Den Kauf unseres Grundstücks haben wir ja bereits in Fideicomiso oder Firma? erzählt.
Jetzt beginnt der nächste Abschnitt unserer Geschichte: der Hausbau in der Wildnis auf unseren 35 Hektar bei Todos Santos. Hier der erste Teil davon.
Die ersten Baustellen: Wie man in Mexiko ein Haus baut, ohne den Verstand zu verlieren 😄
Ein Haus zu bauen ist ja generell eine spannende Sache.
Man sucht sich ein Grundstück, spricht mit einem Architekten, zeichnet ein paar Pläne, entscheidet sich für Fliesen und irgendwann steht da – hoffentlich – ein Haus.
So ungefähr hat das ja in Österreich auch immer funktioniert.
Doch dann kam Mexiko.
Und plötzlich wurde aus „Wir bauen ein Haus“ ein ziemlich umfangreiches Abenteuer mit unzähligen Fragen, von denen wir vorher nicht einmal wussten, dass es sie überhaupt gibt.
Denn ein Haus in einem fremden Land zu bauen, ist schon eine Herausforderung.
Ein Haus mitten in der Wildnis zu bauen, wo die nächste befestigte Straße ungefähr zehn Kilometer Sandpiste entfernt ist, macht die Sache dann noch einmal ein kleines bisschen interessanter.
Die erste Herausforderung: Wir müssen uns verständlich machen
Bevor überhaupt ein vernünftiger Plan entstehen konnte, mussten wir unserer Architektin erst einmal erklären, wie wir eigentlich wohnen wollen.
Und da merkt man ziemlich schnell: Haus ist nicht gleich Haus.
Jede Nation hat ihre eigenen Vorstellungen davon, was ein „perfektes Zuhause“ ausmacht.
In Mexiko gehören beispielsweise drei oder vier Schlafzimmer offenbar fast zur Grundausstattung. Wir: Brauchen wir nicht.
Die Amerikaner lieben riesige Master Bedrooms mit einem Badezimmer en suite, das teilweise größer ist als manche europäische Wohnung. Wir: Brauchen wir auch nicht.
Dafür sind die Küchen hier häufig eher überschaubar und Vorratsräume sucht man teilweise vergeblich. Wir: Brauchen wir unbedingt!
Eine große Küche ist uns wichtig. Und Stauraum sowieso. Wir wollen schließlich nicht irgendwann unsere Konserven im Schlafzimmer stapeln müssen. 😄
Also wurde Raum für Raum durchgekaut. Was brauchen wir? Was ist uns wichtig? Was können wir weglassen? Was ist für uns völlig unnötig? Und was ist für unsere Architektin vielleicht völlig unverständlich, weil es in Mexiko einfach niemand so macht?
Wir mussten uns gegenseitig langsam an unsere unterschiedlichen Vorstellungen herantasten. Bis wir irgendwann das Gefühl hatten: Okay, jetzt haben wir uns verstanden. Zumindest ungefähr.
Denn beim Hausbau lernt man schnell: Ein Satz wie „Wir hätten gerne einen großen Vorratsraum“ kann offenbar deutlich mehr Gesprächsbedarf auslösen, als man zunächst vermuten würde. 😄
Und dann kam das Grundstück …
Unser Grundstück ist 35 Hektar groß und liegt mitten in der Wildnis. Das klingt romantisch. Ist es auch.
Aber bevor man dort romantisch auf seiner zukünftigen Terrasse sitzen kann, muss erst einmal geklärt werden, wie man überhaupt dorthin kommt.
Die erste Frage lautete also: Wo kommt die Straße hin? Klingt einfach. Ist es aber nicht.
Denn dann gibt es unter anderem noch 3 Arroyos. Für alle, die nicht wissen, was das ist: Arroyos sind natürliche Wasserläufe, die während der Trockenzeit oft harmlos aussehen und sich in der Regenzeit durchaus in beeindruckende Flüsse verwandeln können.
Das bedeutet: Das Haus muss einen bestimmten Abstand zu den Arroyos einhalten. Die Straße darf natürlich nicht einfach durch einen Wasserlauf führen. Und das Haus sollte außerdem hoch genug liegen, damit das Wasser während der Regenzeit nicht irgendwann beschließt, sich ebenfalls einen gemütlichen Platz in unserem Wohnzimmer zu suchen. Was wir persönlich eher nicht so gut fänden.
