Vor rund 100 Tagen sind wir nach Mexiko aufgebrochen. Mit fünf Koffern und einem ziemlich großen Traum im Gepäck.
Wir wussten, dass sich unser Leben verändern würde. Wir wussten, dass wir vieles zurücklassen. Und wir wussten auch, dass ein neues Leben nicht automatisch ein leichteres Leben bedeutet.
Aber was wir damals noch nicht wissen konnten: Wie sehr sich unser Blick auf viele Dinge verändern würde.
Denn wenn man ein Land nur aus dem Urlaub kennt, sieht man es mit anderen Augen. Man sieht die schönen Strände, das Meer, die Wüste, die Sonnenuntergänge, das gute Essen. Man genießt die Wärme und die Freiheit und denkt vielleicht irgendwann: Hier könnte ich leben.
Aber irgendwann kommt der Moment, in dem aus Urlaub Alltag wird. Und dann sieht man plötzlich nicht mehr nur das schöne Mexiko. Man sieht alles: die Dinge, die wunderbar funktionieren, die Dinge, die anders funktionieren, die Dinge, die länger dauern, und die Dinge, die manchmal nerven.
Und genau dann beginnt man zu verstehen, ob ein Ort wirklich zu einem passt.
Wir haben gelernt, dass ein schöner Ort allein nicht reicht
Wir haben in unserem Leben viele wunderschöne Orte auf dieser Welt gesehen. Orte, an denen wir uns im Urlaub sofort vorstellen konnten, dort zu leben. Aber Urlaub und Alltag sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Wenn man irgendwo dauerhaft leben möchte, braucht es für uns viel mehr als eine schöne Landschaft. Es braucht Menschen, bei denen man sich wohlfühlt. Eine Mentalität, die zu einem passt. Ein Klima, mit dem man auch langfristig glücklich ist – auch wenn es, wie wir im Sommer in La Paz gelernt haben, durchaus fordernd werden kann. Gutes Essen. Natur. Das Meer. Die Möglichkeit zu tauchen. Politische Sicherheit. Eine medizinische Versorgung, mit der man sich auch im Alter noch wohlfühlt. Und natürlich auch eine gewisse Infrastruktur.
Denn so sehr wir die Abgeschiedenheit lieben – manchmal möchte man eben doch ins Kino gehen, einen größeren Einkauf erledigen oder einfach wissen, dass ein internationaler Flughafen nicht unerreichbar weit entfernt ist.
Heute sehen wir deshalb noch deutlicher: Es muss das Gesamtpaket stimmen. Nicht alles muss perfekt sein. Aber möglichst vieles sollte zu dem Leben passen, das man selbst führen möchte. Und genau deshalb sind wir nach 100 Tagen mehr denn je davon überzeugt, dass die Baja California Sur für uns die richtige Entscheidung war.
Wir haben gelernt, dass Zeit ein Teil von Lebensqualität ist
Unser Leben ist hier nicht automatisch stressfrei. Auch in Mexiko gibt es Termine, Behördengänge, Einkäufe, Arbeit, Verpflichtungen – und manchmal Dinge, die einfach nicht so funktionieren, wie wir es gerne hätten.
Aber trotzdem hat sich unser Umgang mit Zeit verändert. Wir haben gelernt, dass nicht jede Minute einen Zweck erfüllen muss. Dass man eine Stunde am Strand sitzen kann, ohne etwas erledigen zu müssen. Dass ein Gespräch nicht unbedingt ein Ziel braucht. Dass man einfach irgendwo sitzen und den Sonnenuntergang beobachten kann. Und dass diese Zeit nicht verloren ist. Sie ist Leben.
Vielleicht haben wir genau das früher manchmal vergessen.
Wir nehmen die kleinen Dinge bewusster wahr
Nach 100 Tagen sind es erstaunlicherweise nicht die großen Dinge, die uns am meisten auffallen. Es sind die kleinen: der freundliche Gruß auf der Straße, Menschen, die sich spontan miteinander unterhalten, das Lachen aus einem Garten, Kinder, die Fußball spielen.
Die Musik des Gaslieferanten, an der wir mittlerweile erkennen, wer gerade durch unsere Straße fährt. Der Eiswagen. Der Obstverkäufer. Menschen, die sich Zeit nehmen. Jemand, der hilft, obwohl er es eigentlich gar nicht müsste. Und ja – auch Dinge wie die Sache mit der mexikanischen Waschmaschine gehören mittlerweile ganz selbstverständlich zu unserem Alltag.
Diese Dinge sind für sich genommen Kleinigkeiten. Aber genau daraus besteht Alltag. Und vielleicht sind es genau diese kleinen Dinge, die uns heute zeigen, wie sehr sich unser Blick verändert hat. Wir sehen sie bewusster. Wir nehmen sie wahr. Und wir wissen sie mehr zu schätzen.
