Auswanderer – Fluch oder Segen für die Baja California?

Kaum ein Thema wird hier so kontrovers diskutiert wie die Frage, welche Auswirkungen der zunehmende Zuzug von Auswanderern und Expats auf die Baja California hat.

Sind wir ein Segen für die Region – oder werden wir irgendwann selbst zum Problem?

Die ehrliche Antwort ist: Wahrscheinlich beides.

Denn Auswanderung bringt Chancen. Aber sie bringt auch Veränderungen, die für die Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, nicht immer positiv sind.

Und vielleicht sollten wir als Auswanderer genau darüber viel öfter sprechen. Seit wir selbst nach Mexiko ausgewandert sind, beschäftigt uns diese Frage jedenfalls immer wieder.

Was Auswanderer der Region bringen

Ausländische Investitionen und der Tourismus schaffen Arbeitsplätze und bringen Geld in die Region. Neue Restaurants, Hotels, Geschäfte und Dienstleistungen entstehen. Viele Menschen finden dadurch Arbeit und bessere Verdienstmöglichkeiten.

Gerade in einer Region wie der Baja, die stark vom Tourismus und internationalen Besuchern lebt, ist das ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Auch wir erleben täglich, wie viele Menschen hier vom Tourismus und von den Auswanderern leben.

Das ist die eine Seite.

Die andere ist, dass nicht alle gleichermaßen von dieser Entwicklung profitieren.

Wenn das eigene Zuhause plötzlich unbezahlbar wird

Das größte Problem ist aus unserer Sicht nicht, dass Ausländer hier leben möchten.

Das Problem beginnt dort, wo Wohnraum für die Menschen, die hier leben und arbeiten, unbezahlbar wird.

In vielen Regionen steigen die Immobilienpreise rasant. Häuser und Grundstücke, die für Einheimische früher erschwinglich waren, werden für Menschen mit ausländischem Einkommen plötzlich zu attraktiven Schnäppchen.

Was für den einen ein günstiges Ferienhaus ist, kann für eine mexikanische Familie bedeuten, dass sie sich das eigene Zuhause nicht mehr leisten kann.

Besonders schwierig wird es, wenn Immobilien hauptsächlich als Zweitwohnsitze oder Ferienunterkünfte gekauft werden und gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum fehlt.

Die Menschen, die in Hotels, Restaurants und im Tourismus arbeiten, können dann teilweise selbst nicht mehr dort wohnen, wo sie arbeiten.

Das ist eine Entwicklung, die man nicht einfach ignorieren kann.

Und dann ist da das Wasser

Die Baja ist eine wunderschöne, aber extrem trockene Region.

Wasser ist hier keine Selbstverständlichkeit.

Umso verständlicher ist es, dass es bei den Locals für Unmut sorgt, wenn gleichzeitig riesige Luxusprojekte entstehen, Pools gebaut werden und teilweise Golfplätze mit enormem Wasserbedarf betrieben werden.

Gerade Golfplätze sind für viele Menschen ein Symbol dieser Entwicklung.

Während die Bevölkerung immer wieder mit Wasserknappheit und Einschränkungen zu kämpfen hat, werden große Flächen künstlich grün gehalten.

Das sorgt verständlicherweise für Diskussionen.

Auch wir haben einen Pool.

Aber für uns war von Anfang an klar, dass er klein sein soll, sich in die Natur einfügt und das Wasser möglichst wiederaufbereitet wird.

Denn wir möchten hier leben, ohne dabei zu vergessen, dass wir in einer Wüstenregion leben. Wie wir bei unserem eigenen Hausbau versuchen, mit Wasser und Energie bewusst umzugehen, beschreiben wir in unserem Beitrag Off-Grid leben – oder: Wie baut man eigentlich mitten im Nirgendwo?

La Ventana und die Angst vor den Megaprojekten

Wie sensibel das Thema inzwischen ist, zeigt auch die aktuelle Diskussion rund um ein geplantes Großprojekt zwischen La Ventana, El Sargento und Punta Arena.

Das bereits früher genehmigte Projekt soll auf tausenden Hektar unter anderem Wohnanlagen, Hotels, eine Marina, Golfplätze und künstliche Seen umfassen.

Anwohner, Fischer, Akademiker und Menschen aus dem lokalen Tourismus befürchten erhebliche Auswirkungen auf die Natur und die ohnehin knappen Ressourcen.

Die Diskussion zeigt sehr deutlich, worum es vielen Locals geht:

Nicht darum, Ausländer grundsätzlich fernzuhalten.

Sondern darum, wie viel Wachstum eine Region verkraften kann.

Und wer am Ende von dieser Entwicklung profitiert.

