Manchmal gibt es Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt.
Sklerallinsen zum Beispiel.
Und genau mit diesen speziellen Kontaktlinsen hat sich Romed in den letzten Wochen ziemlich intensiv beschäftigt.
Aber fangen wir von vorne an.
Wenn die Hornhaut plötzlich Probleme macht
Romed hat Keratokonus. Dabei verformt sich die Hornhaut des Auges und wird zunehmend unregelmäßig. Um trotzdem möglichst scharf sehen zu können, hat Romed bisher harte Kontaktlinsen getragen.
In Europa hat das für ihn auch gut funktioniert.
Seit wir allerdings auf der Baja California Sur leben, wurde das Ganze zunehmend schwieriger. Die extreme Hitze, die trockene Luft, der Wind und der Staub hier sind für die Augen ohnehin eine Herausforderung. In Kombination mit seinen harten Kontaktlinsen kam es bei Romed deshalb immer wieder zu Problemen und Verletzungen der Hornhaut.
Irgendwann war klar:
So kann es nicht weitergehen.
Romed war deshalb mehrmals bei einem Augenarzt in La Paz. Und an dieser Stelle müssen wir wirklich einmal ein großes Lob aussprechen.
Unser Augenarzt vor Ort war einfach mega.
Er hat erkannt, dass eine einfache Untersuchung oder eine neue Standardlinse nicht ausreichen würde, und stellte den Kontakt zu einer spezialisierten Augenklinik in Monterrey her. Dort organisierte er für Romed auch gleich alles Weitere.
Gerade wenn man neu in einem Land ist und plötzlich mit einem medizinischen Problem konfrontiert wird, ist es unglaublich beruhigend, einen Arzt zu haben, der sich wirklich darum kümmert, den richtigen Spezialisten zu finden.
Und so hieß es für Romed schließlich:
Ab ins Flugzeug und auf nach Monterrey.
Von der Pampa in die Millionenstadt
Für Romed war die Reise nach Monterrey allerdings nicht nur medizinisch eine Erfahrung, sondern auch ein kleiner Kulturschock.
Denn wir leben hier auf der Baja absolut entspannt irgendwo zwischen Wüste, Meer und Pampa.
Und plötzlich:
Mitten hinein in eine Millionenstadt.
Verkehr, Menschenmassen, Hochhäuser, Lärm – irgendwie alles gleichzeitig.
Romed hatte außerdem angenommen, dass er sich in einer so großen Stadt mit Englisch schon irgendwie durchschlagen würde.
Tja.
Denkste. 😄
Denn erstaunlicherweise sprechen dort die Menschen kaum oder gar kein Englisch. Und ja – auch die Ärzte in der Klinik nicht.
Das hat uns wieder einmal sehr deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, sich zumindest einigermaßen in der Landessprache verständigen zu können. Gerade wenn es um medizinische Dinge geht, möchte man schließlich nicht versuchen, mit Händen und Füßen zu erklären, wo genau es weh tut oder was mit den eigenen Augen passiert.
Zum Glück hat Romed inzwischen genug Spanisch gelernt, um sich verständlich zu machen und die wichtigsten Dinge zu verstehen.
Perfekt muss es dafür gar nicht sein.
Aber ein bisschen Spanisch kann in solchen Situationen plötzlich einen riesigen Unterschied machen.
Und genau solche Erlebnisse zeigen uns immer wieder, dass Sprache beim Auswandern eben nicht nur bedeutet, im Restaurant ein Essen bestellen oder beim Bäcker ein paar Worte wechseln zu können.
Wenn man wirklich in einem Land lebt, wird Sprache irgendwann Teil des täglichen Lebens.
Und spätestens wenn man alleine in einer Millionenstadt in einer Augenklinik sitzt, merkt man:
Ein bisschen Spanisch ist verdammt viel wert.
Von La Paz nach Monterrey
In Monterrey wurde Romed in einer spezialisierten Augenklinik umfassend untersucht. Seine Augen und seine Hornhaut wurden genau vermessen und analysiert.
Romed war von der Klinik wirklich beeindruckt. Vor allem davon, wie viel Zeit sich die Ärzte und das gesamte Team für ihn genommen haben.
Keine schnelle Untersuchung im Vorbeigehen.
Stattdessen wurde alles ausführlich untersucht und analysiert.
Auch die technische Ausstattung hat Romed beeindruckt. Modernste Geräte, hochprofessionelle Untersuchungen und ein medizinisches Niveau, das sich absolut nicht vor europäischen Kliniken verstecken muss.
Und dann kam noch eine weitere Überraschung:
Die Kosten.
Obwohl die Klinik technisch auf einem sehr hohen Niveau ausgestattet ist und sich die Ärzte viel Zeit für ihre Patienten nehmen, sind die Kosten für ärztliche Honorare und Untersuchungen im Vergleich zu Europa erstaunlich günstig.
Zum Glück haben wir eine Krankenversicherung, die zumindest einen Großteil, wenn nicht sogar alles, der medizinischen Kosten übernehmen wird. Nicht übernommen werden allerdings die Kosten für Flug und Hotel.
Aber auch das hält sich hier zum Glück in Grenzen. Flüge innerhalb Mexikos sind sehr günstig und auch eine Hotelübernachtung in Monterrey ist für uns deutlich erschwinglicher, als wir es aus Europa gewohnt sind.
Die Lösung: Sklerallinsen
Das Ergebnis der Untersuchungen war schließlich:
Romed bekommt jetzt Sklerallinsen.