Also mussten topografische Gutachten erstellt, Höhenprofile angefertigt und Bodenproben genommen werden. Plötzlich war unser Hausbau nicht mehr nur ein Architekturprojekt. Es wurde ein bisschen Geografie. Ein bisschen Hydrologie. Ein bisschen Ingenieurswesen. Und für uns vor allem: eine Menge neuer Begriffe, die wir vorher noch nie gehört hatten. 😄
Dann wären da noch die Elefantenbäume …
Als wäre die Sache mit den Arroyos nicht schon kompliziert genug, stehen auf unserem Grundstück natürlich jede Menge Bäume. Und die sollen auch dort bleiben. Vor allem die wunderschönen Elefantenbäume – vor allem als Torote (Bursera microphylla) oder als der endemische Pachycormus discolor bekannt – dürfen nicht einfach gefällt werden. Diese faszinierenden Wüstenpflanzen zeichnen sich durch dicke, wasserspeichernde Stämme und eine sich ablösende Rinde aus. Was wir natürlich auch gar nicht wollen.
Allerdings bedeutet das eben auch, dass unsere zukünftige Straße nicht einfach schnurgerade von A nach B führen kann. Sie muss sich ihren Weg durch die Natur suchen. Mal links um einen Baum herum. Dann wieder rechts. Und vielleicht noch eine kleine Kurve, weil da eben auch wieder ein Baum steht.
Unsere Straße wird also vermutlich irgendwann ein bisschen aussehen wie eine schlecht gelaunte Schlange. Aber dafür bleiben die Bäume stehen. Und ganz ehrlich: Wenn wir schon mitten in der Wildnis bauen, dann soll die Wildnis auch möglichst genau das bleiben, was sie ist.
Langsam nimmt unser Zuhause Gestalt an
Zum Glück haben wir unseren Bauleiter. Und der hat uns bisher ziemlich souverän durch dieses Labyrinth aus Gutachten, Vorschriften, Arroyos, Höhenprofilen und Elefantenbäumen manövriert.
Und tatsächlich: Wir haben mittlerweile einen Platz gefunden, an dem unser Haus stehen soll. Eine Straße dorthin ist gerodet. Eine Fläche wurde bereits vorbereitet. Und irgendwann wird dort tatsächlich unser Haus stehen.
Noch ist es schwer vorstellbar. Heute sieht man vor allem: Natur. Staub. Bäume. Steine. Und sehr viel Wildnis.
Aber wenn man weiß, wo man hinschauen muss, kann man sich langsam vorstellen, wie es einmal werden soll. Und genau das ist ein unglaubliches Gefühl. Denn wir bauen nicht einfach irgendwo ein Haus. Wir erschaffen unser Zuhause an einem Ort, an dem vorher nichts war.
Überraschung: Wir sind komplett off-grid
Was man bei der Planung vielleicht nicht sofort bedenkt: Wir sind komplett off-grid. Das bedeutet: Wir haben keinen Stromanschluss. Und wir haben keine öffentliche Wasserversorgung. Wir müssen uns also um beides selbst kümmern.
Und hier gibt es tatsächlich keine Kompromisse. Bei den Fliesen kann man zur Not noch sagen: „Na gut, dann nehmen wir eben die anderen.“ Bei Strom und Wasser funktioniert das nicht ganz so einfach. Ohne Strom wird es schnell ungemütlich. Ohne Wasser wird es sehr schnell sehr ungemütlich.
Also müssen unsere Anlagen entsprechend groß dimensioniert, zuverlässig und gut abgesichert sein. Und wenn ich von „Einbruchschutz“ spreche, meine ich hier tatsächlich nicht in erster Linie Menschen. Unsere potenziellen Einbrecher haben vier Beine. Und manchmal Hörner. Kühe und Esel primär.
Dazu kommen natürlich jede Menge Wildtiere, die vermutlich nicht verstehen werden, warum man an bestimmten Dingen bitte nicht herumknabbern oder sie umwerfen soll. Unsere zukünftige Strom- und Wasserversorgung muss also nicht nur technisch funktionieren. Sie muss offenbar auch eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen neugierige mexikanische Vierbeiner besitzen. 😄
Und dann kommt die Rechnung …
Natürlich hat das alles seinen Preis. Viele Teile und Komponenten müssen vom mexikanischen Festland auf die Baja gebracht werden. Und damit ist die Reise noch lange nicht vorbei.
