Dinge, die uns vor der Auswanderung niemand gesagt hat

Es gibt unzählige Beiträge darüber, wie man nach Mexiko auswandert.

Welche Dokumente man braucht.
Wie man eine Aufenthaltsgenehmigung bekommt.
Was eine Wohnung kostet.
Welche Banken es gibt.
Wie das Wetter ist.

Vieles davon ist wichtig.

Aber manches versteht man erst, wenn man tatsächlich hier lebt.

Denn zwischen „Das haben wir vorher gelesen“ und „Jetzt erleben wir es selbst“ liegt manchmal ein ziemlich großer Unterschied.

Nach unseren ersten Monaten in Mexiko gibt es deshalb einige Dinge, bei denen wir heute sagen würden: Das hätte man uns ruhig vorher sagen können bzw in unserem Fall – gut dass wir das schon gewußt haben.

Freundlicher heißt nicht schneller

Die Menschen, mit denen wir hier zu tun haben, erleben wir überwiegend als freundlich und hilfsbereit.

Auch Behördengänge empfinden wir grundsätzlich nicht als unangenehm. Im Gegenteil: Wir gehen inzwischen durchaus gerne aufs Amt.

Aber freundlich bedeutet eben nicht automatisch schnell.

Auch in Mexiko gibt es Formulare, fehlende Unterlagen, zusätzliche Termine und Prozesse, die ihre Zeit brauchen.

Man kann dabei sehr freundlich miteinander umgehen und trotzdem am Ende feststellen, dass etwas, von dem man dachte, es sei heute erledigt, eben doch noch einen weiteren Termin braucht – oder vielleicht auch zwei.

Das war für uns eine interessante Erfahrung.

Wir haben gelernt, dass man Freundlichkeit und Effizienz nicht miteinander verwechseln sollte.

Das eine schließt das andere nicht aus – ist aber auch nicht automatisch miteinander verbunden.

Günstiger heißt nicht billig

Mit einer der häufigsten Vorstellungen über das Leben in Mexiko ist wahrscheinlich, dass hier alles günstiger ist als in Europa.

Ganz so einfach ist es nicht – schon gar nicht auf der Baja.

Es gibt Dinge, die tatsächlich erstaunlich günstig sind.

Andere sind preislich vergleichbar.

Und wieder andere können sogar deutlich teurer sein als in Österreich.

Gerade importierte Waren können ins Geld gehen. Auch bestimmte technische Geräte, Materialien oder Dinge, die nicht in Mexiko produziert werden, sind keineswegs automatisch billig.

Elektronik hat durchaus auch hier ihren Preis.

Bei anderen Produkten sieht es wiederum ganz anders aus.

Unsere Erfahrung bisher: Die Lebenshaltungskosten lassen sich nicht einfach mit einem einzigen Satz wie „Mexiko ist billiger“ beschreiben.

Es ist eher ein Flickenteppich.

Und je nachdem, was man kauft, wo man lebt und welchen Lebensstandard man gewohnt ist, kann die Rechnung ganz anders aussehen.

Ohne Spanisch kommt man weit – aber nicht überall hin

In touristischen Gegenden kann man sich erstaunlich lange ohne Spanisch durchschlagen.

Man findet Menschen, die Englisch sprechen. Man kann vieles online erledigen. Mit Händen, Füßen und Übersetzungs-App kommt man ebenfalls erstaunlich weit.

Aber irgendwann merkt man den Unterschied.

Denn Sprache ist nicht nur dafür da, eine Bestellung aufzugeben oder einen Behördengang zu überstehen.

Wenn man wirklich mit Menschen vor Ort in Kontakt kommen möchte, wenn man mit Nachbarn spricht, etwas über deren Alltag erfährt oder einfach einmal länger miteinander redet, verändert sich die Situation.

Wir merken selbst, dass Spanisch dabei eine wichtige Rolle spielt.

Man kann ohne Spanisch in Mexiko leben. Aber richtig ankommen ist etwas anderes.

Das ist wahrscheinlich einer der Punkte, den man vor der Auswanderung leicht unterschätzt.

Wasser ist plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr

Wer aus Österreich kommt, ist es gewohnt, den Wasserhahn aufzudrehen und Wasser zu haben.

Man denkt nicht darüber nach, woher es kommt.

