Bürokratie in Mexiko?!

Bereits lange vor unserer Auswanderung wurden wir immer wieder gewarnt: Die mexikanische Bürokratie sei für Europäer kaum nachvollziehbar, unglaublich kompliziert und vor allem nervenaufreibend.

Mit genau dieser Erwartung sind wir nach Mexiko gekommen.

Was wir in den letzten Wochen erlebt haben, zeichnet allerdings ein etwas anderes Bild.

Zugegeben, der Aufwand, der hier auf den Ämtern betrieben wird, wäre in Europa heutzutage vermutlich kaum noch vorstellbar. Gefühlt sind an jedem Antrag vier oder fünf Mitarbeiter beteiligt. Man erhält bei der Anmeldung eine Wartenummer, wird zum nächsten Kollegen geschickt, bekommt dort einen Stempel, geht wieder zurück und anschließend zur nächsten Station. Meist folgen dann noch Foto und Fingerabdrücke – selbstverständlich bei einem anderen Mitarbeiter. Danach geht es zur Kassa und schließlich wieder zurück zu jener Person, die den Antrag ursprünglich bearbeitet hat.

Damit ist die Reise durch die Behörde aber oft noch nicht zu Ende. Es werden Dokumente eingescannt, Formulare ausgefüllt, Kopien angefertigt und gefühlt weitere zwanzig Seiten ausgedruckt und dem Antrag beigefügt. Danach wartet man noch auf die Ausstellung der entsprechenden Karte oder Bescheinigung.

Ja, das kann durchaus mehrere Stunden dauern.

Dabei hat man aber nie den Eindruck, dass die Mitarbeiter Däumchen drehen. Ganz im Gegenteil. Während man wartet, werden gefühlt hunderte Felder am Computer ausgefüllt, Dokumente kontrolliert und Akten bearbeitet.

Auf den ersten Blick wirkt das alles ziemlich kompliziert. Hat man das System jedoch einmal verstanden, wird der Ablauf erstaunlich vorhersehbar. Also setzt man sich auf einen der bereitgestellten Stühle im Wartebereich, lehnt sich zurück und kommt mit seinem Sitznachbarn ins Gespräch. Über das Wetter, das Leben oder aktuell natürlich über die Fußball-Weltmeisterschaft.

Was uns allerdings auf sämtlichen Ämtern besonders aufgefallen ist und sich wie ein roter Faden durch unsere bisherigen Erfahrungen zieht, ist die selbstverständliche Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter.

Da wird ein Kollege hinzugezogen, um etwas genauer zu erklären. Fachbegriffe werden kurzerhand mit dem Handy ins Englische übersetzt. Nicht nur einmal hat sich ein Mitarbeiter sogar dafür entschuldigt, nicht besser Englisch zu sprechen.

Hallo?

Wir sind in Mexiko.

Eigentlich wäre es unsere Aufgabe, fließend Spanisch zu sprechen – nicht umgekehrt.

Jedes Mal verlassen wir eine Behörde, schauen uns an und sind aufs Neue verblüfft, wie viel einfacher vieles sein könnte, wenn Menschen bereit sind, einander zu unterstützen. Nicht weil die Abläufe einfacher wären als in Europa – oft sind sie es sogar deutlich weniger. Sondern weil Freundlichkeit, Geduld und Hilfsbereitschaft vieles leichter machen.

Genau diese Erfahrungen bestärken uns immer wieder darin, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. In ein Land auszuwandern, in dem ein freundliches Lächeln, gegenseitiger Respekt und menschliche Unterstützung offenbar noch einen hohen Stellenwert haben.

Natürlich ist auch hier nicht alles perfekt. Aber wir erleben jeden Tag eine Herzlichkeit, die uns beeindruckt und berührt – und die uns sicherer denn je macht, dass wir hier eine gute Entscheidung getroffen haben und sehr glücklich werden.

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