Warum wir heute weniger besitzen und trotzdem mehr haben

Wir waren nie Minimalisten. Wir haben nur irgendwann verstanden, was uns wirklich reich macht.

Wenn wir heute darüber sprechen, dass wir in Mexiko weniger besitzen als früher, könnte schnell der Eindruck entstehen, wir wären plötzlich zu Minimalisten geworden.

Das wäre allerdings ziemlich weit von der Wahrheit entfernt.

Wir waren nie Menschen, die besonders asketisch gelebt haben oder denen materielle Dinge völlig egal waren.

Wir hatten ein wunderschönes Haus.
Teure Möbel.
Zwei Autos.
Und ich als Frau hatte definitiv mehr Schmuck, als ein Mensch eigentlich vernünftigerweise braucht.

Aber wir waren trotzdem nie die klassischen Designer- oder Statusmenschen.
Uns war es nie wichtig, mit Marken zu zeigen, was wir uns leisten können.

Unser Geld haben wir lieber für etwas anderes ausgegeben.
Für Erlebnisse.
Für Reisen.
Für Abenteuer.
Für Tauchreisen und Orte, an denen man nicht einfach zufällig vorbeikommt.

Wir haben lieber sehr viel Geld dafür ausgegeben, irgendwo am A… der Welt zu landen, als uns Designerklamotten zu kaufen.

Wir wollten die Welt sehen.
Wir wollten etwas erleben.
Wir wollten unter Wasser sein.
Wir wollten fremde Länder kennenlernen.
Wir wollten dort sein, wo man nicht einfach mit dem Auto hinfährt.

Und genau deshalb hat sich unser Blick auf Besitz durch die Auswanderung auch nicht deshalb verändert, weil wir plötzlich erkannt hätten, dass materielle Dinge schlecht sind.

Das waren sie für uns nie.

Es hat sich vielmehr etwas anderes verändert:
Wir haben gemerkt, wie wenig wir tatsächlich brauchen, um glücklich zu sein.

Wir haben vieles zurückgelassen

Als wir Österreich verlassen haben, mussten wir uns zwangsläufig mit der Frage beschäftigen, was wir eigentlich mitnehmen wollen.

Ein ganzes Leben passt schließlich nicht in einen Container.

Plötzlich steht man vor Dingen, die man über Jahre oder Jahrzehnte gesammelt hat, und muss sich entscheiden.

Was nehmen wir mit?
Was verkaufen wir?
Was verschenken wir?
Was bleibt zurück?

Und dabei merkt man irgendwann, wie viele Dinge man besitzt, die einem eigentlich gar nicht fehlen würden.

Nicht, weil sie schlecht sind.
Nicht, weil sie keinen Wert haben.
Sondern einfach, weil man sie nicht braucht.

Wir haben vieles zurückgelassen.
Und trotzdem hatten wir nie das Gefühl, dass wir dadurch ärmer geworden sind.

Im Gegenteil.
Es war erstaunlich befreiend.

Denn wenn man einmal anfängt, sich von Dingen zu trennen, merkt man plötzlich, wie wenig davon wirklich wichtig ist.

Unser Reichtum war schon immer woanders

Wenn wir zurückblicken, waren es eigentlich nie die teuersten Dinge, an die wir uns besonders erinnern.

Es sind die Reisen.
Die Tauchgänge.
Die Begegnungen.

Die Momente, in denen wir irgendwo auf der anderen Seite der Welt standen und dachten:
Unglaublich. Wir sind wirklich hier.

Es sind die Erlebnisse, die geblieben sind.
Die Geschichten, die wir heute noch erzählen.
Die Orte, an denen wir gemeinsam waren.
Die Tiere, die wir unter Wasser gesehen haben.
Die Menschen, die wir getroffen haben.

Und irgendwann haben wir verstanden:
Das ist unser eigentlicher Reichtum.

Nicht das, was in einem Schrank steht.
Sondern das, was uns niemand mehr nehmen kann.

Heute besitzen wir weniger – aber wir erleben mehr

Unser Leben hier auf der Baja ist in vieler Hinsicht einfacher geworden.

Wir haben weniger Dinge.
Weniger Möbel.
Weniger Kleidung.
Weniger von dem, was sich im Laufe eines Lebens ganz selbstverständlich ansammelt.

Aber gleichzeitig erleben wir jeden Tag Dinge, für die andere Menschen tausende Kilometer fliegen.

Wir sehen den Pazifik.
Wir erleben die Wüste.
Wir beobachten Tiere in freier Natur.
Wir gehen mit unseren Hunden durch eine Landschaft, die sich für uns jeden Tag aufs Neue besonders anfühlt.

Und wir müssen nicht mehr darauf warten, dass der nächste Urlaub kommt.

Denn wir leben dort, wo andere Urlaub machen.

Das bedeutet für uns einen ganz anderen Reichtum.

Früher mussten wir Urlaub nehmen, um dieses Gefühl von Freiheit zu erleben.
Heute ist es Teil unseres Alltags.

Natürlich bedeutet das nicht, dass wir jeden Tag am Strand liegen und nichts zu tun haben.

Auch unser Leben hier besteht aus Arbeit, Verpflichtungen, Baustellen, Bürokratie und den ganz normalen Herausforderungen des Alltags.

Aber trotzdem ist da dieses Grundgefühl:
Wir sind dort, wo wir sein möchten.

Unser Luxus war schon immer die Freiheit

Vielleicht war es deshalb gar nicht so schwer, Dinge zurückzulassen.

