Wie sich unser Leben hier eigentlich anfühlt

Wir werden oft gefragt, wie sich unser Leben jetzt eigentlich so anfühlt.

Ob wir uns mittlerweile richtig eingelebt haben. Ob alles anders ist als früher.

Und ich muss euch vielleicht ein bisschen enttäuschen:

Es sind keine radikalen Veränderungen.

Kein „Wow, plötzlich ist alles komplett anders!“

Es sind vielmehr ganz viele kleine Dinge. Veränderungen, die sich langsam und beinahe unbemerkt in unseren Alltag geschlichen haben.

Dinge, die wir anfangs vielleicht gar nicht bewusst wahrgenommen haben und die uns heute plötzlich zeigen, wie sehr sich unser Blick auf das Leben verändert hat.

Einer der Gründe, warum wir Europa den Rücken gekehrt haben, war das Gefühl, dass sich dort vieles immer mehr um Geld, Macht und Neid dreht.

Darum, wer was besitzt, wer erfolgreicher ist, wer mehr hat.

Und darum, dass jeder zunächst einmal auf sich selbst schaut.

Hier haben sich unsere Prioritäten erstaunlich schnell verschoben.

Denn hier wirst du nicht zuerst danach beurteilt, wer du bist, was du hast oder was du dir leisten kannst.

Du kannst drei Tage lang in derselben zerschlissenen Jeans herumlaufen – es interessiert niemanden.

Und trotzdem grüßen dich die Menschen.

Nicht dieses flüchtige, beiläufige Nicken, das man manchmal aus Höflichkeit macht.

Sondern ein echtes, freundliches Hola.

Überhaupt begegnen sich die Menschen hier anders.

Wenn wir am Strand sind, sehen wir die typisch mexikanischen Familien, die gemeinsam den Sonnenuntergang genießen. Die Kinder toben im Wasser, Papa genießt sein Cerveza und Mama hat alles, was es für das Abendessen braucht, in Körben mitgebracht.

Es braucht nicht viel.

Kein schickes Restaurant.

Keine perfekte Tischdekoration.

Keine Inszenierung.

Ein Strand, ein paar Körbe mit Essen, ein Cerveza und Menschen, die miteinander Zeit verbringen.

Und irgendwann kommt man miteinander ins Gespräch.

Man lacht gemeinsam.

Man unterhält sich mit völlig fremden Menschen.

Menschen, die man vielleicht nie wiedersehen wird.

Und niemand findet das komisch.

Es ist einfach normal.

Auch in unserer Straße erleben wir das jeden Tag.

Wenn ein Auto vorbeifährt, winkt uns der Fahrer freundlich zu. Manchmal kennen wir die Menschen gar nicht. Trotzdem wird gegrüßt.

Es sind Kleinigkeiten.

Aber genau diese Kleinigkeiten sind es, die sich irgendwann ganz groß anfühlen.

Und vielleicht ist es auch genau dieses ganz selbstverständliche Miteinander, das wir hier so deutlich spüren.

Wenn es abends kühler wird, erwacht unsere kleine Straße zum Leben.

Die Männer holen ihre Stühle heraus und setzen sich unter die Bäume vor ihren Häusern, weil es dort inzwischen angenehmer ist als im eigenen Garten.

Die Kinder spielen Fußball.

Die Hunde rennen über die Straße oder liegen einfach mitten darauf in einer kühlen Mulde im Sand.

Und es stört keinen.

Ganz im Gegenteil.

Wenn ein Auto kommt, wird eben langsam Slalom um die Hunde gefahren.

Niemand hupt.

Niemand regt sich auf.

Man fährt einfach vorsichtig weiter.

Durch das offene Autofenster werden ein paar Worte mit dem Nachbarn gewechselt, der vielleicht drei Häuser weiter sitzt.

Ein kurzer Zuruf, ein Lachen, ein paar Worte über den Tag.

Niemand ist in Eile.

Die Straße gehört am Abend irgendwie allen.

Den Kindern, die Fußball spielen.

Den Männern, die unter den Bäumen sitzen.

Den Hunden, die sich ihre kühlste Stelle im Sand suchen.

Und den Menschen, die einfach vorbeikommen und für einen kurzen Moment Teil dieses kleinen Straßenlebens werden.

Es ist nichts Besonderes.

Kein großes Ereignis.

Kein Fest.

Es ist einfach Alltag.

Und vielleicht ist genau das das Besondere daran.

Es gibt keine Hektik.

Keinen, der ständig auf die Uhr schaut.

