Dinge, über die wir heute anders nachdenken: Brauchen wir auf der Baja wirklich einen Geschirrspüler?

Je konkreter unsere Pläne für unser Grundstück und unser zukünftiges Zuhause werden, desto mehr beschäftigen wir uns mit Fragen, über die wir früher wahrscheinlich nie lange nachgedacht hätten.

In Österreich war vieles selbstverständlich. Wasser kam aus dem Hahn, Abwasser verschwand im Kanal, Müll wurde getrennt und abgeholt, und bei Haushaltsgeräten stellte sich meistens nur die Frage, welches Modell wir kaufen möchten.

Auf der Baja California Sur ist der Blickwinkel ein anderer. Da wir weitgehend unabhängig leben möchten, müssen wir schon bei der Planung überlegen, wie bestimmte Dinge später funktionieren sollen. Woher kommt unser Wasser? Wie nutzen wir es sinnvoll? Wie gehen wir mit Abwasser um? Welche Geräte brauchen wir wirklich? Und welche Dinge, die früher einfach zum Alltag gehört haben, machen unter den neuen Bedingungen überhaupt noch Sinn?

Ein gutes Beispiel dafür ist der Geschirrspüler. Früher hätten wir diese Frage wahrscheinlich gar nicht gestellt. Eine Küche ohne Geschirrspüler? Für uns kaum vorstellbar. Heute überlegen wir: Verbraucht ein moderner Geschirrspüler vielleicht sogar weniger Wasser als Spülen von Hand? Ist der Stromverbrauch mit unserem Solarsystem überhaupt ein Problem? Und passt dieses Gerät zu unserem Leben auf der Baja?

Der Geschirrspüler als Testfall

Vielleicht klingt es kleinlich, sich wegen eines einzelnen Küchengeräts so viele Gedanken zu machen. Für uns ist es trotzdem ein guter Testfall – weil sich daran zeigt, wie sehr sich unser Denken gerade verschiebt. Wir bauen ja gerade an unserem eigenen kleinen Off-Grid-System, und dabei stellt sich jede Frage neu.

In Österreich war die Frage höchstens: schwarz oder weiß, welche Marke, welches Programm. Hier auf der Baja ist die erste Frage nicht Strom, sondern Wasser. Das war für uns überraschend: Wir sind mit der Vorstellung aufgewachsen, dass Spülen per Hand automatisch sparsamer ist. Nach allem, was wir dazu gelesen haben, stimmt das so pauschal nicht – ein modernes Gerät mit vollem Programm kommt oft mit weniger Wasser aus, als wir von Hand verbrauchen würden. Vorausgesetzt, man lässt beim Spülen nicht einfach den Hahn durchlaufen, was wir, ehrlich gesagt, in Österreich öfter gemacht haben, als uns heute lieb ist.

Der Stromverbrauch ist für uns eher der zweitrangige Punkt – nicht, weil er egal wäre, sondern weil er sich mit einer entsprechend ausgelegten Solaranlage lösen lässt. Es gibt Geräte, die mit 127 Volt laufen und sich so in unser Off-Grid-System einbinden lassen. Das ist für uns also eher eine Frage der Anlagenplanung als ein Grund, komplett auf das Gerät zu verzichten.

Was uns bei der Entscheidung tatsächlich beschäftigt, sind andere Dinge: Bekommen wir ein Gerät hier auf der Baja überhaupt, oder müssten wir es importieren? Gibt es Ersatzteile, wenn in ein paar Jahren etwas kaputtgeht? Kennt hier jemand die Technik, oder sind wir dann auf uns allein gestellt? Und hält das Gerät über Jahre, nicht nur im ersten Sommer? Das ist bewusst keine Kaufberatung – wir vergleichen hier keine Modelle. Es geht uns darum zu zeigen, wie anders wir inzwischen an so eine Anschaffung herangehen.

Warum das mehr ist als eine Frage nach einem Küchengerät

Der Geschirrspüler ist eigentlich nur ein Beispiel. Die gleiche Art zu fragen begegnet uns inzwischen bei fast allem, was mit unserem Grundstück und dem geplanten Haus zu tun hat: bei Wasser, bei Abwasser, bei Müll, bei Kompost, bei Plastik, das wir möglichst vermeiden wollen, bei Glas, bei organischen Abfällen, und ganz allgemein bei der Frage, welche Haushaltsgeräte wirklich in unser Leben hier passen. Zu jedem dieser Themen wird es später einen eigenen Beitrag geben – dieser hier ist der Auftakt.

Warum uns das überhaupt so beschäftigt, haben wir an anderer Stelle ausführlicher erklärt: warum wir uns überhaupt für die Baja California Sur entschieden haben, und wie sich unsere Pläne für unser Grundstück und unser Leben auf 35 Hektar seither entwickelt haben. Auch beim Hausbau selbst läuft es genauso: Wir entscheiden fast nichts mehr einfach so, sondern erst, nachdem wir uns gefragt haben, ob es wirklich zu unserem Leben hier passt.

Ein kurzer Ausblick: Kompost

Ein Thema, das uns nebenbei schon jetzt beschäftigt, ist Kompost. Wir wollten wissen, ob Kompostieren in einer trockenen Region wie unserer überhaupt funktioniert, und die Antwort ist: ja – in Regionen wie Arizona oder New Mexico, die klimatisch nicht so weit von der Baja entfernt sind, wird ganz normal kompostiert.

Was uns dabei überrascht hat: Man braucht dafür keine speziell gekauften Bakterien. Die natürlichen Mikroorganismen, die ohnehin in Erde und Pflanzenmaterial vorhanden sind, reichen aus. Worauf es stattdessen ankommt, sind Feuchtigkeit, Schatten und die richtige Mischung aus „grünem“ und „braunem“ Material. Bokashi haben wir uns auch angeschaut – eine interessante Alternative, die aber regelmäßig Startermaterial mit Mikroorganismen braucht. Für ein möglichst unabhängiges Leben ist das für uns deshalb erstmal die zweite Wahl. Mehr dazu – und wie wir das am Ende umsetzen – gibt es in einem eigenen Beitrag.

So ein Geschirrspüler ist am Ende also nur ein kleines Beispiel für etwas Größeres: dafür, wie viel bewusster wir inzwischen über Dinge nachdenken, die früher einfach da waren. Das ist der Auftakt zu „Dinge, über die wir heute anders nachdenken“ – in den nächsten Beiträgen der Serie geht es dann im Detail um Wasser, Abwasser, Müll und die anderen Themen, die uns hier täglich begleiten.

Übrigens: Alle Punkte rund ums Wohnen, Grundstückskauf und Hausbau haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.

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