Denn unser Grundstück liegt nicht direkt an einer schönen, frisch asphaltierten Straße. Die letzten rund zehn Kilometer führen über eine absolute Sandpiste. Mit Gräben. Mit Hügeln. Mit tiefem Sand. Und mit allem, was man sich unter einer ordentlichen Offroad-Strecke so vorstellen kann.
Das bedeutet: Der große Truck fährt nicht einfach bis vor unsere vorbereitete Fläche. Die Lieferung muss teilweise zwischengelagert werden. Dann wird umgeladen. Und anschließend geht es mit kleineren, geländetauglicheren Fahrzeugen weiter. Einmal anfassen. Zweimal anfassen. Umladen. Transportieren. Noch einmal umladen. Und irgendwann landet das gute Stück hoffentlich dort, wo es hingehört.
Jeder dieser Schritte kostet natürlich Zeit. Und Geld. Und manchmal vermutlich auch ein paar weitere graue Haare.
Unser ganz persönliches Bauabenteuer beim Hausbau in der Wildnis
Wir bauen also kein Haus in einer fertigen Wohnsiedlung. Wir kaufen kein Grundstück, auf dem bereits alle Anschlüsse liegen. Wir fahren nicht einfach mit dem Auto bis zur Haustür und bestellen den Stromanschluss.
Wir bauen unser Zuhause mitten in der Wildnis. Dort, wo erst einmal geklärt werden muss, wo die Straße überhaupt hin darf. Wo das Wasser während der Regenzeit seinen eigenen Weg nimmt. Wo Elefantenbäume bestimmen, wie viele Kurven unsere Zufahrt bekommt. Wo Strom und Wasser komplett in unserer eigenen Verantwortung liegen. Und wo eine Lieferung von zehn Kilometern Sandpiste plötzlich zu einem logistischen Großprojekt werden kann.
Es ist kompliziert. Es ist manchmal anstrengend. Es kostet Nerven. Und vermutlich wird es uns noch das eine oder andere Mal an den Rand des Wahnsinns bringen.
Aber gleichzeitig ist es genau das Abenteuer, das wir gesucht haben. Denn irgendwann werden wir dort stehen. Auf unserer Terrasse. Vor uns der Pazifik. Hinter uns die Berge. Um uns herum 35 Hektar Wildnis.
Vielleicht hören wir irgendwo einen Kojoten. Vielleicht läuft ein Fuchs vorbei. Vielleicht steht eine Kuh mitten auf unserer Straße und schaut uns an, als würde ihr das Grundstück gehören.
Und dann werden wir hoffentlich denken: Ja. Genau hier wollten wir hin.
Und vielleicht werden wir uns dann daran erinnern, wie alles angefangen hat. Mit einer Architektin, die erst einmal verstehen musste, warum wir keine vier Schlafzimmer brauchen. Mit einer Küche, die bitte groß genug sein muss. Mit einem Vorratsraum, der für uns wichtiger ist als ein riesiges Badezimmer. Mit Arroyos, Höhenprofilen und Bodenproben. Mit einer Straße, die sich um Elefantenbäume schlängelt. Mit Strom und Wasser, die wir selbst organisieren müssen. Und mit einer Sandpiste, die wahrscheinlich noch sehr oft dafür sorgen wird, dass wir uns fragen: „Warum genau wollten wir eigentlich unbedingt hier bauen?“ 😄
Die Antwort kennen wir allerdings schon. Weil wir irgendwann aufwachen und wissen wollen: Wir sind zu Hause. Mitten in der Wildnis. Genau dort, wo unser Abenteuer begonnen hat. Wie sich das Leben hier schon jetzt anfühlt, haben wir übrigens in diesem Beitrag beschrieben.
Fortsetzung folgt …
Ein wichtiger Hinweis zu unseren Beiträgen: Alles, was wir hier teilen, basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und auf Recherchen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen durchführen. Wir sind aber keine Anwälte, Architekten, Steuerberater oder sonstige Fachleute, und wir können nicht garantieren, dass alle Informationen vollständig oder aktuell sind. Gesetze und Vorschriften können sich ändern, und je nach Region in Mexiko kann sich die Situation unterscheiden. Unser Rat: Bevor ihr euch auf Informationen aus diesem Blog verlasst, prüft sie bitte selbst nochmal bei den zuständigen Behörden oder Fachleuten vor Ort. Wir möchten euch mit unseren Erfahrungen unterstützen, aber die Verantwortung für eure eigenen Entscheidungen könnt ihr uns damit nicht abnehmen.