Und wenn man einen Moment länger braucht, um an einem Hund vorbeizufahren oder kurz mit dem Nachbarn zu plaudern, dann ist das eben so.

Niemand ist in Eile.

Und dann ist da dieses berühmte „Ahorita“.

Zeit funktioniert hier einfach anders.

Es geht nicht alles nach Stechuhr.

Nicht jede Minute ist durchgetaktet.

Nicht jeder Termin muss auf die Minute genau funktionieren. Manchmal bedeutet Ahorita eben jetzt – und manchmal irgendwann später. 😄

Und trotzdem funktioniert es.

Nicht so, wie wir es aus Europa gewohnt sind.

Nicht nach unseren Vorstellungen von Pünktlichkeit, Effizienz und perfekter Organisation.

Sondern auf die mexikanische Art.

Und vielleicht ist genau das eine der größten Lektionen, die wir hier lernen.

Was man an europäischen Standards bei der Qualität mancher Artikel vielleicht einbüßt, gewinnt man an Lebensqualität gleich doppelt zurück.

Man gewinnt Zeit.

Zeit füreinander.

Zeit miteinander.

Zeit für Gespräche, die eigentlich gar kein bestimmtes Ziel haben.

Gespräche über alles und nichts, die trotzdem wichtig sind. Zeit, einfach irgendwo zu sitzen, ohne dabei ständig auf die Uhr zu schauen.

Man kann eine Stunde am Strand sitzen und sich von der unbändigen Brandung des Pazifiks berauschen lassen.

Einfach so.

Ohne etwas erledigen zu müssen.

Ohne das Gefühl zu haben, diese Stunde müsste eigentlich produktiver genutzt werden.

Und dann gibt es diese stillen Momente.

Momente, in denen man gemeinsam irgendwo sitzt und einfach nichts sagt.

Keine unangenehme Stille, die schnell gefüllt werden muss. Sondern eine Stille, die Nähe schafft.

Eine Intimität, für die man in Europa vielleicht irgendwann einfach keine Zeit mehr hatte.

Und etwas, das ich ehrlich gesagt anfangs ganz anders erwartet hatte, ist die Ruhe.

Ich hatte irgendwie die Vorstellung, dass die Mexikaner ein eher lautes Volk sind.

Vielleicht, weil man Mexiko automatisch mit Musik, Festen, Lebensfreude und ausgelassenen Feiern verbindet.

Und ja – feiern können sie.

Und wie! 😄

Aber im ganz normalen Alltag sind die Menschen hier erstaunlich ruhig.

Kein Geschrei.

Kein lautes Streiten.

Keine wütenden Stimmen, die durch die Straße hallen.

Kein lautes Wort.

Stattdessen hört man die ganz normalen Geräusche des Lebens. Kinder, die spielen. Hunde, die irgendwo bellen. Autos, die langsam durch die Straße fahren. Menschen, die sich unterhalten.

Und dann hört man es plötzlich:

Lachen.

Es ist dieses Lachen, das man von überall her hört.

Aus einem Garten. Von der Straße. Aus einem Haus. Von irgendwo hinter den Bäumen.

Und irgendwie passt es perfekt zu diesem Ort.

Die Menschen hier scheinen nicht ständig laut sein zu müssen, um Lebensfreude zu zeigen.

Sie lachen einfach.

Und manchmal denke ich mir, dass man daran vielleicht am besten erkennt, wie sich unser Leben hier verändert hat.

Wir nehmen diese kleinen Geräusche viel bewusster wahr.

Das Lachen irgendwo in der Nachbarschaft.

Die Kinder, die Fußball spielen.

Die Stimmen unter den Bäumen.

Das Meer, das im Hintergrund rauscht.

Und zwischendrin diese unglaubliche Ruhe.

Es ist nicht still hier. Aber es ist ruhig.

Und irgendwo hört man eigentlich immer jemanden lachen.

Einer allerdings ist ganz typisch für Mexiko und bringt uns immer wieder zum Schmunzeln.

Egal, wie alt, verrostet oder kaputt ein Auto auch sein mag – eines scheint hier fast immer einwandfrei zu funktionieren:

Die Musikanlage.

Und die läuft dann nicht einfach ein bisschen.

Nein.

Die Musik dröhnt in einer Lautstärke aus den Lautsprechern, bei der man kurz überlegen muss, ob gerade ein Düsenjet startet. 😄

Und was läuft?

Natürlich die typisch dramatischen mexikanischen Lieder.

Und natürlich geht es – wie könnte es anders sein – um die Liebe.

Um die große Liebe.

Die verlorene Liebe.

