Wir haben deshalb versucht, für uns ganz ehrlich abzuwägen:
Was brauchen wir wirklich?
Was können wir problemlos neu kaufen?
Und auf welche Dinge möchten wir nicht verzichten?

Am Ende war für uns klar: Wir nehmen einen großen Teil unseres Hausrats mit.
Und das hatte mehrere Gründe.

Der rechtliche Rahmen: Menaje de Casa

Der zentrale Mechanismus für die zollfreie Einfuhr von Hausrat nach Mexiko heißt „Menaje de Casa“.

Grundsätzlich benötigt man dafür einen gültigen Aufenthaltstitel, also beispielsweise eine Residente Temporal oder Permanente, sowie eine detaillierte Inventarliste der mitgebrachten Gegenstände.

Was wir dabei gelernt haben:
Die genauen Anforderungen können je nach zuständigem Konsulat und individuellem Fall unterschiedlich sein.

Ein zusätzliches Zertifikat vom Konsulat, das in manchen Ratgebern als zwingend beschrieben wird, haben wir beispielsweise in unserem Fall nicht benötigt.

Unser Rat deshalb:
Klärt die aktuell geltenden Anforderungen direkt mit dem für euch zuständigen mexikanischen Konsulat.
Verlasst euch nicht ausschließlich auf allgemeine Informationen aus dem Internet, denn gerade bei bürokratischen Verfahren können sich Anforderungen ändern.

Wer neben dem Hausrat auch gleich ein Grundstück kaufen möchte, findet die rechtlichen Grundlagen dazu in unserem Beitrag Fideicomiso oder Firma?

Die Bürokratie: Nichts für schwache Nerven

Was den bürokratischen Aufwand betrifft, sollte man sich keine Illusionen machen.
Zumindest was unseren Umzug nach Mexiko betrifft, war dieser enorm.

Der Inhalt jedes einzelnen Kartons musste detailliert erfasst werden – zweisprachig auf Englisch und Spanisch.
Jeder Karton wurde nummeriert.

Von Elektrogeräten mussten jeweils Name, Art der Gerätes und die Seriennummern erfasst und dem jeweiligen Karton zugeordnet werden. Geräte in Originalverpackung mussten mit der entsprechenden Rechnung belegt werden.

Auch für die Einfuhr des Containers waren bestimmte steuerliche und administrative Voraussetzungen zu erfüllen. In unserem Fall war unter anderem eine RFC-Nummer erforderlich.

Schon bei der Planung brauchten wir außerdem eine Adresse am Zielort, die später noch geändert werden konnte.

Unser Fazit:
Beginnt frühzeitig mit der Planung.
Sehr frühzeitig.

Was der Container wirklich kostet

Die Kosten für einen Übersee-Container können stark variieren.

Allgemeine Richtwerte aus Umzugsportalen liegen – abhängig von Größe, Strecke, Anbieter und Leistungsumfang – häufig bei mehreren tausend Euro.

Ein 20-Fuß-Container kann demnach beispielsweise um die 7.000 Euro kosten, ein 40-Fuß-Container entsprechend mehr.

Dazu kommen je nach Anbieter unter anderem:

  • Verpackung
  • Abholung
  • Transport zum Hafen
  • Zwischenlagerung
  • Verschiffung
  • Zollabwicklung
  • Transport vom Hafen zum endgültigen Zielort

Und genau hier kommt die Baja California Sur ins Spiel.

Bei uns lagen die tatsächlichen Kosten für unseren 20-Fuß-Container ungefähr beim Doppelten der allgemeinen Richtwerte, da unser Transport über den Hafen von Manzanillo und anschließend weiter auf die Baja California Sur erfolgte.

Wer auf die Baja auswandert, sollte deshalb nicht einfach mit den durchschnittlichen Containerpreisen für Mexiko kalkulieren.
Die tatsächliche Route kann einen erheblichen Unterschied machen.

Warum sich der Aufwand für uns gelohnt hat

Wir haben hier auf der Baja California Sur relativ schnell gemerkt, dass vieles, was lokal erhältlich ist, nicht unbedingt der Qualität entspricht, die wir aus Europa gewohnt waren.

Das betrifft beispielsweise:

  • Geschirr
  • Bettwäsche und Handtücher
  • Küchenutensilien
  • Koch- und Backzubehör
  • Bekleidung

Für uns war das tatsächlich ein wichtiger Punkt.

Wir hatten diesen Unterschied bereits während unserer vielen Urlaube auf der Baja bemerkt und uns deshalb schon lange vor unserem Umzug vorbereitet.

Wir haben bestimmte Dinge rechtzeitig gekauft und uns vor allem bei Geschirr sowie Koch- und Backutensilien regelrecht eingedeckt.

