„Ist es wirklich so viel günstiger, in Mexiko zu leben?“ Diese Frage hören wir fast genauso oft wie die Frage, ob es hier sicher ist. Die ehrliche Antwort lautet: Ja. Aber nicht überall, nicht bei allem und schon gar nicht automatisch. Denn Mexiko ist nicht das Land, in dem man aus dem Flugzeug steigt und plötzlich alles nur noch ein Zehntel kostet. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. 😄
Seit wir hier auf der Baja California Sur leben, vergleichen wir natürlich immer wieder unseren Alltag mit dem, was wir aus Österreich gewohnt sind. Und dabei haben wir festgestellt: Man kann hier definitiv günstiger leben – aber es kommt sehr darauf an, wie man lebt.
Wer ausschließlich importierte Produkte kauft, in touristischen Restaurants essen geht und auf seine gewohnten europäischen Marken besteht, wird vom „billigen Mexiko“ vermutlich relativ schnell enttäuscht sein. Wer sich dagegen auf lokale Produkte einlässt, auf Märkten einkauft und bereit ist, manche Dinge einfach anders zu machen, kann im Alltag durchaus einiges sparen.
Und dann gibt es Bereiche, in denen wir den Unterschied wirklich jeden Tag spüren.
Wie viel günstiger ist es wirklich?
Verschiedene Vergleichsportale kommen zu dem Ergebnis, dass die Lebenshaltungskosten in Mexiko deutlich unter dem Niveau von Deutschland oder Österreich liegen. Solche Zahlen können natürlich eine grobe Orientierung sein. Unser Alltag hier hat uns aber schnell gezeigt: Man kann das Leben nicht einfach in eine einzige Prozentzahl pressen.
Lokale Produkte und Dienstleistungen sind häufig deutlich günstiger. Bei importierten Waren sieht die Sache schon wieder anders aus.
Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch und viele Grundnahrungsmittel bekommt man hier zu Preisen, bei denen man sich durchaus freut. Wer dagegen unbedingt den Käse aus der Heimat, die Lieblingsmarke aus Europa oder irgendein ganz bestimmtes Spezialprodukt haben möchte, sollte vorher besser einen Blick auf den Preis werfen. Denn Importware hat nun mal überall ihren Preis.
Und dann gibt es noch meine ganz persönlichen Herausforderungen. Ich bin eine backfanatische Frau. 😄 Und da wird es auf der Baja manchmal kompliziert.
Mehl gibt es natürlich – allerdings beschränkt sich die Auswahl hier auf Weizen- und Maismehl. Wer wie ich gerne mit verschiedenen Mehlsorten experimentiert und aus Österreich eine größere Auswahl gewohnt ist, muss sich deshalb ein bisschen umstellen.
Und echte Vanille? Die ist hier ebenfalls nicht zu finden. Was dabei besonders witzig ist: Vanille stammt ursprünglich aus Mexiko – aber ausgerechnet hier ist sie gar nicht zu bekommen. 😄
Zum Glück gibt es hier aber etwas, das wir schon in Ägypten kennen und lieben gelernt haben: Hibiskustee, der hier „Jamaica“ genannt wird. ❤️ Herrlich erfrischend, gerade bei der Hitze eine wunderbare Abwechslung und perfekt, um ausreichend zu trinken – und dazu noch unglaublich günstig.
Gutes Sauerteigbrot vermissen hier viele. Das werden wir in Zukunft daher selbst backen (wir haben im Container schon extra dafür vorgesorgt und alles Nötige dabei). Für das Mehl haben wir inzwischen bereits eine Lösung gefunden, und auch bei der echten Vanille werden wir sicher noch fündig.
Dafür gibt es Dinge, bei denen wir wirklich positiv überrascht sind. Gerade bei Toilettenartikeln und Drogerieprodukten ist die Auswahl riesig. Viele Marken, die wir aus Europa kennen, bekommt man hier problemlos – und teilweise sogar deutlich günstiger.
Shampoo, Duschgel, Cremes, Zahnpasta und vieles mehr gibt es in einer Auswahl, bei der man sich manchmal fragt, warum man eigentlich überhaupt so viel Auswahl braucht. Im krassen Gegensatz dazu: In Mexiko bekommt man kaum Sonnencreme zu kaufen – was total schräg ist, wenn man bedenkt, dass hier eigentlich immer die Sonne scheint.
Auch bei Medikamenten ist vieles unkomplizierter, als wir es aus Österreich gewohnt sind. Viele gängige Medikamente bekommt man direkt in der Farmacia, die sich teilweise sogar innerhalb der Supermärkte befindet. Zahlreiche frei verkäufliche Präparate sind ohne Rezept erhältlich.
Natürlich gilt auch hier: Nicht jedes Medikament ist automatisch rezeptfrei erhältlich. Bei verschreibungspflichtigen oder speziellen Medikamenten sollte man sich immer entsprechend informieren.
Einkaufen – was es gibt
Was uns wirklich positiv überrascht hat, ist die Auswahl in La Paz. Wir bekommen hier wesentlich mehr, als wir bei unserem ersten Besuch erwartet hätten.
Es gibt riesige Supermärkte und Geschäfte mit mexikanischen Produkten, aber auch eine erstaunlich große Auswahl an internationalen Waren. Wer also Angst hat, dass man hier plötzlich nur noch Bohnen und Tortillas essen kann, den können wir beruhigen. 😄 Man bekommt sehr vieles.
