Sicherheit in Baja California Sur: Mythos vs. Realität

„Ist das nicht gefährlich, nach Mexiko auszuwandern?“ Diese Frage hören wir öfter als jede andere, sobald das Thema zur Sprache kommt. Die Sorge ist verständlich – die Schlagzeilen über Mexiko sind selten freundlich. Ist Mexiko gefährlich? Ist Mexiko sicher? Eine einfache Ja-oder-Nein-Antwort gibt es darauf nicht, so ehrlich müssen wir sein. Was wir seit unserem Umzug auf die Baja California Sur tatsächlich erlebt haben und was aktuelle Zahlen zur Sicherheitslage sagen, ergibt aber ein deutlich differenzierteres Bild, als es die Klischees vermuten lassen. Hier ist unsere ehrliche Einschätzung – ohne Beschönigung und ohne Panikmache.

Das Klischee über Mexiko vs. unsere Realität

In vielen Medien wird Mexiko oft mit Kartellkriegen und Gewalt gleichgesetzt – als wäre das ganze Land ein einziger Gefahrenherd. Diese Verallgemeinerung wird der Realität nicht gerecht: Mexiko hat 32 Bundesstaaten, und die Sicherheitslage unterscheidet sich zwischen ihnen zum Teil dramatisch. Ein Bundesstaat wie Sinaloa oder Guanajuato hat mit dem Alltag in Baja California Sur, wo wir leben, wenig gemein.

Wir können nur für uns sprechen, und wir wollen das an dieser Stelle bewusst als persönliche Erfahrung kennzeichnen, nicht als allgemeingültige Aussage über ganz Mexiko: Wir persönlich fühlen uns in La Paz sicherer, als wir uns zuletzt in Österreich gefühlt haben. Das ist unser subjektiver Eindruck – kein statistischer Vergleich, dazu gleich mehr.

Was aktuelle Zahlen über Sicherheit und Kriminalität sagen

Weil wir hier nicht nur unser eigenes Bauchgefühl wiedergeben wollen, haben wir uns die aktuellen Zahlen offizieller Stellen angeschaut – unter anderem vom mexikanischen Sicherheitssekretariat SESNSP, vom Statistikamt INEGI sowie die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts.

Ehrlich gesagt: Das Bild ist gemischter, als wir es uns gewünscht hätten. Bei der allgemeinen Kriminalitätsrate – also der Gesamtzahl erfasster Straftaten pro Einwohner, von Diebstahl bis häusliche Gewalt – lag Baja California Sur laut SESNSP-Daten 2025 mit rund 2.736 Delikten pro 100.000 Einwohnern unter den Bundesstaaten mit den höchsten Werten des Landes. Auch bei den Tötungsdelikten zeigt 2025 einen deutlichen Anstieg: In den ersten acht Monaten des Jahres registrierte Baja California Sur 83 Tötungsdelikte gegenüber 37 im Vorjahreszeitraum – ein Plus von rund 124 Prozent, womit der Bundesstaat laut der Organisation México Evalúa und SESNSP-Zahlen 2025 auf Platz fünf der Bundesstaaten mit der höchsten Rate an tödlicher Gewalt lag.

Wir sagen das bewusst so deutlich, weil wir in diesem Beitrag keine Aussagen wie „eine der sichersten Regionen Mexikos“ treffen möchten, die sich mit diesen Zahlen nicht belegen lassen. Gleichzeitig muss man einordnen, was in diesen Statistiken tatsächlich steckt: Ein großer Teil der erfassten Delikte betrifft häusliche Gewalt und Eigentumsdelikte, nicht zufällige Gewalt gegen Touristen oder Auswanderer. Nach Angaben lokaler und internationaler Beobachter hängen die meisten Tötungsdelikte in La Paz mit persönlichen Konflikten, häuslicher Gewalt oder lokalen kriminellen Netzwerken zusammen – nicht mit wahllosen Übergriffen auf Fremde.