Die unerfüllte Liebe.

Die Liebe, die weh tut.

Oder um die Liebe, die man niemals vergessen wird.

Je dramatischer, desto besser.

Und so fährt dann ein völlig verrostetes Auto, das vermutlich schon mehrere Leben hinter sich hat, langsam durch unsere Straße – die Musik auf Anschlag, die Fenster offen und irgendwo zwischen den Häusern hallt ein herzzerreißender Liebessong wider.

Und wir müssen jedes Mal grinsen.

Denn irgendwie ist auch das Mexiko.

Ruhig, herzlich und entspannt – und gleichzeitig mit einer Leidenschaft für große Gefühle, die man unmöglich überhören kann. 😄

Und wenn wir schon bei der Musik sind, gibt es noch etwas, das für uns mittlerweile ganz typisch zu unserem mexikanischen Alltag gehört.

Über den Tag verteilt fahren immer wieder Autos oder Mopeds mit Lautsprechern durch unsere Straße. Und jedes davon hat seine ganz eigene Musik.

Wir haben eine ganze Weile gebraucht, um überhaupt zu verstehen, was es mit diesen fahrenden Lautsprechern auf sich hat.

Der eine ist der Gaslieferant.

Alle paar Tage dreht er seine Runde durch die Nachbarschaft und kündigt mit dröhnender Musik und seinem unverwechselbaren „Cali-Gas“ an, dass er wieder unterwegs ist.

Dann gibt es den Wasserlieferanten, der die großen Wasser-Galonen bringt – hier übrigens etwas ganz Alltägliches und unglaublich Wichtiges.

Für die Kinder ist natürlich der kunterbunte Eiswagen das absolute Highlight.

Wobei ich persönlich bei dessen Musik jedes Mal ein bisschen nervös werde. 😄

Ich finde sie ehrlich gesagt ziemlich gruselig.

Sie erinnert mich immer ein wenig an den Clown aus Stephen Kings ES.

Und jedes Mal denke ich mir insgeheim: Gleich springt der Clown aus dem Eiswagen! 😂

Dann gibt es den Obstverkäufer, den Wagen mit frisch gepressten Fruchtsäften und natürlich auch den Altmetallsammler.

Jeder hat seine eigene Musik.

Seine eigene Melodie.

Seine eigene Art, sich anzukündigen.

Und das Faszinierende daran ist: Sie fahren wirklich durch jede Straße.

Egal, wie klein oder abgelegen sie ist.

Sie kommen zu den Menschen und bieten ihre Waren und Dienstleistungen direkt vor der Haustür an.

Mittlerweile erkennen wir schon an der Musik, wer gerade durch unsere Straße fährt.

Und so gehört auch dieses ganz eigene musikalische Durcheinander zu unserem Alltag.

Und irgendwie ist auch das wieder so ein kleines Detail, das wir inzwischen lieben.

Denn hier kommt das Leben einfach zu dir.

Man muss nicht immer danach suchen.

Manchmal fährt es einfach mit dröhnender Musik an deinem Haus vorbei. 😄

Und dann sind da die Menschen, die uns immer wieder aufs Neue überraschen.

Der Arzt, der dir nicht nur eine Behandlung anbietet, sondern dir ganz selbstverständlich auch den Flug und das Hotel zum Spezialisten organisieren würde.

Der Arzt, der dir um elf Uhr nachts noch eine WhatsApp schreibt, um sicherzugehen, dass du deinen Termin nicht vergessen hast.

Der Steuerberater, der sonntags auf deine Nachricht antwortet.

Menschen, die Dinge tun, die vielleicht gar nicht zu ihrer eigentlichen Verpflichtung gehören.

Die dafür nicht extra bezahlt werden und die es trotzdem machen.

Einfach, weil es hier offenbar dazugehört.

Hier gibt es keinen Dienst nach Vorschrift.

Kein „Dafür bin ich nicht zuständig.“

Kein „Dafür müssten Sie einen Termin vereinbaren.“

Kein „Das mache ich erst wieder am Montag.“

Natürlich funktioniert auch hier nicht immer alles perfekt.

Manchmal dauert etwas länger, manchmal läuft etwas chaotischer und manchmal muss man mehr Geduld mitbringen, als wir es aus Europa gewohnt sind.

Und vielleicht ist genau das der Punkt, den wir so schwer in Worte fassen können: Die Menschen hier scheinen ihre Arbeit und ihre Dienstleistungen nicht nur als etwas zu sehen, das man gegen Geld erledigt.

Es ist persönlicher.

Menschlicher.