Denn unser größter Luxus war für uns eigentlich nie der Besitz.
Es war immer die Freiheit.

Die Freiheit, zu reisen.
Die Freiheit, Neues zu entdecken.
Die Freiheit, gemeinsam irgendwohin aufzubrechen.

Und heute bedeutet Freiheit für uns noch etwas anderes:
Zeit zu haben.

Nicht ständig auf die Uhr schauen zu müssen.
Nicht jeden Tag in einem durchgetakteten Leben zu verbringen.

Morgens aufzuwachen und nicht sofort das Gefühl zu haben, funktionieren zu müssen.

Einfach einmal lange zu frühstücken.
Mit den Hunden spazieren zu gehen.
Am Strand zu sitzen.
Oder einen ganzen Nachmittag nichts Besonderes zu tun.

Und genau das ist für uns heute vielleicht der größte Luxus überhaupt.

Wir haben nicht weniger Ansprüche – wir haben andere Prioritäten

Wir möchten nach wie vor schön wohnen.
Wir freuen uns über schöne Möbel.
Wir genießen gutes Essen.
Wir mögen Komfort.

Und ja, natürlich bauen wir auch einen Pool. 😄

Wir sind keine Menschen geworden, die plötzlich behaupten, dass man zum Glücklichsein nur eine Hängematte und zwei Kokosnüsse braucht.

Das wäre nicht unser Leben.

Aber wir haben gelernt, dass es einen Unterschied gibt zwischen etwas schön finden und es unbedingt besitzen müssen.

Wir können uns heute über schöne Dinge freuen, ohne dass sie unseren Wert bestimmen.

Und wir müssen niemandem beweisen, was wir haben.

Das ist ein großer Unterschied.

Unser Haus darf schön sein.
Unser Leben darf auch etwas komfortabel sein.
Wir dürfen uns Dinge leisten.

Aber sie sind nicht mehr das, woran wir unser Glück messen.

Denn am Ende ist es völlig egal, wie teuer ein Sofa ist, wenn man darauf nicht die Zeit mit den Menschen verbringt, die man liebt.

Unser Geld fließt heute noch mehr in Erlebnisse

Wenn wir heute Geld ausgeben, dann ist es nach wie vor sehr oft für Dinge, die wir gemeinsam erleben können.

Für Reisen.
Fürs Tauchen.
Für Abenteuer.
Für gutes Essen.
Für unsere Hunde.
Für unser Leben hier.

Wir sind immer noch die Menschen, die lieber viel Geld für eine Reise an einen abgelegenen Ort ausgeben würden, als uns etwas zu kaufen, das uns nur deshalb gefällt, weil es teuer oder angesagt ist.

Vielleicht hat sich daran durch die Auswanderung gar nicht so viel verändert.

Vielleicht ist uns nur noch bewusster geworden, dass genau das schon immer unsere Art war, glücklich zu sein.

Wir sammeln keine Statussymbole.
Wir sammeln Erinnerungen.

Und dann gibt es Dinge, die man nicht kaufen kann

Man kann Zeit nicht kaufen.
Keine echte Freiheit.
Keine Gesundheit.
Keine Freundschaft.
Keine Liebe.
Kein Gefühl von Zuhause.
Und keinen Sonnenuntergang am Pazifik.

Man kann natürlich ein wunderschönes Haus bauen.
Man kann sich schöne Dinge leisten.

Aber am Ende sind es nicht diese Dinge, die darüber entscheiden, ob man glücklich ist.

Es ist das Leben, das darin stattfindet.
Die Menschen, mit denen man es teilt.
Die Erfahrungen, die man macht.
Und die Zeit, die man tatsächlich miteinander hat.

Der größte Luxus sind wir selbst

Und dann gibt es etwas, das wir heute mehr schätzen als alles, was man kaufen kann:
Wir haben uns.

Den Menschen, mit dem wir durch dick und dünn gegangen sind.
Den Menschen, dem wir blind vertrauen können.
Den Menschen, mit dem wir seit so vielen Jahren unser Leben teilen, gemeinsam die Welt entdeckt, Abenteuer erlebt, schwierige Zeiten überstanden und immer wieder neue Träume gewagt haben.

Und vielleicht ist das Schönste daran:
Wir lieben uns heute mehr als je zuvor.

Manchmal braucht es für den schönsten Abend überhaupt nicht viel.

Manchmal reicht eine Decke irgendwo draußen, der Blick auf die Natur, eine gute Flasche mexikanischen Rotwein und wir beide.

Wir sitzen einfach da.
Reden.
Lachen.
Schweigen.

Und genießen den Moment.

Und irgendwann schauen wir uns an und denken:
Was brauchen wir eigentlich mehr?

Vielleicht ist genau das für uns heute der größte Luxus.

Nicht das, was wir besitzen.
Sondern dass wir uns gegenseitig haben.

Das ist wahrer Luxus.
Dass wir gemeinsam hier sitzen.
Dass wir Zeit füreinander haben.
Dass wir uns nicht ständig fragen müssen, was uns noch fehlt.

Und wir wollen irgendwann zurückblicken und sagen können:
Wir haben unser Leben nicht nur organisiert.
Wir haben es gelebt.

Vielleicht ist das für uns heute der größte Reichtum überhaupt.

Nicht, dass wir weniger besitzen.
Sondern dass wir immer mehr von dem besitzen, was man nicht kaufen kann:
Zeit.
Erinnerungen.
Freiheit.
Liebe.
Und ein Leben, das sich endlich nach unserem eigenen anfühlt.

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