Ohne Auto kommt man in der Baja California Sur kaum vernünftig zurecht. Schwieriger wird die Frage: welches Auto, und worauf wir beim Kauf wirklich achten mussten. Dabei sind wir auf einen Begriff gestoßen, der uns anfangs völlig neu war – das „Auto Chocolate“. Was dahintersteckt, welche Risiken es beim Autokauf hier gibt und wie wir vorgegangen sind, teilen wir in diesem Beitrag.
Was ist ein „Auto Chocolate“?
Als „Autos Chocolate“ bezeichnet man in Mexiko gebrauchte Fahrzeuge aus den USA oder Kanada, die ohne reguläre Einfuhr ins Land gekommen sind: keine bezahlte Einfuhrsteuer, keine mexikanische Factura, keine Registrierung im nationalen Fahrzeugregister REPUVE. Auf den ersten Blick sehen sie aus wie jedes andere Auto – und genau das macht sie für Käufer so tückisch, die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt haben.
Warum das für uns kein Detail am Rande war
Auf der Baja California Sur sieht man auffallend viele US-Kennzeichen und US-Modelle – die allermeisten davon völlig legal, mit gültigem Einfuhrpermit oder korrekt verzollt. Aber eben nicht alle. Ohne saubere Papiere drohen im schlimmsten Fall die Beschlagnahmung des Fahrzeugs durch die Behörden, Bußgelder, Probleme mit der Kfz-Versicherung und, im Streit- oder Unfallfall, ein Auto, das man weder ordentlich versichern noch legal weiterverkaufen kann. Genau deshalb war uns wichtig, das Thema vor dem Kauf zu verstehen – und nicht erst danach.
Fehlende Unterlagen – worauf wir bestanden haben
Bevor wir uns auf ein Fahrzeug eingelassen haben, wollten wir folgende Punkte schwarz auf weiß sehen:
- Factura original oder eine rechtsgültige carta factura auf den Namen des Verkäufers
- Fahrgestellnummer (VIN/NIV), die exakt mit den Papieren übereinstimmt
- Korrekt unterschriebener endoso, also die formale Übertragung des Eigentums
- Gültiger comprobante de domicilio und amtlicher Ausweis des Verkäufers
- Bei importierten Fahrzeugen: Nachweis der regulären Einfuhr bzw. Verzollung
Gestohlene Autos – der Check, der uns beruhigt hat
Bevor wir uns auf ein Fahrzeug festgelegt haben, haben wir die Fahrgestellnummer beim REPUVE, dem öffentlichen mexikanischen Fahrzeugregister, geprüft – online, mit Ergebnis innerhalb weniger Minuten, ob ein Fahrzeug als gestohlen gemeldet ist oder ein offener Kreditvertrag darauf liegt. Der Check kostet nichts außer etwas Zeit und schützt vor bösen Überraschungen. Unser Rat: Diesen Schritt macht man immer, egal wie vertrauenswürdig der Verkäufer wirkt.
Und wenn man selbst ein Auto aus den USA importieren will?
Wer als Ausländer mit Touristen- oder Temporary-Resident-Status ein eigenes Fahrzeug mitbringen will, kann das über das Banjército-Einfuhrpermit (Permiso de Importación Temporal de Vehículos) tun – mit Reisepass, dem Dokument des Migrationsamts und einem Eigentumsnachweis wie dem Fahrzeugtitel. Die Genehmigung gilt in der Regel so lange wie der jeweilige Aufenthaltsstatus. Wichtig: Ein so importiertes Auto darf man in Mexiko weder verkaufen noch verschenken, und für gewerbliche Zwecke ist es ebenfalls tabu. Genau aus dieser Regel entstehen viele der Chocolate-Autos – wenn Fahrzeuge nach Ablauf der Fristeinfach im Land bleiben, ohne dass sie regulär verzollt werden.
Marke und Zustand: Worauf wir sonst noch geachtet haben
Neben den Papieren war für uns noch etwas anderes entscheidend: die Automarke selbst. Auf der Baja California Sur sind längst nicht alle Marken vertreten – Werkstätten und Händler konzentrieren sich vor allem auf die gängigen Marken wie Nissan, Chevrolet, Ford oder Toyota. Wer sich für eine seltenere Marke entscheidet, für den kann jedes noch so kleine Ersatzteil zur echten Geduldsprobe werden: Teile sind oft nirgends vor Ort erhältlich und müssen aus den USA oder aus Mexiko-Stadt bestellt werden, was schnell mehrere Wochen dauern kann – während das Auto in der Zwischenzeit steht.
Genauso wichtig: den Zustand des Autos von einem Mechaniker unseres Vertrauens prüfen lassen, bevor wir uns entschieden haben. Die Straßen auf der Baja sind streckenweise in schlechtem Zustand, viele davon unbefestigt oder voller Schlaglöcher – das setzt selbst jüngeren Autos ordentlich zu. Fahrwerk, Stoßdämpfer und Unterboden sind hier deutlich stärker beansprucht als anderswo, und von außen sieht man das einem Auto längst nicht immer an. Ohne den Check durch jemanden, der sich auskennt, hätten wir das bei keinem der Fahrzeuge, die wir uns angesehen haben, verlässlich beurteilen können.
Unser Fazit
Ein günstiges Chocolate-Auto ist verlockend, keine Frage – aber für uns war klar, dass wir das Risiko nicht eingehen wollen. Wir haben uns bewusst für ein Fahrzeug mit sauberer, lückenloser Factura und Importpieren entschieden, auch wenn es etwas mehr gekostet hat. Der REPUVE-Check und ein genauer Blick auf die Unterlagen haben uns dabei nur wenig Zeit, dafür aber deutlich mehr Sicherheit gekostet. Unsere Empfehlung an alle, die hier ein Auto kaufen wollen: Lasst euch von einem günstigen Preis nicht blenden, und prüft die Papiere, bevor ihr euch entscheidet – nicht danach. Und egal wie gut die Papiere aussehen: Achtet auf eine Marke, für die es hier auch wirklich Ersatzteile gibt, und lasst das Auto vorher von einem Mechaniker eures Vertrauens durchchecken.
Habt ihr selbst schon ein Auto in Mexiko gekauft, oder überlegt ihr gerade, eines mitzubringen? Schreibt uns eure Fragen gerne in die Kommentare – wir beantworten sie so gut wir können, aus unserer eigenen Erfahrung. Unseren Alltag hier begleiten wir Schritt für Schritt auf unserem YouTube-Kanal.
Ein wichtiger Hinweis zu unseren Beiträgen
Alles, was wir hier teilen, basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und auf Recherchen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen durchführen.
Wir sind aber keine Anwälte, Steuerberater oder sonstige Fachleute, und wir können nicht garantieren, dass alle Informationen vollständig oder aktuell sind.
Gesetze und Vorschriften können sich ändern, und je nach Region in Mexiko kann sich die Situation unterscheiden.
Unser Rat: Bevor ihr euch auf Informationen aus diesem Blog verlasst, prüft sie bitte selbst nochmal bei den zuständigen Behörden oder Fachleuten vor Ort.
Wir möchten euch mit unseren Erfahrungen unterstützen, aber die Verantwortung für eure eigenen Entscheidungen könnt ihr uns damit nicht abnehmen.