Wir haben gelernt, dass weniger tatsächlich mehr sein kann
Vor unserer Auswanderung haben wir natürlich auch darüber nachgedacht, was wir zum Leben brauchen. Heute würden wir sagen: Wir brauchen weniger, als wir früher gedacht haben. Nicht, weil wir plötzlich auf alles verzichten möchten. Sondern weil sich unsere Prioritäten noch mehr verändert haben.
Wir brauchten Zeit. Zeit, die wir in Österreich nicht mehr hatten. Zeit füreinander. Zeit für unsere Hunde. Zeit für die Natur. Zeit für ein gutes Essen. Zeit für einen Spaziergang am Meer. Und manchmal einfach Zeit, in der nichts passieren muss.
Vielleicht ist genau das eine der größten Veränderungen, die wir an uns selbst bemerken.
Wir brauchen weniger. Und nehmen dafür mehr wahr.
Wir haben gelernt, dass Auswandern nicht bedeutet, dass plötzlich alles perfekt ist
Eine Auswanderung löst keine Probleme, die man mit sich selbst oder in einer Beziehung hat. Probleme nimmt man mit. Auswandern ist keine Eheberatung. Im Gegenteil: Es kann eine Beziehung auch sehr belasten. Die eigenen Gewohnheiten. Die eigenen Sorgen. Die eigenen Erwartungen.
Und natürlich gibt es auch hier Dinge, die uns nerven. Es gibt Bürokratie. Es gibt Situationen, in denen wir uns wünschen, dass etwas schneller oder einfacher funktionieren würde. Es gibt Sprachbarrieren. Und gerade die merke ich persönlich manchmal besonders deutlich.
Ich würde mich so gerne direkt mit den Menschen hier unterhalten können. Nicht immer darauf angewiesen sein, dass Romed für mich übersetzt. Ich möchte die Menschen kennenlernen, ihre Geschichten hören, mit ihnen lachen, einfach selbst ein Teil dieser Gespräche sein.
Spanisch aus Büchern oder online zu lernen, fällt mir leider schwer. Ich brauche die Sprache im echten Leben. Ich muss sie hören, sprechen und erleben. Und genau deshalb ist die Sprache für mich persönlich eine der größten Herausforderungen, die ich hier noch vor mir habe.
Aber auch das gehört zu unserem neuen Leben. Wir sind noch lange nicht fertig mit Ankommen.
Wir haben gelernt, dass man noch so viel planen kann – irgendwann muss man einfach machen
Wir haben unsere Auswanderung nicht spontan entschieden. Im Gegenteil. Wir haben jahrelang darüber nachgedacht, recherchiert und uns mit unserem Steuerberater und unserer Anwältin in La Paz ausgetauscht – über die finanziellen Voraussetzungen, über das Leben vor Ort, über die Regionen, die für uns infrage kommen. Und wir haben versucht, uns so gut wie möglich vorzubereiten.
Trotzdem kann man nicht alles planen. Man kann nicht vorhersehen, wie sich ein Alltag tatsächlich anfühlt. Wie es ist, plötzlich in einem anderen Land zu leben. Wie sich die ersten Wochen anfühlen. Wie schnell man sich an neue Abläufe gewöhnt.
Und irgendwann kommt der Moment, an dem man trotz aller Vorbereitung einfach loslassen muss. Man kann nicht alles kontrollieren. Man kann nicht alles vorhersehen. Manchmal muss man akzeptieren, dass etwas heute nicht funktioniert. Oder morgen. Oder eben irgendwann später. Ahorita. 😄
Wir haben gelernt, dass wir tatsächlich angekommen sind
Am Anfang waren wir ständig unterwegs: Behördengänge, Banktermine, Einkäufe, Besichtigungen, Organisieren, Planen, Entscheidungen treffen. Unser gesamtes Leben musste neu aufgebaut werden.
Heute fühlt sich vieles schon erstaunlich normal an. Wir kennen unsere Wege. Wir wissen, wo wir einkaufen. Wir kennen unsere Lieblingsplätze. Wir wissen, wann wir mit unseren beiden Mädels am besten ans Meer gehen. Wir erkennen die Musik der fahrenden Händler. Wir wissen, wo wir bestimmte Dinge finden. Und wir wissen inzwischen auch, wo wir besser gar nicht erst danach suchen. 😄
Das klingt vielleicht nach Kleinigkeiten. Aber genau daraus entsteht Alltag. Und irgendwann merkt man: wir leben hier. Wir sind nicht mehr nur angekommen. Wir sind dabei, uns ein neues Zuhause aufzubauen.
Unser Traum ist größer als ein Haus
Unser zukünftiges Zuhause auf den 35 Hektar am Pazifik ist natürlich ein riesiger Teil unseres Traums. Aber nach unseren ersten 100 Tagen wissen wir: Es geht nicht nur um das Haus. Es geht um das Leben, das dort stattfinden soll.
