Bürokratie in Mexiko?! Warum wir trotzdem gerne aufs Amt gehen

Bereits lange vor unserer Auswanderung wurden wir immer wieder gewarnt: Die mexikanische Bürokratie sei für Europäer kaum nachvollziehbar, unglaublich kompliziert und vor allem nervenaufreibend.

Mit genau dieser Erwartung sind wir nach Mexiko gekommen.

Und ja – kompliziert ist es tatsächlich. 😄

Was wir in den letzten Wochen aber erlebt haben, zeichnet trotzdem ein etwas anderes Bild.

Zugegeben: Der Aufwand, der hier auf den Ämtern betrieben wird, wäre in Europa heutzutage vermutlich kaum noch vorstellbar.

Gefühlt sind an jedem Antrag vier oder fünf Mitarbeiter beteiligt. Man erhält eine Wartenummer, wird zum nächsten Kollegen geschickt, bekommt dort einen Stempel, geht wieder zurück und anschließend zur nächsten Station. Dann folgen Foto und Fingerabdrücke – natürlich wieder bei einem anderen Mitarbeiter.

Danach geht es zur Kassa und schließlich wieder zurück zu jener Person, die den Antrag ursprünglich bearbeitet hat.

Und damit ist die Reise durch die Behörde oft noch lange nicht beendet.

Dokumente werden eingescannt, Formulare ausgefüllt, Kopien angefertigt und gefühlt weitere zwanzig Seiten ausgedruckt und dem Antrag beigefügt.

Und dann heißt es:

Warten.

Ja, so ein Behördengang kann hier durchaus mehrere Stunden dauern.

Was uns dabei aber immer wieder auffällt: Niemand hat den Eindruck, dass die Mitarbeiter einfach nur Zeit absitzen.

Ganz im Gegenteil.

Während wir warten, werden gefühlt hunderte Felder am Computer ausgefüllt, Dokumente kontrolliert und Akten bearbeitet.

Auf den ersten Blick wirkt das alles unglaublich kompliziert.

Hat man das System aber einmal verstanden, wird der Ablauf erstaunlich vorhersehbar.

Also setzt man sich auf einen der bereitgestellten Stühle im Wartebereich, lehnt sich zurück und kommt mit seinem Sitznachbarn ins Gespräch.

Über das Wetter.

Über das Leben.

Oder – wie aktuell natürlich besonders häufig – über die Fußball-Weltmeisterschaft. 😄

Und genau da sind wir bei dem Punkt, der uns bisher auf fast allen Ämtern besonders beeindruckt hat:

Die Hilfsbereitschaft.

Da wird ein Kollege hinzugezogen, um etwas genauer zu erklären.

Fachbegriffe werden kurzerhand mit dem Handy ins Englische übersetzt.

Und nicht nur einmal hat sich ein Mitarbeiter sogar dafür entschuldigt, nicht besser Englisch zu sprechen.

Hallo?

Wir sind in Mexiko.

Eigentlich wäre es doch unsere Aufgabe, Spanisch zu sprechen – nicht umgekehrt.

Natürlich würden wir uns wünschen, dass unser Spanisch schon besser wäre. Aber bis dahin sind wir unglaublich dankbar für jeden, der versucht, uns weiterzuhelfen.

Und genau das erleben wir hier immer wieder.

Menschen, die sich Zeit nehmen.

Die erklären.

Die versuchen, eine Lösung zu finden.

Die einen nicht einfach wegschicken, nur weil man etwas nicht sofort versteht.

Und plötzlich merkt man:

Bürokratie muss nicht angenehm sein, nur weil sie funktioniert. Aber sie kann sich deutlich angenehmer anfühlen, wenn Menschen freundlich miteinander umgehen.

Jedes Mal, wenn wir eine Behörde verlassen, schauen wir uns an und sind aufs Neue verblüfft, wie viel einfacher vieles sein könnte, wenn Menschen bereit sind, einander zu unterstützen.

Nicht, weil die Abläufe hier einfacher wären als in Europa.

Oft sind sie sogar deutlich komplizierter.

Sondern weil Freundlichkeit, Geduld und Hilfsbereitschaft vieles leichter machen.

Natürlich ist auch in Mexiko nicht alles perfekt.

Manchmal dauert etwas länger.

Manchmal braucht man mehr Geduld.

Und manchmal muss man einen Behördengang eben zweimal machen, weil sich irgendwo ein neues Problem auftut. 😄

Aber wir haben gelernt, dass es hilft, sich darauf einzulassen.

Nicht alles mit europäischen Maßstäben zu messen.

Nicht ständig zu denken: „Das könnte doch viel einfacher gehen!“

Sondern einfach einmal tief durchzuatmen, sich hinzusetzen und abzuwarten.

Und vielleicht mit genau dem Menschen neben uns ins Gespräch zu kommen, den wir sonst nie kennengelernt hätten.

Denn am Ende sind es oft genau diese kleinen Begegnungen, die uns zeigen, warum wir uns hier so wohlfühlen.

Wir sind nach Mexiko gekommen und hatten mit komplizierter Bürokratie gerechnet.

Was wir zusätzlich gefunden haben, sind Menschen, die uns immer wieder überraschen.

Mit ihrer Geduld.

Mit ihrer Hilfsbereitschaft.

Und mit ihrer Selbstverständlichkeit, einander zu unterstützen.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lektion, die wir bisher gelernt haben:

Nicht jeder komplizierte Weg muss sich kompliziert anfühlen.

Manchmal braucht es einfach ein bisschen mehr Zeit.

Ein bisschen mehr Geduld.

Und ein freundliches Lächeln.

Und genau deshalb verlassen wir auch heute noch jedes Amt ein bisschen müde – aber meistens mit einem guten Gefühl.

Und manchmal sogar mit einem neuen Freund für die nächste Wartezeit. 😄

Mexikanische Bürokratie?

Wir würden lügen, wenn wir sagen würden, dass wir sie lieben.

Aber wir haben gelernt, mit ihr zu leben.

Und wenn dabei so viel Menschlichkeit mitschwingt, ist das für uns ein ziemlich guter Deal.

Übrigens: Alle Punkte rund um Länderwahl, Aufenthaltstitel und Dokumente haben wir ausführlich in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko gesammelt.

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