Allerdings gilt auch hier eine wichtige Regel: Was heute im Regal steht, muss morgen nicht unbedingt noch da sein. Das Angebot an importierten Produkten kann manchmal etwas unberechenbar sein.
Man findet etwas, freut sich riesig darüber und denkt sich: „Ach, das kaufe ich beim nächsten Mal.“ Tja. Beim nächsten Mal ist es weg. Und kommt vielleicht irgendwann wieder. Oder auch nicht.
Man lernt deshalb relativ schnell, dass man bei manchen Dingen besser sofort zugreift, wenn sie gerade da sind.
Was schwer zu finden ist – und wie wir es lösen
Natürlich gibt es Dinge, die man hier nicht so einfach bekommt. Manche Produkte sind nur sporadisch erhältlich, andere gibt es überhaupt nicht oder nur zu deutlich höheren Preisen als in Europa.
Die Devise lautet deshalb: Augen offen halten und zugreifen, wenn es gerade da ist.
Und wenn uns etwas wirklich mal fehlt?
Dann finden wir eine Lösung.
Wie zum Beispiel bei Topfen, der hier gänzlich unbekannt ist. Er lässt sich jedoch wunderbar durch griechisches Joghurt ersetzen – man muss nur flexibel sein und gerne Dinge ausprobieren.
Denn genau das gehört für uns zum Auswandern dazu: Man muss nicht alles genauso machen wie früher. Manchmal muss man umdenken.
Manchmal improvisieren.
Und manchmal entdeckt man dabei sogar etwas Neues, das man vorher gar nicht auf dem Einkaufszettel hatte.
Dienstleistungen – hier wird es richtig interessant
Ein Bereich, bei dem wir den Preisunterschied besonders deutlich merken, sind Dienstleistungen. Und hier wird es wirklich interessant.
Eine Autowäsche? Für umgerechnet ca. 9 Euro bekommt man nach etwa 2 Stunden ein runderneuertes Auto zurück – einfach irre, was die Jungs da leisten. Man traut sich kaum einzusteigen, so glänzt und duftet alles.
Friseur? Für umgerechnet 5 Euro ist „Mann“ dabei.
Ärztliche Leistungen? Wir sprechen hier von privaten Ärzten, das muss ich dazusagen.
Aber auch hier halten sich die Preise in einer sehr moderaten Höhe, und der Service ist um ein Vielfaches höher als in Europa – wobei die Qualität, soweit wir es bisher beurteilen können, um nichts nachsteht.
Auch andere Dienstleistungen können im Vergleich zu Österreich deutlich weniger kosten. Das ist ein Bereich, in dem wir den Unterschied tatsächlich regelmäßig spüren. Man kann sich Dinge leisten, die man sich in Österreich vielleicht nicht gegönnt hätte.
Bei den Mieten ist das Bild etwas gemischter.
Grundsätzlich kann man in Mexiko natürlich deutlich günstiger wohnen als in vielen europäischen Großstädten. Allerdings gehört La Paz mittlerweile bereits zu den eher teureren Orten in Mexiko. Die Stadt ist bei Auswanderern und internationalen Besuchern beliebt – und das merkt man inzwischen auch an den Miet- und Immobilienpreisen.
Wenn man jedoch nicht unbedingt in den „Gated Areas“ mit Security und Gemeinschaftsanlage leben will, sondern – so wie wir – in einer ganz normalen Straße, mitten unter den Mexikanern, dann bekommt man auch sehr günstige Immobilien zur Miete.
Unser Fazit
Ist Mexiko günstiger als Österreich? Für uns: eindeutig ja.
Für uns war dieser Punkt aber nie das Wichtigste. Wir entdecken gerne Lokales und probieren alles aus. Wir haben gelernt, anders einzukaufen, anders zu planen und uns von manchen Gewohnheiten zu verabschieden.
Dafür genießen wir frisches Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch aus der Region, günstige Dienstleistungen, herrlich erfrischenden Jamaica-Tee und entdecken jeden Tag neue Dinge.
Und wenn uns etwas wirklich fehlt? Dann suchen wir eben eine Lösung.
Denn am Ende ist es für uns weniger die Frage: „Wie viel Prozent günstiger ist Mexiko?“ Sondern vielmehr: „Wie möchte ich hier leben?“ Denn genau davon hängt letztendlich ab, wie viel man tatsächlich zum Leben braucht.
Und eines sollte man bei all diesen Vergleichen ohnehin nie vergessen: Unsere Erfahrungen beziehen sich auf unser Leben hier auf der Baja California Sur, insbesondere auf die Gegend rund um La Paz. In anderen Regionen Mexikos können die Preise und Lebenshaltungskosten ganz anders aussehen.
Ein wichtiger Hinweis zu unseren Beiträgen
Alles, was wir hier teilen, basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und auf Recherchen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen durchführen.
Wir sind aber keine Anwälte, Steuerberater oder sonstige Fachleute, und wir können nicht garantieren, dass alle Informationen vollständig oder aktuell sind.
Gesetze und Vorschriften können sich ändern, und je nach Region in Mexiko kann sich die Situation unterscheiden.
Unser Rat: Bevor ihr euch auf Informationen aus diesem Blog verlasst, prüft sie bitte selbst nochmal bei den zuständigen Behörden oder Fachleuten vor Ort.
Wir möchten euch mit unseren Erfahrungen unterstützen, aber die Verantwortung für eure eigenen Entscheidungen könnt ihr uns damit nicht abnehmen. 😊