Hier denken wir inzwischen deutlich öfter darüber nach.

Wasser ist auf der Baja keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Thema, das zum Alltag gehört.

Wie viel ist vorhanden?

Wie lange reicht es?

Was muss nachbestellt werden?

Was kann man verwenden und wofür?

Für uns ist das eine der größten Veränderungen im Denken überhaupt.

Wir haben uns inzwischen intensiv mit Wasserversorgung, Tanks, Trinkwasser und Grauwasser beschäftigt – und dabei festgestellt, dass Wasser hier nicht einfach irgendeine Ressource ist, die eben aus der Leitung kommt.

Man beginnt, über jeden Liter anders nachzudenken.

Und genau deshalb ist das auch kein Thema, das mit der Planung des Hauses irgendwann erledigt ist. Es wird Teil des täglichen Lebens bleiben.

Ein 4×4 ist manchmal einfach ein 4×4

Ein geländegängiges Fahrzeug klingt zunächst vielleicht nach einer netten Sache, wenn man in einer Gegend lebt, in der es viel unbefestigte Straßen gibt.

Bis es regnet.

Dann merkt man ziemlich schnell, dass aus einer normalen Strecke etwas ganz anderes werden kann.

Wir hatten selbst schon Situationen, in denen eine Strecke nach Regen plötzlich völlig anders aussah als vorher.

Was bei trockenem Wetter noch problemlos befahrbar ist, kann nach einem kräftigen Regenguss zu einer Herausforderung werden.

Spätestens dann versteht man, warum hier bestimmte Fahrzeuge nicht unbedingt gekauft werden, weil sie besonders cool aussehen.

Manchmal braucht man einfach ein Auto, das mit den Straßen klarkommt.

Die Hitze bestimmt mehr als nur die Kleidung

Vor der Auswanderung weiß man natürlich, dass es in Baja heiß werden kann.

Aber „heiß“ zu lesen und einen Alltag in dieser Hitze zu organisieren, sind zwei verschiedene Dinge.

Die Temperaturen beeinflussen, wann man etwas erledigt.

Wann man draußen arbeitet.

Wann man einkauft.

Wann man spazieren geht.

Und wann man einfach lieber im Schatten bleibt.

Gerade körperliche Arbeit verändert sich dadurch.

Man kann nicht einfach sagen: Heute bauen oder arbeiten wir eben den ganzen Tag draußen.

Der Tagesablauf richtet sich zunehmend danach, wann die Temperaturen es zulassen.

Das ist keine Kleinigkeit, die man irgendwann nicht mehr bemerkt.

Es wird einfach Teil der Planung.

Baustellen haben ihren eigenen Kalender

Wer ein Haus baut, kennt das wahrscheinlich überall auf der Welt: Zeitpläne sind nicht immer so zuverlässig, wie man sie sich am Anfang vorstellt.

Hier kommt noch etwas dazu.

Man muss sich daran gewöhnen, dass nicht alles nach dem Kalender funktioniert, den man selbst im Kopf hat.

Ein Handwerker kommt nicht unbedingt genau dann, wenn man ihn erwartet.

Ein Material ist vielleicht noch nicht da.

Etwas muss anders gelöst werden als ursprünglich geplant.

Und plötzlich verschiebt sich wieder etwas.

Wir werden das bei unserem eigenen Hausbau sicherlich auch noch erleben.

Dabei hilft es wenig, sich jeden Tag darüber aufzuregen.

Man lernt irgendwann, flexibler zu planen.

Und vor allem lernt man, zwischen „Das dauert länger als geplant“ und „Das funktioniert nicht“ zu unterscheiden.

Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.

Sicherheit ist nicht einfach „Mexiko“

Ein weiterer Punkt, den wir vor unserer Auswanderung wahrscheinlich differenzierter hätten betrachten müssen, ist das Thema Sicherheit.

Mexiko wird von außen häufig sehr pauschal betrachtet.

Entweder als gefährliches Land oder als Traumland, in dem alles entspannt ist.

Beides wird der Realität nicht gerecht.

Sicherheit ist regional sehr unterschiedlich.

Was in einer Region völlig normal ist, kann wenige hundert Kilometer weiter schon anders aussehen.

Auch innerhalb eines Bundesstaates können sich Situationen unterscheiden.