Um die ersten Morgenstunden auf unserer Terrasse. Um den ersten Kaffee mit Blick auf den Pazifik. Um Nala und Hope, die später ihren Weg zu uns gefunden haben und heute aus unserem neuen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Um die Natur. Um die Ruhe. Um das Meer. Um die Freiheit, unser Leben selbst zu gestalten.
Unser Haus ist nicht das Ziel. Es ist der Ort, an dem unser neues Leben stattfinden soll. Und ja – einen Backofen dafür haben wir inzwischen auch gefunden 😄. Beim Off-Grid-Leben mitten im Nirgendwo ist eben auch das kein Selbstläufer.
Und vielleicht ist genau das etwas, das wir heute anders sehen als vor unserer Auswanderung. Früher haben wir uns oft gefragt: Wie soll unser Traumhaus aussehen? Heute fragen wir uns viel öfter: Wie soll sich unser Leben anfühlen? Und das ist ein großer Unterschied.
Würden wir heute etwas anders machen?
Ehrlich gesagt? Nicht viel. Wir würden wieder sehr viel recherchieren. Wir würden wieder lange überlegen. Wir würden wieder rechnen. Wir würden uns wieder mit Fachleuten austauschen – auch was die Krankenversicherung als Ausländer in Mexiko betrifft. Wir würden wieder verschiedene Orte besuchen. Und wir würden uns wieder die Zeit nehmen, ein Land wirklich kennenzulernen.
Nicht nur die touristischen Hotspots. Sondern auch die Orte abseits davon. Die Menschen. Den Alltag. Die Infrastruktur. Die Kosten. Die Mentalität.
Denn wir haben gelernt: Man sollte nicht einfach ein Land auswählen. Man sollte zuerst herausfinden, was man selbst eigentlich sucht. Was ist einem wirklich wichtig? Wie möchte man leben? Was braucht man, um sich wohlzufühlen? Und dann braucht es vielleicht ein bisschen Glück, dass man vieles davon an einem Ort findet.
Für uns war es am Ende genau diese Kombination. Nicht nur die Baja. Nicht nur Mexiko. Sondern das Gesamtpaket. Und nach 100 Tagen fühlt es sich für uns noch immer so an, als hätten wir unseren Ort gefunden.
100 Tage später
Wenn wir heute auf diese ersten 100 Tage zurückblicken, sind wir vor allem eines: dankbar.
Dankbar, dass wir diesen Schritt gewagt haben. Dankbar, dass wir die Möglichkeit hatten, unser Leben noch einmal neu zu gestalten. Dankbar für all die Menschen, die uns auf diesem Weg unterstützt haben. Und dankbar für Nala und Hope, die später ihren Weg zu uns gefunden haben und heute aus unserem neuen Leben nicht mehr wegzudenken sind.
Natürlich wissen wir heute noch nicht, wie unser Leben in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Wir wissen nicht, welche Herausforderungen noch auf uns warten. Und wir wissen auch, dass noch längst nicht alles so ist, wie wir es uns einmal vorgestellt haben. Unser Haus steht noch nicht. Unser Leben auf den 35 Hektar hat noch gar nicht richtig begonnen.
Aber vielleicht ist genau das das Schöne. Wir sind mittendrin. Wir bauen nicht nur ein Haus. Wir bauen uns ein neues Leben.
Und wenn wir eines nach diesen ersten 100 Tagen ganz sicher wissen, dann ist es dieses: Wir haben nicht einfach nur ein Land gewechselt. Wir haben angefangen, unser Leben bewusster zu gestalten. Wir haben gelernt, genauer hinzusehen. Weniger als selbstverständlich zu betrachten. Mehr zu genießen. Und uns immer wieder daran zu erinnern, warum wir diesen Schritt überhaupt gewagt haben.
Wir sind noch lange nicht am Ziel. Aber wir sind angekommen. Und genau deshalb würden wir heute, 100 Tage später, wieder sagen:
Ja. Wir würden es wieder tun.
Übrigens: Alles rund ums Ankommen, erste Behördengänge und Notfallpläne haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.
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Wir sind aber keine Anwälte, Steuerberater oder sonstige Fachleute, und wir können nicht garantieren, dass alle Informationen vollständig oder aktuell sind.
Gesetze und Vorschriften können sich ändern, und je nach Region in Mexiko kann sich die Situation unterscheiden.
Unser Rat: Bevor ihr euch auf Informationen aus diesem Blog verlasst, prüft sie bitte selbst nochmal bei den zuständigen Behörden oder Fachleuten vor Ort.
Wir möchten euch mit unseren Erfahrungen unterstützen, aber die Verantwortung für eure eigenen Entscheidungen könnt ihr uns damit nicht abnehmen. 😊