Wenn Expats sich nicht integrieren

Was uns persönlich besonders beschäftigt, ist aber noch ein anderer Punkt.

Wir erleben immer wieder Auswanderer, die hier leben möchten, ohne sich wirklich auf Mexiko einzulassen.

Sie sprechen nach Jahren kaum Spanisch.

Sie interessieren sich wenig für die mexikanische Kultur.

Sie leben hinter hohen Mauern und Zäunen in ihren Luxusvillen und bewegen sich eigentlich in einer eigenen kleinen Welt.

Natürlich kann jeder sein Leben so gestalten, wie er möchte.

Aber wenn man in ein anderes Land zieht, stellt sich für uns schon die Frage:

Warum bin ich eigentlich hier?

Für uns war immer klar, dass wir nicht nach Mexiko kommen, um Österreich einfach an einen anderen Ort zu verpflanzen.

Wir wollten hier leben.
Mit den Menschen.
Mit der Kultur.
Mit der Sprache.
Mit allem, was dazugehört.

Wir wollen dazugehören und nicht nur irgendwo wohnen. Wie sich das für uns ganz konkret anfühlt, beschreiben wir in Wie sich unser Leben hier eigentlich anfühlt.

Und wir glauben, dass Respekt auch bedeutet, sich ein Stück weit anzupassen und die Kultur des Landes zu verstehen, in dem man lebt.

Das Problem mit dem Geld

Natürlich gibt es auch Auswanderer, die sehr viel Geld mitbringen.

Prominente, Unternehmer und wohlhabende Menschen bauen Villen für Millionenbeträge und leben einen Luxus, der mit dem Alltag vieler Mexikaner wenig zu tun hat.

Das kann natürlich Neid und Unmut auslösen.

Vor allem dann, wenn gleichzeitig Ressourcen knapp sind und Einheimische mit steigenden Lebenshaltungskosten kämpfen.

Wir möchten uns davon ausdrücklich nicht ausnehmen.

Auch wir haben hier ein Grundstück gekauft.
Auch wir bauen.
Auch wir haben einen Pool.

Wir sind also Teil dieser Entwicklung.

Der Unterschied liegt für uns darin, wie wir mit unserem Leben hier umgehen.

Wir wollen nicht nur nehmen

Unser Grundstück liegt mitten in der Natur.

Und genau das soll auch so bleiben.

Wir möchten möglichst wenig verändern und den Lebensraum für die Tiere erhalten.

Romed möchte sogar Wasserstellen schaffen, damit mehr Tiere in die Region kommen können. Wir möchten Bäume pflanzen, die blühen und Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten – und damit wiederum Vögeln und anderen Tieren einen Rückzugsort schaffen.

Wir wollen nicht nur hier leben.

Wir möchten auch etwas zurückgeben.

Denn wir sehen es als großes Privileg, hier leben zu dürfen.

Unser Ziel ist nicht, die Natur zu verdrängen.

Wir möchten ein Teil davon sein.

Fluch oder Segen?

Die Wahrheit ist wahrscheinlich komplizierter als ein einfaches „Fluch oder Segen“.

Auswanderer bringen Geld, Arbeitsplätze und Investitionen.

Aber gleichzeitig treiben sie – gemeinsam mit Spekulation, Tourismus und teilweise unkontrollierter Entwicklung – die Preise für Immobilien und Ressourcen nach oben.

Das Problem sind deshalb nicht einfach „die Ausländer“.

Es geht um die Frage, wie eine Region mit Wachstum umgeht.

Wie viel Tourismus ist sinnvoll?
Wie viel Neubau kann die Infrastruktur verkraften?
Woher kommt das Wasser?

Und vor allem:
Wer kann sich das Leben hier in Zukunft noch leisten?

Wir glauben, dass diese Fragen dringend gestellt werden müssen.

Denn wir lieben die Baja genau so, wie sie ist.
Mit ihrer rauen Natur.
Mit ihren Wüsten.
Mit ihren Tieren.
Mit ihren Menschen.
Und mit ihrer ganz eigenen Kultur.

Wir sind hierhergekommen, weil wir Teil dieses Lebens sein wollten. Warum wir uns von Anfang an ausgerechnet für diese Region entschieden haben, erzählen wir in Warum ausgerechnet die Baja California Sur? Unsere Entscheidung erklärt.

Nicht, um es zu ersetzen.

Und vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen einem Auswanderer, der hier wirklich ein neues Zuhause findet, und jemandem, der einfach nur einen schönen Ort sucht, an dem er seinen bisherigen Lebensstil fortsetzen kann.

Wir dürfen hier leben.

Aber wir sollten nie vergessen, dass wir Gäste in einem Land sind, das für andere Menschen schon immer Heimat war.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Verantwortung, die wir als Auswanderer haben.

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