Diese funktionieren anders als seine bisherigen harten Kontaktlinsen. Die großen, formstabilen Linsen liegen nicht direkt auf der empfindlichen Hornhaut auf, sondern stützen sich auf der Lederhaut, der sogenannten Sklera, ab.
Vor dem Einsetzen werden sie mit steriler Kochsalzlösung gefüllt. Zwischen Hornhaut und Linse entsteht dadurch ein kleines Flüssigkeitsreservoir.
Genau das ist für Romed besonders wichtig.
Die Hornhaut soll während des Tragens besser mit Flüssigkeit versorgt und vor der trockenen Umgebung geschützt werden.
Für die Bedingungen hier auf der Baja könnte das eine enorme Verbesserung sein. Denn wenn die Sonne vom Himmel brennt, die Luft trocken ist und der Wind über die Wüste und durch die Berge zieht, sind die Augen ganz anderen Belastungen ausgesetzt als früher in Europa.
Ein weiterer großer Vorteil:
Romed kann sich damit die ständige Verwendung von Befeuchtungstropfen sparen.
Bisher musste er seine Augen regelmäßig mit Tropfen befeuchten, um mit der trockenen Umgebung und den Belastungen für seine Augen zurechtzukommen.
Durch das Flüssigkeitsreservoir aus Kochsalzlösung zwischen Hornhaut und Linse soll die Hornhaut während des Tragens kontinuierlich feucht gehalten werden.
Für Romed ist das natürlich eine enorme Erleichterung.
Was kostet der Spaß?
Natürlich hat eine solche Spezialanfertigung ihren Preis.
Die neuen Sklerallinsen kosten für Romed ungefähr 3.500 US-Dollar und sind für eine Nutzungsdauer von etwa fünf Jahren ausgelegt.
Wenn man aber bedenkt, dass Romed mit den neuen Linsen voraussichtlich seine bisherigen Befeuchtungstropfen nicht mehr ständig benötigen wird und hoffentlich auch die wiederkehrenden Probleme mit seiner Hornhaut der Vergangenheit angehören, relativiert sich der Preis für uns doch deutlich.
Vor allem aber geht es um Lebensqualität.
Denn was bringt die günstigste Lösung, wenn man ständig Schmerzen hat, schlecht sieht oder sich Sorgen um seine Augen machen muss?
Für uns ist deshalb die Hoffnung, dass Romed mit den neuen Sklerallinsen endlich eine langfristige Lösung gefunden hat, viel wichtiger als der reine Preis.
Jetzt heißt es warten
Die neuen Sklerallinsen werden speziell für Romed angefertigt. Bei Keratokonus ist jedes Auge anders und die Linsen müssen individuell an die Form der Hornhaut angepasst werden.
Das dauert ungefähr vier Wochen.
Dann heißt es für Romed noch einmal:
Koffer packen und zurück nach Monterrey.
Dort werden die neuen Linsen angepasst und kontrolliert.
Und dann hoffen wir wirklich, dass dieses Kapitel endlich abgeschlossen werden kann.
Denn die letzten Monate waren für Romed alles andere als angenehm. Ständig wieder Probleme mit den Augen zu haben, Schmerzen zu spüren und nie genau zu wissen, wann die nächste Verletzung der Hornhaut kommt, ist unglaublich belastend.
Endlich wieder vernünftig sehen
Für jemanden, der selbst keine Probleme mit den Augen hat, ist es wahrscheinlich schwer vorstellbar, wie sehr schlechtes Sehen und schmerzende Augen den Alltag beeinflussen können.
Für Romed gehört das inzwischen leider zum Alltag: gereizte Augen, Probleme mit der Hornhaut und die ständige Frage, was seine Augen gerade noch vertragen.
Deshalb hoffen wir sehr, dass die Sklerallinsen für Romed die Lösung sind, nach der wir gesucht haben.
Dass seine Augen endlich zur Ruhe kommen, die Hornhaut besser geschützt und befeuchtet wird und die Verletzungen aufhören.
Und vor allem:
Dass Romed endlich wieder vernünftig sehen kann.
Und vielleicht denken wir dann auch an unseren Augenarzt in La Paz zurück, der den entscheidenden Kontakt nach Monterrey hergestellt und damit überhaupt erst den Weg für diese neue Lösung geebnet hat.
Denn genau hier zeigt sich für uns einmal mehr, was wir an Mexiko und den Menschen hier so unglaublich schätzen.
Gerade hat sich unser Augenarzt aus La Paz von sich aus per WhatsApp bei Romed gemeldet – einfach um zu fragen, wie es ihm in Monterrey ergangen ist und ob alles gut gelaufen ist.
Nicht, weil er damit zusätzlich Geld verdient.
Einfach so.
Und genau solche Momente sind es, die uns immer wieder berühren.
Hier haben wir immer wieder Menschen getroffen, die sich kümmern, obwohl ihre eigentliche Arbeit längst erledigt ist. Die einen Schritt mehr machen, obwohl sie es nicht müssten.
Vielleicht ist genau das einer der größten Unterschiede, die wir bisher zwischen unserem Leben hier und unseren Erfahrungen in Europa erleben.
Denn manchmal braucht es eben nicht nur gute Technik und Spezialisten.
Manchmal braucht es einfach einen Arzt, der hinschaut, mitdenkt und sich wirklich kümmert.
Und manchmal sind es eben zwei kleine Linsen und ein engagierter Arzt, die einen riesigen Unterschied im Leben machen können.