Das Auswärtige Amt stuft Baja California Sur (Stand 2026) nicht zu den Bundesstaaten, von denen ausdrücklich abgeraten wird. Von rund sieben Bundesstaaten wird derzeit dringend abgeraten, von weiteren teilweise – Baja California Sur gehört nicht dazu, sondern zu den grundsätzlich bereisbaren Regionen, für die allgemeine Vorsichtshinweise gelten. Auch das US-amerikanische Außenministerium stuft Baja California Sur mit „Level 2 – Exercise Increased Caution“ ein, derselben Kategorie wie beispielsweise Frankreich oder Deutschland.

Ein wichtiger Punkt für alle, die sich mit dem Gedanken tragen, nach Baja California Sur auszuwandern: Baja California Sur ist nicht dasselbe wie Baja California im Norden mit den Städten Tijuana und Mexicali. Beide sind eigenständige Bundesstaaten mit einer eigenen Sicherheitslage, die in den Medien und leider auch in vielen Online-Ratgebern häufig verwechselt oder vermischt werden. Baja California im Norden zählt seit Jahren zu den Bundesstaaten mit den höchsten Mordzahlen Mexikos und ist stark vom Konflikt zwischen Kartellen an der US-Grenze geprägt. Baja California Sur liegt geografisch isoliert am südlichen Ende der Halbinsel und war davon lange Zeit weitgehend abgeschirmt – auch wenn, wie oben beschrieben, die eigene Kriminalitätsstatistik 2025 deutlich angestiegen ist.

Organisierte Kriminalität und Kartelle

Wir möchten das Thema Kartelle hier bewusst nicht verharmlosen. Organisierte Kriminalität existiert in Mexiko, und es gibt auch in Baja California Sur entsprechende Aktivitäten und Risiken. Nach Einschätzungen der US-Drogenbehörde DEA hat historisch vor allem das Sinaloa-Kartell in Baja California Sur eine dominante Stellung, seit einigen Jahren ist auch das Kartell Jalisco Nueva Generación (CJNG) in Teilen des Bundesstaats aktiv, unter anderem im Raum Los Cabos. Zwischen 2015 und 2017 führte genau dieser Machtkampf zu einem deutlichen Anstieg der Gewalt in der Region.

Wir wollen hier auch nicht den oft gehörten Satz wiederholen, dass sich Kartelle „nicht für Otto Normalverbraucher interessieren“. Das ist uns zu pauschal und würde das Risiko kleinreden. Richtig ist vielmehr: Die Gewalt im Umfeld organisierter Kriminalität richtet sich ganz überwiegend gegen Personen, die selbst in diese Strukturen involviert sind, gegen Sicherheitskräfte oder gegen andere kriminelle Gruppen – nicht in erster Linie gegen Touristen oder Auswanderer, die damit nichts zu tun haben. Das Risiko ist damit anders gelagert als etwa bei Alltagskriminalität wie Diebstahl. Ein allgemeines Risiko lässt sich davon aber trotzdem niemand vollständig ausschließen, und Gewalt im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität beschränkt sich auch nicht ausnahmslos auf Auseinandersetzungen zwischen Kartellen untereinander – gelegentlich sind auch Unbeteiligte betroffen, etwa bei Schusswechseln in der Öffentlichkeit oder Straßensperren im Rahmen größerer Konflikte.

Wir selbst erleben unseren Alltag als normale Auswanderer nicht als von Kartellkriminalität geprägt. Aber wir verschließen auch nicht die Augen davor, dass sie existiert, und würden niemandem empfehlen, dieses Thema kleinzureden.

Was wir als normale Auswanderer im Alltag beachten

Ein paar einfache Verhaltensregeln haben sich bei uns bewährt, um Risiken zu reduzieren. Wichtig ist uns aber vorab ein Satz: Wenn jemand Opfer einer Straftat wird, ist das nie die Schuld des Opfers – Verhalten kann Risiken senken, aber niemand ist „selbst schuld“, wenn ihm etwas passiert. Mit diesem Vorbehalt gehört für uns zu einem sicheren Alltag in Mexiko:

  • Keine Wertsachen sichtbar im Auto liegen lassen
  • Keine großen Bargeldbeträge offen zeigen
  • Teuren Schmuck und hochwertige Kameras in bestimmten Situationen lieber nicht offen tragen
  • Nachts abgelegene und unbekannte Gegenden meiden
  • Sich vorab über die jeweilige Region informieren, statt sich auf ein pauschales Mexiko-Bild zu verlassen
  • Respektvoll gegenüber Einheimischen und der lokalen Kultur auftreten
  • Sich nach Möglichkeit in die Gemeinschaft integrieren, statt isoliert zu bleiben
  • Bei längeren Aufenthalten Kontakte zu Einheimischen aufbauen
  • Auf lokale Empfehlungen hören, gerade wenn es um bestimmte Gegenden oder Situationen geht
  • Nicht leichtsinnig handeln – aber auch nicht in Dauer-Alarmbereitschaft leben

Das sind im Grunde dieselben Regeln, die auch in vielen anderen Ländern der Welt sinnvoll sind – nur, dass man sie sich in Mexiko bewusster vor Augen führt, weil man die Umgebung noch nicht so gut kennt wie zu Hause.

Unsere persönliche Erfahrung

Und jetzt zu dem, was uns eigentlich am meisten interessiert, wenn wir ehrlich sind: wie sich unser Alltag hier tatsächlich anfühlt. Wir gehen spazieren. Wir fahren Auto, auch abends. Wir sind am Strand. Wir bewegen uns in, gehen einkaufen, treffen Freunde, sitzen abends draußen. Wir haben absolut nicht das Gefühl, ständig Angst haben zu müssen oder unseren Alltag einschränken zu müssen.

Wir persönlich fühlen uns hier sicherer als in Österreich. Das ist eine Aussage, die wir bewusst als unsere subjektive Erfahrung formulieren und nicht als objektiven Sicherheitsvergleich zwischen zwei Ländern. Sabine hat sich zum Beispiel in Österreich nachts als Frau manchmal unwohl oder unsicher gefühlt – auf dem Weg zum Auto, in bestimmten Gegenden, zu bestimmten Uhrzeiten. Diese Art von diffusem Unbehagen erleben wir hier in unserem Alltag in La Paz so nicht. Das ist unsere persönliche Wahrnehmung, geprägt von unserer konkreten Umgebung, unserem Umfeld und unserem Lebensstil – keine Statistik, und schon gar keine Aussage darüber, wie sicher sich jede Frau überall in Mexiko fühlen würde.

Unser Fazit

Mexiko ist weder das gefährliche Land, als das es in manchen Medien dargestellt wird, noch ein völlig risikofreies Paradies. Die Sicherheitslage ist regional sehr unterschiedlich – und wie die aktuellen Zahlen zeigen, verändert sie sich auch innerhalb eines Bundesstaats von Jahr zu Jahr. Wer nach Mexiko auswandern möchte, sollte sich deshalb konkret über seine Zielregion informieren, aktuelle Zahlen und offizielle Sicherheitshinweise im Blick behalten und das riesige Land nicht über einen Kamm scheren.

Für uns persönlich war Sicherheit jedenfalls kein Grund, unseren Traum von einem Leben auf der Baja California Sur aufzugeben. Im Gegenteil: Heute fühlen wir uns hier zuhause – und in unserem ganz persönlichen Alltag auch sicher.

Warum wir uns überhaupt für ausgerechnet die Baja California Sur entschieden haben und wie sich unser Leben hier eigentlich anfühlt, erzählen wir in zwei weiteren Beiträgen. Wer wissen möchte, wie andere Auswanderer die Region einschätzen, findet in Auswanderer – Fluch oder Segen für die Baja California? weitere Perspektiven, und wer sich konkret mit den ersten bürokratischen Schritten beschäftigt, dem hilft unser Beitrag zu Visum, CURP und RFC weiter. Auf unserem YouTube-Kanal zeigen wir außerdem ganz unaufgeregt, wie unser Alltag hier tatsächlich aussieht.

Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf unseren persönlichen Erfahrungen und eigenen Recherchen. Wir sind keine Sicherheitsexperten, Juristen oder Steuerberater. Kriminalitätsdaten und Sicherheitseinschätzungen können sich ändern, und die Lage kann sich von Region zu Region und von Jahr zu Jahr deutlich unterscheiden. Wer über eine Auswanderung nachdenkt, sollte wichtige Entscheidungen zusätzlich anhand offizieller Quellen wie SESNSP, INEGI oder dem Auswärtigen Amt sowie gegebenenfalls mit Fachleuten vor Ort prüfen.

Leave a Comment