Man hilft einander.

Man kümmert sich.

Man antwortet, auch wenn es Sonntag ist. Man schreibt, auch wenn es spät am Abend ist.

Man macht einen Schritt mehr, obwohl man ihn nicht machen müsste.

Und genau diese kleinen Gesten sind es, die uns immer wieder berühren.

Dabei ist das Leben hier keineswegs einfacher.

Die Baja ist kein Ort, an dem einem immer alles leicht gemacht wird.

Sie ist heiß, staubig, manchmal chaotisch und ganz sicher nichts für Weicheier. 😄

Das Leben hier kann rau und herausfordernd sein und verlangt einem durchaus einiges ab.

Aber vielleicht ist es genau diese raue Seite, die das Leben hier so besonders macht – und die Menschen umso herzlicher, hilfsbereiter und menschlicher.

Denn je härter das Leben manchmal ist, desto herzlicher scheinen die Menschen miteinander umzugehen.

Hier scheint es weniger wichtig zu sein, woher du kommst. Wie viel du besitzt. Welches Auto du fährst. Was auf deinem Konto liegt.

Was nützen einem die teuersten Markenklamotten – wobei ich ohnehin nie ein großer Fan davon war – wenn man mit seinem eigenen Leben nicht im Reinen ist?

Was bringt mir die neueste Handtasche, das teuerste Auto oder die nächste Designerjeans, wenn ich trotzdem ständig das Gefühl habe, noch mehr haben zu müssen?

Lieber sitze ich glücklich und zufrieden in meinen alten Turnschuhen am Strand und genieße mein Leben, als ständig diesem Drang hinterherzulaufen, etwas Neues, Besseres und noch Teureres besitzen zu müssen, nur um mich damit zu profilieren oder anderen zu zeigen, was ich mir leisten kann.

Denn am Ende sind es nicht die Marken, die uns glücklich machen.

Es ist das Gefühl, mit sich selbst und seinem Leben im Reinen zu sein.

Du bist einfach da.

Und das reicht.

Vielleicht ist genau das eine der größten Veränderungen, die wir an uns selbst bemerken.

Wir brauchen weniger – und nehmen dafür umso mehr wahr.

Den Menschen, der uns auf der Straße grüßt.

Die kleinen Gesten, die niemand machen müsste und die trotzdem selbstverständlich sind.

Vielleicht war es genau das, wonach wir gesucht haben, ohne es vorher wirklich in Worte fassen zu können.

Nicht nach einem perfekten Leben.

Nicht nach einem leichteren Leben.

Sondern nach einem Leben, in dem die Menschen einander noch sehen.

Ein Leben, in dem man einen Fremden grüßt, einfach weil er da ist.

Ein Leben, in dem man sich mit Menschen unterhält, ohne vorher darüber nachzudenken, welchen Status sie haben.

Ein Leben, in dem Zeit nicht immer etwas ist, das man möglichst effizient nutzen muss.

Ein Leben, in dem man am Strand sitzt, gemeinsam den Sonnenuntergang betrachtet und für einen Moment völlig egal ist, wer welchen Job hat, wie viel Geld jemand verdient oder was der Nachbar besitzt.

Vielleicht sind es genau diese kleinen, schleichenden Veränderungen, die uns heute zeigen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Wir sind nicht einfach nur nach Mexiko gezogen.

Wir haben angefangen, anders zu leben.

Und genau das war es, was wir uns von diesem neuen Leben am meisten erhofft hatten.

Mehr über unseren Weg nach Mexiko erfahrt ihr auf unserem YouTube-Kanal, wo wir unsere Geschichte von Anfang an begleiten – schon seit den ersten Vorbereitungen in Österreich.


Ein wichtiger Hinweis zu unseren Beiträgen

Alles, was wir hier teilen, basiert auf unseren eigenen Erfahrungen und auf Recherchen, die wir nach bestem Wissen und Gewissen durchführen.

Wir sind aber keine Anwälte, Steuerberater oder sonstige Fachleute, und wir können nicht garantieren, dass alle Informationen vollständig oder aktuell sind.

Gesetze und Vorschriften können sich ändern, und je nach Region in Mexiko kann sich die Situation unterscheiden.

Unser Rat: Bevor ihr euch auf Informationen aus diesem Blog verlasst, prüft sie bitte selbst nochmal bei den zuständigen Behörden oder Fachleuten vor Ort.

Wir möchten euch mit unseren Erfahrungen unterstützen, aber die Verantwortung für eure eigenen Entscheidungen könnt ihr uns damit nicht abnehmen. 😊

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