Für uns bedeutet das vor allem, dass wir nicht versuchen, „Mexiko“ als Ganzes zu beurteilen.

Wir leben hier, kennen unsere Umgebung immer besser und entscheiden entsprechend.

Abgelegen zu wohnen klingt romantischer, als es manchmal ist

Unser Grundstück liegt nicht mitten in einer Stadt.

Das ist genau das, was wir wollten.

Ruhe, Platz und Abstand zum Trubel gehören für uns zu den großen Vorteilen.

Aber Abgeschiedenheit hat natürlich auch eine andere Seite.

Man ist nicht einfach in fünf Minuten beim nächsten Geschäft.

Nicht jeder Handwerker fährt begeistert bis nach draußen.

Und auch soziale Kontakte entstehen nicht automatisch, nur weil man irgendwo neu wohnt.

Wer in einer Expat-Hochburg lebt, hat es in dieser Hinsicht wahrscheinlich leichter.

Dort trifft man schneller andere Menschen, die ebenfalls neu sind und sich ein soziales Umfeld aufbauen möchten.

Wenn man dagegen bewusst abgelegen lebt, braucht manches einfach länger.

Das ist für uns kein Grund, unsere Entscheidung infrage zu stellen.

Aber es ist etwas, das man wissen sollte.

Ein Plan B ist plötzlich ganz normal

In Österreich haben wir uns kaum Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn einmal für ein paar Stunden der Strom ausfällt oder Wasser nicht verfügbar ist.

Hier sieht das anders aus.

Je abgelegener man lebt, desto wichtiger wird es, nicht vollständig von einer einzigen Versorgung abhängig zu sein.

Deshalb denkt man plötzlich über Dinge nach, die früher selbstverständlich waren:

Was machen wir, wenn der Strom ausfällt?

Wie lange reicht unser Wasser?

Was haben wir zu Hause, wenn wir wegen eines Unwetters nicht einfach einkaufen fahren können?

Brauchen wir eine zusätzliche Stromversorgung?

Wie organisieren wir die Wasserversorgung?

Was haben wir an Lebensmitteln auf Vorrat?

Das klingt vielleicht zunächst nach übertriebener Vorsicht.

Für uns ist es inzwischen eher eine Form von Alltagstauglichkeit.

Man plant nicht mehr nur den normalen Ablauf, sondern automatisch ein bisschen mit, was passiert, wenn etwas nicht normal läuft.

Und dann gibt es noch die vielen kleinen Dinge

Vielleicht sind es aber gar nicht die großen Unterschiede, die einem im Alltag am meisten auffallen.

Es sind die kleinen Dinge.

Dass man bestimmte Waren plötzlich nicht einfach kaufen kann.

Dass man für etwas, das in Österreich selbstverständlich war, plötzlich eine andere Lösung braucht.

Dass man sich an andere Öffnungszeiten, andere Abläufe und andere Gewohnheiten gewöhnt.

Dass ein Einkauf manchmal mehr Planung braucht.

Dass man Wetter nicht mehr nur als Wetter betrachtet, sondern als etwas, das die Straße, die Wasserversorgung oder den Tagesablauf beeinflussen kann.

Und irgendwann merkt man, dass man selbst beginnt, anders zu denken.

Nicht unbedingt besser oder schlechter.

Einfach anders.

Was wir daraus mitnehmen

Wir würden deshalb heute niemandem sagen: „So ist das Leben in Mexiko.“

Dafür ist das Land zu groß und die Lebensrealität zu unterschiedlich.

Wir können eigentlich nur sagen:

So erleben wir es.

Und genau deshalb finden wir diese kleinen Überraschungen inzwischen fast interessanter als die großen Dinge, über die man vor einer Auswanderung überall liest.

Denn eine Aufenthaltsgenehmigung kann man beantragen.

Ein Bankkonto kann man eröffnen.

Ein Haus kann man planen.

Aber wie sich das Leben tatsächlich anfühlt, merkt man erst, wenn man darin angekommen ist.

Und vielleicht ist genau das der Teil der Auswanderung, den man vorher am wenigsten recherchieren kann.

Übrigens: Den kompletten roten Faden unserer Auswanderung – von der Grundsatzentscheidung bis zu den ersten Wochen nach der Ankunft – findet ihr in unseren Checklisten zur Auswanderung nach Mexiko.

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