Diese Vorbereitung hat sich im Nachhinein wirklich ausgezahlt.

Natürlich kann man vieles auch hier kaufen.
Aber wenn man für etwas, das man aus Europa in hochwertiger Qualität gewohnt ist, vor Ort deutlich mehr bezahlen muss und dann trotzdem mit der Qualität nicht zufrieden ist, kann sich ein Transport durchaus rechnen.

Es ging aber nicht nur um Qualität

Ein mindestens genauso wichtiger Grund für unseren Container waren die Dinge, die man nicht einfach neu kaufen kann.

Erinnerungsstücke an die Generationen vor uns.
Fotos.
Lieb gewonnene Möbel.
Persönliche Gegenstände.
Und natürlich Romeds endlos umfangreiche Werkzeugsammlung. 😄

Auch unsere Kleidung wollten wir nicht einfach komplett zurücklassen.

Wir wollten nicht unser gesamtes bisheriges Leben aufgeben, nur weil wir in ein anderes Land ziehen.

Natürlich haben wir uns von vielen Dingen getrennt.
Aber manches ist eben durch nichts zu ersetzen.
Und wenn an einem Gegenstand Erinnerungen hängen, ist sein Wert für uns ohnehin nicht in Geld zu messen.

Was wir bei unserem Umzug unterschätzt haben

Ein paar Dinge sollte man vor dem Containertransport unbedingt bedenken.

Mexiko arbeitet mit 110 Volt, weshalb europäische Elektrogeräte hier häufig nicht ohne Weiteres funktionieren.
Wir wussten das und haben deshalb bewusst nur wenige Elektrogeräte mitgenommen.

Auch bei Möbeln sollte man genau hinschauen. Die Räume und Möbelgrößen können sich unterscheiden, und europäische Möbel passen nicht automatisch in jedes mexikanische Haus.

Dazu kommen Hitze und Feuchtigkeit, die besonders während eines langen Transports eine Herausforderung für Holz, Elektronik und andere empfindliche Materialien sein können.

Und dann wäre da noch eine Sache, die wir völlig unterschätzt haben:
Der Zeitaufwand.

Wir würden jedem empfehlen, sich mindestens ein halbes Jahr vorher mit dem Container zu beschäftigen.

Bei uns hat allein das Sortieren, Packen, Dokumentieren und ordentliche Verstauen monatelang gedauert.
Wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt, war uns vorher nicht bewusst.

Was sollte wirklich mit?

Am Ende hilft nur eine ehrliche Frage bei jedem einzelnen Gegenstand:
Brauche ich das wirklich – oder hängt mein Herz daran?

Beides kann ein guter Grund sein, etwas mitzunehmen.
Aber nicht alles, was man besitzt, muss automatisch mit auf die Reise.

Wir haben uns bei vielen Dingen bewusst gefragt:
Würde ich diesen Gegenstand heute noch einmal kaufen?

Wenn die Antwort nein war, durfte er bleiben.
Bei anderen Dingen war die Antwort aber ganz klar:
Das kommt mit.

Und genau diese Mischung aus Vernunft und Gefühl war für uns am Ende die richtige Entscheidung.

Unser Fazit

Ein Container nach Mexiko ist kein Schnellschuss.

Es ist eine Entscheidung, bei der viele Faktoren zusammenkommen:
Kosten.
Bürokratie.
Zeitaufwand.
Qualität vor Ort.
Und natürlich die Frage, was euch persönlich wichtig ist.

Für uns hat sich der Aufwand gelohnt.
Nicht nur wegen der Qualität bestimmter Dinge, sondern vor allem, weil wir so ein Stück unseres bisherigen Lebens mitnehmen konnten.

Unser Rat an alle, die vor dieser Entscheidung stehen:
Rechnet ehrlich durch, was ein Container tatsächlich kostet.
Informiert euch frühzeitig über die aktuellen Einfuhrbestimmungen.
Plant ausreichend Zeit für das Packen und die Dokumentation ein.
Und überlegt euch bei jedem Gegenstand, ob ihr ihn wirklich braucht oder ob er für euch einen persönlichen Wert hat.

Denn am Ende ist ein Container nicht nur eine Kiste voller Hausrat.
Für uns war er auch ein Stück Zuhause, das mit uns auf die andere Seite der Welt gereist ist.

Und vielleicht war genau das der Grund, warum wir nach unserer Ankunft nicht das Gefühl hatten, alles zurückgelassen zu haben.

Wir hatten unser neues Leben begonnen.
Aber ein kleines Stück unseres alten Lebens war mit uns gekommen.

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